Obwohl Albrecht Bischoff nur fünf Jahre lang in Ludwigsstadt als Pfarrer tätig war, wird er Spuren hinterlassen. Am Sonntag, 30. Juli, wird er um 14 Uhr offiziell in der St. Michaeliskirche verabschiedet.

Dass der 65-Jährige in seiner Kirchengemeinde angekommen war, konnte man bei vielen Terminen in der Rennsteigstadt beobachten. Er galt bei den Ludwigsstädtern als "unser Pfarrer", dessen Wort Gewicht hat. Einer, der sich nicht nur in und für die Kirche einbrachte, sondern für die gesamte Stadt.


Netzwerk-Knüpfer

So war er es, der den Investor Gerd Sembale ins Spiel brachte, als es darum ging, das Areal am ehemaligen Schandfleck KEZ-Gebäude für Wohnungen zu nutzen. Bischoff engagierte sich in der Flüchtlingsarbeit. Bei der Diakonie Ludwigsstadt hatte sein Wort und beim Männergesangverein in Steinbach/Haide seine Stimme Gewicht.

Wenn Albrecht Bischoff von Stadtteil "Steemich" spricht gerät er ins Schwärmen. Er spricht von einer tollen Gemeinschaft. Oftmals habe er zu den Gesangsproben den Weg per Fuß zurückgelegt.

Dabei habe er die überragende Aussicht am Sommerberg genossen. Er spricht von der Natur, von Stille und von Zeit für Muße und Innehalten.


Offene Worte

Albrecht Bischoff ist aber auch einer, der Herausforderungen nicht verschweigt. Es sei mitunter schwierig, Menschen für den Glauben zu gewinnen, sagt er. Teilweise erlebe man Atheismus vor der Haustür.
Er spricht von der Flüchtlingsarbeit, darüber dass viele mit dem kulturellen Unterschied zu kämpfen haben. Auch die Sprachbarrieren erschweren die Integration und mitunter komme es vor, dass Flüchtlinge, die sich anpassen möchten, mit ihren Familien Schwierigkeiten bekommen.

Trotz aller Herausforderungen, ist für ihn Pfarrer ein schöner und erfüllender Beruf. "Wir verkaufen das beste Produkt, nämlich die Gnade Gottes!"

Und wie hat Albrecht Bischoff nun die Ludwigsstädter erlebt? In diesem Zusammenhang schwärmt er von den gastfreundlichen Menschen, von der Landschaft mit hohem Erholungswert. Bischoff spricht von einem guten und freundschaftlichen Miteinander mit Bürgermeister Timo Ehrhardt und dem Stadtrat.


Alles vorhanden

Und: "In Ludwigsstadt gibt es alles, was man braucht." Bischof beginnt aufzuzählen: "Da sind Bäcker, Metzger, Banken, Ärzte, Bahnhof, Seniorenheim, Sport- Gesang- und Musikvereine. Ludwigsstadt ist eine lebendige Gemeinde."

Spricht man Bischoff auf seine evangelische Kirche an, so schwärmt er, dass die Kirchenbücher bis ins Jahr 1525 zurückreichen. 200 Jahre, von 1810 bis 2010, sei Ludwigsstadt Dekanatssitz gewesen. Der Verlust des Dekanats sei damals von vielen als "Raub der Selbstständigkeit" wahrgenommen worden, erinnert er und meint: "Die Ludwigsstädter haben eine eigene Frömmigkeit und Sprache."

Und wie fühlt sich nun ein Pfarrer, der binnen kurzer Zeit an seinem neuen Wirkungsort heimisch wurde? "Alles hat seine Zeit." Der 30. Juli bedeute für ihn Abschiednehmen und Neuanfang.


Dankbarkeit für eine gute Zeit

Er und seine Frau, die als Katechetin in der Grundschule fünf Jahre tätig war, seien voller Dankbarkeit für die Zeit, die sie beide in Ludwigsstadt erleben durften.

Aber jetzt sei es an der Zeit, wieder an den Ort seiner Kindheit - nach Kulmbach - zurückzukehren. Jetzt freue er auf seine neue Lebensphase, in der er viel mehr Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen will.

Laut Bischoff wurde die Pfarrstelle in Ludwigsstadt bereits im Januar zum 1. September 2017 ausgeschrieben. Bisher hat sich noch niemand beworben. Ab 1. September wird Pfarrer Göll die Vertretung der Pfarrstelle in Ludwigsstadt übernehmen, bis sich ein Bewerber findet.