Im Oberen Rodachtal sind die Perspektiven gut. Davon sind die drei Bürgermeister der Kommunen Nordhalben, Steinwiesen und Wallenfels fest überzeugt. Wie die Zukunft aussehen könnte, daran arbeiten Josef Daum (Nordhalben), Gerhard Wunder (Steinwiesen) und Peter Hänel (Wallenfels) gerade. Die Grundlage dafür liefert ein gemeinsames Stadtumbaumanagement.

Es ist nicht neu, dass die Kommunen des Oberen Rodachtales gemeinsame Sache machen. Begonnen hat alles Anfang des vergangenen Jahrzehnts mit dem Projekt "Lebensqualität durch Nähe". Dabei wurden Arbeitskreise ins Leben gerufen, die sich auch aus der Bevölkerung heraus entwickelt haben. Daraus sind gute Ideen entstanden, wie zum Beispiel ein gemeinsames Gutscheinsystem für rabattiertes Einkaufen im Oberen Rodachtal.

Professionelle Hilfe

"Dieses Projekt war der Vorläufer des Stadtumbaumanagements - allerdings auf sehr loser Basis", betont Josef Daum. Doch im Lauf der Jahre habe das ehrenamtliche Engagement der Bürger immer mehr nachgelassen. "Nur mit ehrenamtlichen Helfern ist das schlecht zu meistern", verdeutlicht Gerhard Wunder. Deshalb haben die Kommunen beschlossen, sich professionelle Hilfe hinzuzuholen und das Nürnberger Büro Planwerk damit beauftragt, bei der Umsetzung unterstützend einzugreifen. "Selbst stößt man irgendwann an seine Grenzen", unterstreicht Wunder diesen erforderlichen Schritt.

Option auf Verlängerung

Angelegt ist das aktuelle Projekt zunächst auf ein Jahr mit der Option auf Verlängerung um zwei weitere Jahre. Die Kosten belaufen sich vorerst auf 70 000 Euro, die über das Interkommunale Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) mit 80 Prozent von Bund und Freistaat bezuschusst werden. Die Kosten für die drei Gemeinden halten sich demnach erst einmal in Grenzen. Wenn es um die Realisierung von Projekten geht, können Mehrkosten entstehen.

Wie Peter Hänel erklärt, liegen Konzepte für eine Steigerung der Attraktivität der Region vor. "Jetzt geht es an die Umsetzung." Dies alles geschieht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. "Unser Ziel muss es sein, die Zahl der Wegzüge zu reduzieren und neue Zuzüge zu generieren", betont Wunder.

Leitbild

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Kommunen des Oberen Rodachtales ein gemeinsames Leitbild entwickelt, in dem die weitere Vorgehensweise deklariert wird. Damit die gesteckten Ziele tatsächlich erreicht werden und das ganze Projekt weiter vorangetrieben wird, wird das Büro Planwerk in den einzelnen Gemeinden vor Ort mit einem Büro präsent sein und die Maßnahmen koordinieren, gleichermaßen aber auch als Ansprechpartner für die Bürger zur Verfügung stehen.

Damit wollen die Kommunen ihre Handlungshoheit jedoch nicht abgeben: "Die Aktivitäten müssen von uns ausgehen. Wir halten die Fäden in der Hand", betont Wunder und geht auch auf das erforderliche Bürgerengagement ein. "Wir müssen alle Gruppierungen mit ins Boot holen", spricht er Senioren ebenso an wie Jugendliche.

Große Herausforderung

Letztere dafür zu begeistern, darin sehen die drei Bürgermeister eine große Herausforderung. "Es ist schwierig, den Jugendlichen begreifbar zu machen, wie wichtig das ist", erklärt Josef Daum. Ihre Hoffnungen setzen die drei Bürgermeister unter anderem auf Pascal Bächer vom Büro Planwerk, der als Jugendbeauftragter im Münchberger Stadtrat bereits zahlreiche Erfahrungen mit Jugendlichen sammeln konnte. "Wir glauben, dass er viele Ideen hat, um die Jugendlichen erreichen zu können", so Hänel.

Die Verantwortlichen können auf ihren Wegen ans Ziel auf bereits vorhandene Strukturen aus dem Projekt "Lebensqualität durch Nähe" aufbauen. "Wir müssen vieles nur neu ankurbeln", erklärt Josef Daum. Dabei stünden zunächst nicht unmittelbar Riesen-Projekte im Vordergrund. "Es geht erstmal um kleine Dinge, damit auch die Bürger sehen, es geht was voran", betont Daum. Als Beispiel nannte er eine einheitliche Gestaltung der Ortseingangstafeln. "Das dokumentiert, dass die Region zusammengehört", erklärt Daum. "Wenn wir alles vernünftig aufziehen und aufzeigen, was die Region zu bieten hat, können wir nur gewinnen", spricht Peter Hänel das große Ganze an.

Gemeinsame Ausrichtung

Gelingen kann dies eben durch eine gemeinsame Ausrichtung beispielsweise im Tourismusbereich, der für alle drei Gemeinden von Bedeutung ist. "Jede Gemeinde hat aber auch ihre eigene Identität", betont Wunder. Deshalb habe jede Kommune für sich eine eigene Prioritätenliste erarbeitet, die sie je nach ihren finanziellen Möglichkeiten abarbeiten kann.
Unterm Strich steht jedoch ein gemeinsames Ziel als Grundlage für den Erfolg: "Wir müssen die Bürger zusammenbringen", verdeutlicht Gerhard Wunder.





Leitbild Als gemeinsames Leitbild haben sich die drei Kommunen auf das Thema "Holz-Energie-Region" geeinigt. Das bestehende Tourismuslogo "Oberes Rodachtal" soll durch den Begriff Frankenwaldregion erweitert werden, um Verwechslungen vorzubeugen. Angedacht ist zudem die Herausgabe eines gemeinsamen Mitteilungsblattes.

Ortsentwicklung Wichtige Bestandteile des Stadtumbaumanagements sind das Leerstandsmanagement und die Entwicklung der Ortskerne. Zeitnah sollen leer stehende Häuser erfasst und mit den Eigentümern über Möglichkeiten gesprochen werden, um gezielter potenzielle Käufer auf die Objekte aufmerksam zu machen. Auf der Prioritätenliste ganz oben steht neben einer überörtlichen Förderung für Fassadengestaltungen auch das Projekt "Das Obere Rodachtal blüht auf". Bereits im vergangenen Jahr blühten in Steinwiesen nahezu ganzjährig Blumen. Das soll heuer auf das gesamte Obere Rodachtal ausgedehnt werden.

Jugend Für die Jugendlichen sollen verschiedene Workshops angeboten werden, um sie für das Projekt zu begeistern. Irgendwann ist auch die Bildung einer Jugendvertretung angedacht.

Wirtschaft Ein Arbeitskreis Wirtschaft, wie es ihn schon während des Projektes "Lebensqualität durch Nähe" gab, soll sofort ins Leben gerufen werden. Das bestehende Gutschein-System soll forciert, weitere Geschäfte dafür gewonnen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Rodachtaler als Einkaufswährung eingeführt werden.

Holzregion Ein Arbeitskreis Nahwärme soll sofort ins Leben gerufen werden. Möglichkeiten eines Nahwärmenetzes wie das in Nordhalben sollen erörtert werden.

Auftakt Die offizielle Auftaktveranstaltung findet für alle drei Kommunen am 14. März im Aparthotel Steinwiesen statt. Dann wird auch ein Film mit dem Titel "Die Perspektive" vorgestellt. al