35 Jahre sind eine lange Zeit. Viel Freude, Lachen und auch Trauer begleiten den beruflichen Weg, den Margrita Baaser als Standesbeamtin geht. 343 Trauungen hat sie in all diesen Jahren durchgeführt, unzählige Sterbefälle und Geburten beurkundet.

Aber eines macht die sympathische Frau sehr stolz: "In dieser langen Zeit sind von meinen 343 Trauungen nur 34 geschieden worden. Eine Quote von zehn Prozent, das kann sich sehen lassen", sagt Margrita Baaser. Und wirklich, bei einer bundesweiten Scheidungsrate von etwa 45 Prozent ist das ein sehenswertes Ergebnis. Fast könnte man meine, sie traut nur Paare, die für immer zusammen bleiben.

In einer "Männerdomäne"


Wie aber kommt man als junge Frau mit gerade mal 20 Jahren dazu, in eine damalige "Männerdomäne" wie das Standesamt einzudringen? Schon am ersten Tag ihrer Lehrzeit wurde sie mit der Materie des Standesamts vertraut gemacht und musste einen Heiratseintrag handschriftlich fertigen. Sie kämpfte sich durch die Personenstandsbücher, lernte die altdeutsche Schrift und begann sich immer mehr mit den alten Büchern, die seit 1876 im Standesamt geführt werden, anzufreunden.

Während ihrer gesamten Ausbildung fertigte sie alle Arten von Einträgen und so kam es auch, dass der Markt Steinwiesen sie 1976 zur Standesbeamtin ernennen wollte. Das Landratsamt, also die Rechtsaufsichtsbehörde, war jedoch der Meinung, dass sie zu jung sei und vielleicht nicht die notwendige Erfahrung aufbringen würde. Sie nahm an einem zweiwöchigen Einführungslehrgang in Bad Salzschlirf teil. Nach Überprüfung des Standesamts wurde die Erlaubnis durch das Landratsamt Kronach dann jedoch trotzdem erteilt und somit konnte Margareta Beiergrößlein, so ihr Mädchenname, dann im Oktober 1977 durch den damaligen Bürgermeister Reinhold Renk (SPD) die Ernennungsurkunde überreicht werden. Sie war mit 20 Jahren die jüngste Standesbeamtin Bayerns.

Wenn man sich den Beruf eines Standesbeamten vorstellt, so bleibt das Bild eines Mannes oder einer Frau im Gedächtnis haften, die vor einem Brautpaar steht und diese traut, was aber nicht den gesamten Aufgabenbereich eines Standesbeamten widerspiegelt. Zahlreiche Aufgaben gehören in dieses Berufsbild. Nicht nur Hochzeiten, sondern auch Sterbefälle, Geburten, Kirchenaustritte, Vaterschafts anerkennungen, Namenserklärungen usw. müssen beurkundet werden. Hinweise über Tod, Eheschließung, Adoption usw. werden von anderen Standesämtern entgegengenommen und in den Büchern beigeschrieben. Vielen dieser Einträge und Änderungen gehen Recherchen voraus.

Ganz besondere Hochzeiten


So ist auch eine Hochzeit keine Standardhandlung und kann so nebenbei abgehandelt werden. Bei der Anmeldung der Eheschließung durch die Verlobten prüft sie bereits durch die Vorlage der jeweiligen Urkunden, ob die Voraussetzungen für die Eheschließung erfüllt sind. Bei Ausländerbeteiligung wird es etwas problematischer. Kann der ausländische Verlobte kein Ehefähigkeitszeugnis seines jeweiligen Staats vorlegen, muss die Anmeldung der Eheschließung an das Oberlandesgericht Bamberg zur Befreiung weitergeleitet werden.

Natürlich kommt es auch vor, dass einer der Verlobten der deutschen Sprache nicht mächtig ist. So muss ein vereidigter Dolmetscher hinzugezogen werden. Einen solchen Fall gab es im Jahr 2004. Die Braut kam aus einem benachbarten Landkreis und der Bräutigam war amerikanischer Staatsangehöriger. 18 Nationalitäten waren bei dieser Hochzeit im Saal des Rathauses Steinwiesen versammelt. "Sie wollten unbedingt in Steinwiesen heiraten, weil wir am Samstag trauen und außerdem einen großen Saal zur Verfügung haben", sagt Baaser. Es war ein überwältigendes Erlebnis für sie, zusammen mit Dolmetscher und vor Freude weinenden Gästen in diesem großen Saal zwei Personen zu trauen.

Doch es gibt noch eine Steigerung der "außergewöhnlichen" Trauungen. "Bereits 1994 heiratete ein Paar, bei dem die beiden Eheleute, Wolfgang und Karin, gehörlos waren. Zusammen mit Gebärdendolmetscher Günther Preis, einem Diakon aus Bamberg, führte ich die Trauung durch. Es war sehr ergreifend und als die beiden dann ihr ,Ja‘ sagten, hatte auch ich Tränen in den Augen", weiß Margrita Baaser noch heute und muss noch oft an diese Trauung zurückdenken.

Brautpaar fährt mit dem 16-Tonner vor


Lustig wurde es wiederum 2005 bei der Hochzeit von Thorsten Beierlorzer, dem Sohn des Zweiten Bürgermeisters, und seiner Tanja. "Da kam ein großer Lastwagen und parkte genau vor dem Rathaus, auf dem Platz auf dem das Brautauto stehen sollte. Ich öffnete das Fenster, sagte: "Ihr könnt jetzt nicht hier parken, da ist gleich eine Hochzeit. Da stieg das Brautpaar in aller Seelenruhe aus dem 16-Tonner aus. Ich hätte in diesem Moment gerne mein Gesicht gesehen", sagt die 55-Jährige heute noch lachend.

Ein weiteres schönes Erlebnis war, als Michael und Pinar Celik 1991 heirateten. Die junge Braut, die erst 18 Jahre alt war, konnte kein Wort deutsch sprechen und brauchte einen Dolmetscher. Heute ist die junge Frau voll in Steinwiesen integriert, engagiert sich im Sportverein und in der Faschingsgesellschaft. "Sie waren so jung und sind nun schon über 20 Jahre verheiratet und es ist nichts mehr zu spüren von den anfänglichen Sprachschwierigkeiten, sie spricht perfekt ,Steinwiesnerisch‘", freut sich Margrita Baaser.

Eine weitere interessante Geschichte gibt es noch. "Als im Winter 2000 ein junges Pärchen mit Kind bei mir zu Hause in die Ferienwohnung einzog, ahnten sie nicht, dass ich die Standesbeamtin bin, die sie am nächsten Tag trauen sollte, was ich ihnen auch nicht verraten habe. Die Freude am nächsten Tag war groß und es hat sich eine Freundschaft entwickelt, die noch bis heute anhält."

343 Trauungen selbst gehalten


Nach 35 Jahren zieht Margrita Baaser Bilanz. Sie ist die dienstälteste Standesbeamtin im Landkreis Kronach und hat in dieser ganzen Zeit 858 Aufgebote geschrieben, 343 Trauungen selbst gehalten und 857 Sterbefälle beurkundet. Die Standesamtsbücher kennt sie in- und auswendig. Sie weiß genau, wer zu wem gehört und so ist es für sie auch überhaupt kein Problem, einen Stammbaum für die Familie zu erstellen. Sie kommuniziert auch sehr viel mit amerikanischen Staatsbürgern, deren Väter und Großväter um die Jahrhundertwende nach Übersee gingen und die sich jetzt für ihre Vorfahren interessieren. Viele von ihnen kamen auch schon nach Steinwiesen, um die Personenstandseinträge ihrer Vorfahren einzusehen. Wie ihre Vorfahren gelebt haben, zeigt Margrita Baaser gerne bei einem Besuch im Heimatmuseum.

Sie hat bereits die Kinder von Paaren getraut, die einst selbst an ihrem Hochzeitstag vor ihr gestanden haben. Sie kennt die meisten Brautleute persönlich, kann in ihrer Rede auf deren Umfeld eingehen und dadurch eine gewisse Vertrauensbasis schaffen. Seit Juli 2011 führt sie auch Trauungen in einem etwas anderen Ambiente durch. Im Gasthof "Zum Goldenen Anker" gibt es seit dieser Zeit ein Trauzimmer, in dem sich auch viele auswärtige Paare trauen lassen. Für die engagierte Frau ist es natürlich selbstverständlich, niemals zu spät zu einer Trauung zu erscheinen. "Ich bin immer eine halbe bis eine dreiviertel Stunde früher als das Brautpaar am Ort des Geschehens. Erstens aus Prinzip und zum Zweiten kommen manchmal Fotografen, die ihre Apparate aufbauen wollen und das muss über die Bühne sein, wenn die Hauptpersonen erscheinen", sagt Baaser mit Bestimmtheit.