Wer alleine lebt, kann sich mit einem Hausnotrufsystem für den Ernstfall absichern. Die Systeme bestehen aus einer fest installierten Station sowie einem tragbaren Funksender, der um den Hals oder am Handgelenk getragen werden kann. Stürzt man zum Beispiel in der eigenen Wohnung und ist nicht mehr in der Lage aus eigener Kraft aufzustehen, kann über das Gerät am Körper die Hausnotrufzentrale informiert und Hilfe gerufen werden.

"Unsere Hausnotrufzentrale ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr besetzt", berichtet Ingo Holzmann, Bereichsleiter Ambulante Dienste beim Arbeiter-Samariter-Bund Kreisverband Kronach. Der ASB ist einer von mehreren Hausnotruf-Anbietern in der Region. Auch der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes bietet beispielsweise einen Hausnotruf an.

100 Teilnehmer im Landkreis

;

Wie Holzmann berichtet, nimmt die Zentrale den Notruf entgegen und erfragt - sofern die Person in Not noch Auskunft geben kann, warum der Alarm ausgelöst wurde. Dann werden nach einem zuvor festgelegten Ablaufplan Bezugspersonen, sprich Verwandte oder Bekannte, beziehungsweise im akuten Notfall der Rettungsdienst verständigt.

"Im Jahr 2018 hatten wir 265 Notrufmeldungen", berichtet Holzmann. "In 44 von diesen Fällen wurde der Rettungsdienst alarmiert." Die anderen Notrufe seien durch Bezugspersonen beziehungsweise den Hintergrunddienst des ASB abgearbeitet worden. Insgesamt nehmen rund 100 Teilnehmer im Landkreis den Hausnotruf-Service des Anbieters in Anspruch.

"Der Hausnotruf ist ein Hilfsmittel, das wirklich Leben retten kann", sagt Holzmann. So sei es zum Beispiel bei einem Schlaganfall wichtig, ein gewisses Zeitfenster nicht zu überschreiten. Während der Teilnehmer vielleicht nicht mehr zum Telefon komme, sei er oftmals noch in der Lage den Knopf für den Hausnotruf zu betätigen.

Schlüssel hinterlegt

Über die sogenannte Tagestaste kann zudem in regelmäßigen Abständen geprüft werden, ob der Teilnehmer noch aktiv ist. Betätigt dieser die Taste nicht innerhalb des vereinbarten Zeitraums, versucht die Hausnotrufzentrale Kontakt aufzunehmen. Reagiert ein Teilnehmer nicht, haben die Bezugspersonen des Hausnotrufers in der Regel einen Schlüssel für die Wohnung, um nach der Person sehen zu können. Auch beim Anbieter des Hausnotrufs könne ein Zweitschlüssel verwahrt werden, erklärt Holzmann. In Kronach bestehe zum Beispiel auch die Möglichkeit, einen Schlüssel in der Frankenwaldklinik zu hinterlegen. Dieser könne dann direkt vom Rettungsdienst mitgenommen werden.

Polizei und Feuerwehr

Sollte kein Zweitschlüssel vorhanden oder die Bezugspersonen nicht erreichbar sein, muss im Notfall die Tür aufgebrochen werden. Dies erfolge in Abstimmung mit Polizei und Feuerwehr. "Dass die Tür aufgebrochen werden muss, kann passieren, ist aber eher selten", sagt Holzmann. "In den meisten Fällen ist ein Schlüssel hinterlegt."

Auch Gerhard Anders, Pressesprecher der Polizeiinspektion Kronach, ist "kaum ein Fall bekannt", bei dem nach einem Hausnotruf die Tür aufgebrochen werden musste. Bei einer Türöffnung werde grundsätzlich die Feuerwehr hinzugezogen. Diese darf Türen nur aufbrechen, sofern eine "akute Gefahr" besteht, berichtet Stefan Wicklein, erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Kronach. Das sei etwa dann der Fall, wenn sich eine hilflose Person in der Wohnung befindet oder zum Beispiel Brandgeruch nach außen dringt. "Besteht eine Gefahr für Leben oder Eigentum, muss schnell gehandelt werden", sagt Wicklein.

"Türöffnung akut"

Etwa 20 bis 30 Fälle einer "Türöffnung akut" seien für das ganze Stadtgebiet im Jahr zu verzeichnen. Gerufen wird die Feuerwehr von der Polizei oder von der Integrierten Leitstelle Coburg, die parallel dann auch den Rettungsdienst verständigt. Wie die Notfallmeldung letztendlich zustande kam - ob über ein Hausnotrufsystem oder etwa durch besorgte Nachbarn - ist der Feuerwehr nicht bekannt.

Für den Einsatz im Notfall hat die Feuerwehr einen Türöffnungssatz mit verschiedenen Gerätschaften. "Die Türöffnung ist nicht unbedingt brachial", berichtet Wicklein. "Wir versuchen möglichst wenig Schaden zu verursachen. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden, dass zum Beispiel das Schloss kaputt geht."

Wie Polizeisprecher Anders berichtet, liegen die Kosten für eine Türöffnung beim Wohnungsinhaber. Diese bewegen sich meist in einem Bereich zwischen 25 und 30 Euro - für den Schließzylinder des Türschlosses. Probleme, was die Übernahme der Kosten betrifft, habe es bislang nicht gegeben, berichtet Wicklein. "Die Leute waren froh, dass wir uns gekümmert haben."

Der Einsatz der Feuerwehr wird nicht berechnet. Die Kosten indes, die monatlich für die Bereitstellung des Hausnotrufs anfallen, übernimmt, wie Holzmann berichtet, ab Pflegegrad 1 die Krankenkasse.