Wie nah sind Kommunalpolitiker an der Jugend? Was wünschen sich Heranwachsende von der Kommunalpolitik? Das waren am Donnerstagabend im Café Kitsch die Themen bei der Veranstaltung "Face up - ein Dialog zwischen Jugendlichen und Politik". Eingeladen hatte hierzu der Kreisjugendring. Leider waren mehr Erwachsene als Jugendliche anwesend.

Wo gehe ich shoppen? Wo bekomme ich was zu essen? Wo gibt es den nächsten Club? Wie komme ich nachts von der Disco heim? Handlungsbedarf sahen die Jugendlichen in einigen Bereichen. So wurde der Wunsch nach einem Jugendstadtrat geäußert. Es sollten für Jugendliche mehr Möglichkeiten geschaffen werden, sich einzubringen. Die Öffnungszeiten der Lokalitäten sollten verlängert werden, ohne dass es gleich Beschwerden zur Folge hat.

Weiterhin sollte die Bedürfnisse der Jugendlichen beim ÖPNV mehr Berücksichtigung finden. So wurde beklagt, dass man am Wochenende oftmals auf die Eltern angewiesen sei, um spät in der Nacht nach Hause zu kommen. Auch sollten Angebote geschaffen werden, in denen sich die 18- bis 27-Jährigen gut aufgehoben fühlen. Entweder treffe man 15- oder 40-Jährige, meinte Björn Schmittdiel.

Es wurde auch der Wunsch nach einem "Fifty-Fifty-Taxi geäußert. Das bedeutet, dass Jugendliche nur 50 Prozent des regulären Fahrpreises für die Hin- und Rückfahrt zur Disco oder öffentlichen Veranstaltungen bezahlen. Zudem sollten vereinsunabhängige Treffpunkte geschaffen werden. Sinnvoll wären aus Sicht der Jugendlichen Terminveröffentlichungen von Sitzungen über Instagram und Facebook.

Christian Jungkunz sprach davon, dass er sich mit dem Gedanken getragen habe, in Kronach eine Bar aufzumachen. Problematisch sei allerdings, eine Genehmigung für Öffnungszeiten über 2 Uhr hinaus zu bekommen. Außerdem sei das alles mit einer Vielzahl von Auflagen verbunden.

Handeln für die Kinder

Die Podiumsteilnehmer, dies waren der Stockheimer Bürgermeister Rainer Detsch (FW), Silke Wolf-Mertensmeyer (Frauenliste), Edith Memmel (Grüne), Oliver Skall (SPD-Bürgermeisterkandidat Marktrodach), Oliver Plewa (CSU-Bürgermeisterkandidat Mitwitz) und Tina-Christin Rüger (Junge Union) folgten gespannt den Ausführungen. Zuvor wurden sie vom Moderator Lars Hofmann gefragt, wie nah sie an jungen Menschen dran sind.

Folgte man Ausführungen der Kommunalpolitiker, so wurde deutlich, dass die Jugendlichen schon wichtig in ihrem politischen Handeln sind. So meinte Oliver Skall, dass es ihm als Familienvater darauf ankomme, nicht nur für sich, sondern auch für die Kinder etwas aufzubauen.

"Seit 38 Jahren bilde ich Jugendliche aus, es hat sich seitdem vieles verändert!", so Edith Memmel. Durch die beiden Klimademos, die in Kronach sattgefunden haben, sei sie mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Silke Wolf-Mertensmeyer sprach die Probleme Alleinerziehender in ihrem Bekanntenkreis an. Rainer Detsch meinte, dass es teilweise einfacher sei, an Grundschüler heranzukommen. Bei älteren Schülern und Gruppe sei es nicht immer einfach, an ihnen dranzubleiben. "Man muss da auf die Jugendlichen zugehen!" Oliver Skall hielt es für notwendig, mehr zentrale Treffpunkte für Jugendliche zu schaffen. Edith Memmel hatte die Idee, dass die Gemeinden den Jugendlichen beziehungsweise Gründungswilligen einen Raum für zwei Jahre mietfrei zur Verfügung stellen. In dieser Zeit könnten sie ihr Vorhaben testen, kreativ tätig und sich bewusst werden, ob ihr Projekt das Richtige für sie ist.

Ein Mädchen beklagte, dass - wenn man einen außergewöhnlichen Beruf ergreifen möchte - es kaum Möglichkeiten in Kronach gebe. "Die Auswahl der Berufsmöglichkeiten ist riesengroß!", entgegnete Rainer Detsch. Er meinte, dass Jugendliche durchaus mal raus aus der gewohnten Umgebung gehen und ihre Erfahrungen sammeln sollten. Wichtig sei die Identifikation mit der Heimat. Und schön wäre es, wenn junge Menschen nach einigen Jahren wieder den Weg zurückfinden würden.

Rainer Detsch forderte die jungen Menschen auf, Sitzungen des Gemeinderats oder Kreistags zu besuchen und auch ihre Anliegen zu formulieren. Und was die Entscheidung für einen Beruf oder den Lebensmittelpunkt betrifft, so meinte er: "Egal wie man seine Wahl trifft, man hat immer Vorteile - aber man muss auch Nachteile in Kauf nehmen."

Der Vorsitzende des Kreisjugendrings Andy Fischer bedankte sich bei Lars Hofmann für die Moderation. Er wies auch darauf hin, dass der Landkreis in den letzten Jahren mehr Projekte ermöglicht habe. Dies sei nicht zuletzt durch das Bundesprogramm "Demokratie leben! zustande gekommen.