Ein Kindergartenkind nach dem anderen springt vom Ein-Meter-Sprungbrett in das Springerbecken des Erlebnisbads Steinwiesen. Mit einem großen Platsch landet jedes im Wasser und taucht kurz weg, bevor es - etwas außer Atem, aber übers ganze Gesicht strahlend - wieder auftaucht und an den Beckenrand schwimmt. Nach dieser wohltuenden Erfrischung an diesem wunderschönen Sommer-Sonnen-Tag geht es für die Jungs und Mädchen wieder zurück ins Hallenbad mit einer Wassertemperatur von 32 Grad.

"Unser Ziel ist es, dass die Kinder, wenn sie in die Schule kommen, ihr Seepferdchen haben", erklärt die Leiterin des katholischen Kindergartens St. Laurentius Neufang, Gertrud Schubert. Seit rund 15 Jahren geht es daher für die Vorschulkinder wie auch die anderen Jungen und Mädchen ab fünf Jahren, die das Jahr darauf in die Schule kommen, regelmäßig am Warmwassertag in das Erlebnisbad Steinwiesen. Dabei handelt es sich keineswegs "nur" um einen Schwimmbadbesuch, sondern um Sportstunden im Wasser.

Wie die Leiterin betont, lege man im Neufanger Kindergarten schon seit jeher viel Wert auf Bewegung und Gesundheit. Die Wassergewöhnung sei eine Form der Bewegungsförderung, die den Jungen und Mädchen besonders viel Spaß mache. Diese natürliche Begeisterung nutze man, um die Kinder mit dem Element Wasser vertraut zu machen, damit sie sich darin wohlfühlen und ein gewisses Maß an Sicherheit erlangen. Die Erfolgsquote der Vorschulkinder beim Absolvieren des Seepferdchens beträgt nahezu 100 Prozent.

Für das Abzeichen müssen die Kinder einen Startsprung ins Wasser machen, 25 Meter am Stück schwimmen sowie einmal im schultertiefen Wasser tauchen und einen Ring nach oben befördern. Die Gemeinde bietet ihren Kindergärten dieses Angebot als eine der wenigen im Landkreis kostenlos, ohne Gebühren für die Schwimmbad-Nutzung an.

Ausbilder Hilmar Wunder, der erfahrene Bademeister, der seit 28 Jahren diesen Beruf ausübt, kümmert sich ehrenamtlich um die Kinde, Er macht mit ihnen Einzelübungen, eine Aufgabe, die ihm viel Spaß bereitet. Dabei ist es aber nicht nur der Spaß, der ihn zu seinem Engagement bewegt. "Viele Kinder können heute nicht mehr schwimmen. Allgemein bewegen sich viele Jungen und Mädchen nicht mehr so viel wie früher", bedauert der Bademeister.

Ein wesentlicher Grund sei für ihn auch der Sicherheitsaspekt. "Ich kenne die Kinder und kann beurteilen, wenn ich sie später mal außerhalb des Schwimmunterrichts im Freibad sehe, wer relativ sicher ist oder bei wem man vorsichtiger sein muss", verdeutlicht Wunder.

Zugleich wolle man mit dem kostenlosen Angebot und dem Schwimmtraining die Jungen und Mädchen natürlich auch etwas auf den "Geschmack bringen" und sie dazu animieren, das Schwimmbad auch außerhalb des Kindergartens mit ihren Eltern zu besuchen. Das gilt gerade für die Freibad-Saison, in der die Erwachsenen zum Eintrittspreis von drei Euro sowie Jugendliche für 1,80 Euro den ganzen Tag das Erlebnisbad nutzen können.

Die Kinder verhalten sich, so Wunder, anfangs sehr unterschiedlich. Man merke deutlich, wer öfter mit seinen Eltern ins Schwimmbad geht oder wer Angst vor dem Wasser hat. Es sei auch vollkommen unterschiedlich, wann er ihnen ihre Schwimmflügel abmache: manchen schon nach ein paar Schwimmstunden, anderen erst kurz vor dem Seepferdchen.

Der Warmwassertag am Dienstag mit einer Wassertemperatur von 32 Grad sei ideal für die Ausbildung, da das Schwimmtraining frierenden Kindern keinen Spaß mache. Mit seinen diesjährigen Schützlingen zeigt er sich mehr als zufrieden. Alle Vorschulkinder hätten das Seepferdchen geschafft, wobei viele sogar eine ganze 33 Meter lange Bahn schwimmen könnten. Die Vorschulkinder des Folgejahres, die noch etwas länger brauchten, absolvieren das Abzeichen dann halt im kommenden Kiga-Jahr, wenn das Projekt fortgeführt wird.