Das Landratsamt hat eine geeignete Ausweichunterkunft als Ersatz für die derzeit im Kronacher Schulzentrum eingerichtete Notunterkunft für Flüchtlinge gefunden, das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes hervor.

Bei der neuen Unterkunft handelt es sich um einen Gebäudekomplex auf dem Gelände der früheren Firma Dreefs im Marktrodacher Gemeindeteil Unterrodach. Die Räumlichkeiten sind in drei Hallen gegliedert und liegen abseits der Ortsdurchfahrt.


Umbauarbeiten nötig

Noch sind die Gebäude jedoch nicht bezugsfertig. Wie das Landratsamt mitteilt, müssen die ehemaligen Industriehallen in der nächsten Zeit erst noch zu einer funktionierenden Notunterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert werden.

Da nicht genügend Sanitäranlagen vorhanden sind, müssen beispielsweise in den hinteren Hallen des Gebäudekomplexes Sanitärcontainer aufgestellt werden.

Die mittlere und zugleich größte Halle werde künftig als Schlafraum genutzt. Damit den Flüchtlingen dennoch ein Mindestmaß an Privatsphäre geboten werden kann, soll der Schlafraum mit Bauzäunen in kleine Schlafkojen unterteilt werden. Die Zäune wiederum sollen mit einem Sichtschutz versehen werden. Die vordere Halle soll als Mensa und Aufenthaltsbereich dienen. Auf insgesamt 3000 Quadratmetern bieten die Räumlichkeiten ausreichend Platz für bis zu 300 Flüchtlinge.

"Das war wie ein Sechser im Lotto", sagt Marr über die neue Möglichkeit zur Unterbringung der Flüchtlinge. Ein Zufall, wie Werner Mischer es nennt. Mischer gehören die Hallen auf dem Gelände in Unterrodach. Er hatte Mitte August auf dem Areal ein Unternehmertreffen veranstaltet. Zu diesem Treffen war auch der Landrat eingeladen. Das könnte sich als mögliche Unterkunft für Flüchtlinge eignen, habe Marr gesagt und Mischer gefragt, ob er sich das vorstellen könne.

"Warum nicht?", sagt Mischer. Bevor die Leute in Zelten unterkommen oder Turnhallen dafür zweckentfremdet werden müssten - dann lieber seine Hallen. "Der Raum ist bestens dafür geeignet, es sind immerhin 3000 Quadratmeter", sagt Mischer. Das Ganze sei jetzt erst einmal als Lösung für den Winter gedacht, danach sehe man weiter.

Norbert Gräbner (SPD), Bürgermeister von Marktrodach, betont, wie wichtig es sei, die Hallen am Schulzentrum freizubekommen, damit wieder ein ordnungsgemäßer Sportunterricht stattfinden könne. Vorbehalte innerhalb der Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen befürchtet Gräbner nicht, weil es sich um ein Verteillager mit kurzen Aufenthaltszeiten handele.

Einen festen Zeitpunkt für den Umzug der Notunterkunft von Kronach nach Unterrodach gibt es bislang noch nicht. Das Landratsamt rechnet aber damit, dass der Umzug im Laufe des Monats Oktober erfolgen kann. Die Turnhallen am Schulzentrum werden dann vorerst nicht mehr für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt und werden nach einer Grundreinigung wieder für den Sportunterricht zur Verfügung stehen, so Bernd Graf, Sprecher des Kronacher Landratsamtes.

Einen Statusbericht zu den Asylbewerbern im Landkreis gab Landrat Oswald Marr (SPD) am Montagvormittag in der Kreisausschuss-Sitzung. "Es geht momentan vieles durcheinander", räumte er ein.


Chaotische Situation

Die Lage sei chaotischer als zu Beginn. Als Beispiel dafür nannte Marr eine Situation vom vergangenen Freitag. Da sei der Sicherheitsdienst an der Halle angerufen worden, dass ein Bus von der Bundeswehr komme. Vom Amt sei niemand verständigt worden. "Die haben dann wohl gleich einige Leute in eine andere Einrichtung nach Bamberg mitgenommen", so Marrs Informationsstand. Trotz dieses überraschenden Vorgehens findet es Marr prinzipiell gut, dass die Bundeswehr zur Bewältigung dieser Aufgabe mit herangezogen wird - allerdings hätte man das in seinen Augen auch schon früher tun können.

Momentan seien 436 Asylbewerber im Landkreis Kronach. Von ehemals 124 seien noch 57 Flüchtlinge in der Notunterkunft am Schulzentrum untergebracht. In dieser Zahl sind die Neuankömmlinge vom Freitag nicht eingerechnet, da diese gestern gleich weitertransportiert werden sollten.

Nun, da eine neue Erstaufnahmeeinrichtung für die Flüchtlinge gefunden ist, soll das Schulzentrum unter allen Umständen frei gemacht werden. Als Ziel nannte Marr in der Sitzung den 15. Oktober.