Die Autos sind sehr auffällig: hellgrün mit schwarzer Motorhaube und großer Firmenaufschrift "Tomtom". Auf dem Dach sind eine Kamera und jede Menge weiterer Technik - unter anderem Laser-Scanner - montiert. Die Autos sehen so aus wie die Street-view-cars von Google. Jüngst wurde ein solches Exemplar in der Nähe von Wallenfels gesichtet.

Tomtom-Pressesprecher Tom Henkel dementiert, dass sein Unternehmen ein zweites Street-view im Auge hat. Denn Tomtom sei einer der zwei größten Kartenhersteller der Welt, möchte, dass seine Navigationssysteme den jeweiligen Nutzer zuverlässig zum gewünschten Ort lotsen. "Und da es immer wieder neue Straßen in Neubaugebieten gibt, Ortsumgehungen gebaut werden und sich die Tempolimits ändern, wollen wir das zeitnah in unsere Karten einbauen", sagt er.


Über 1000 Mitarbeiter

Deshalb sind so genannte "Mobile mapping Vans" unterwegs, wie jüngst bei Wallenfels. Die Autos sind voll gepackt mit modernster Technik und fahren pro Jahr 120 000 Kilometer durch die Lande. An Bord haben sie zwei flexible Hard-Disks mit jeweils zwei Terabyte Speichervolumen. Pro Stunde werden 30 bis 35 Gigabyte aufgezeichnet, pro Tag bis zu 400 Gigabyte.

Selbstverständlich erhält Tomtom von Kommunen und Ämtern Infos über neue Straßen oder Änderungen des Tempolimits. "Aber das muss verifiziert werden", sagt Tom Henkel. Bei Tomtom arbeiten mehr als 1000 Mitarbeiter an der Erstellung, Prüfung und Veröffentlichung neuer Karten. "Wir erstellen unsere eigenen Karten aus vielen unterschiedlichen Quellen in einem Hybridverfahren. Wir überprüfen jede Änderung, ehe wir sie an unsere Kunden weitergeben", versichert Henkel. Die Tempolimit-Schilder werden mit Hilfe eines Bild erkennungsverfahrens gescannt. Die Daten, von den Großrechnern an Bord gesammelt, baut Tomtom in das Kartenmaterial ein. Die 360-Grad-Kamera ist hauptsächlich dazu da, um 3D-Karten für die neuen Navis zu generieren. Diese Karten werden dann hauptsächlich für die Großstädte angeboten.


Die Routenführung

Aber nicht nur Verkehrsschilder hat die Technik an Bord der Fahrzeuge im Visier. Erfasst werden auch Steigungsdaten der Straßen. Das kann die Autoindustrie für automatische Getriebesteuerung und Öko-Routing nutzen. Der Effekt: Reduktion von Kraftstoffverbrauch und CO 2 -Emissionen.

"Das zeigt, dass wir mehr tun wollen, als den Autofahrer von A nach B zu lotsen", sagt Tom Henkel. Alle zwei Minuten würden die Echtzeit-Verkehrsinformationen aktualisiert. Das heiße, morgens um 7 Uhr könne die Route von einem Punkt zum Ziel ganz anders verlaufen als um 18 Uhr. Es sei nicht immer der kürzeste Weg, aber auf jeden Fall der schnellste.