Noch immer kein Durchkommen in der Johann-Koch-Gasse in Kronach: Nachdem es am Wochenende gleich zweimal in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße brannte, versperren Metallgitter den Weg. Während es rund um die Stammfiliale der Metzgerei Höring an diesem Montag gespenstisch ruhig ist, laufen die Ermittlungen der Kripo Coburg und die internen Aufräumarbeiten der Feuerwehren auf Hochtouren.

Wie geht es weiter mit der Metzgerei?

Das Wohnhaus ist für seine acht Bewohner vorübergehend unbewohnbar geworden. Die Metzgerei, die seit über 150 Jahren ihren Sitz in der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße hat, bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen.Wie es weitergeht, weiß Junior-Chef Robert Bayerkuhnlein am Montag noch nicht. Zu Wochenbeginn wurde zunächst noch die vorrätige Ware in der Filiale am Bahnhof abverkauft - groß sei der Vorrat nicht gewesen. "Dass wir frisch produziert haben, war ja immer unsere Stärke", sagt der Metzgermeister. Die beiden Feiertage wolle er dazu nutzen, sich zu sortieren, Optionen auszuwerten - und um möglicherweise eine alternative Produktionsstätte zu finden. Erst am Nachmittag sei das Gebäude von der Polizei freigegeben geworden, er wolle sich nun einen ersten Eindruck von der Situation machen.

Laut Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken dauern die Ermittlungen zu Ursache weiter an, Brandermittler seien am Montag erneut vor Ort gewesen. "Die Kripo geht momentan von einem technischen Defekt aus", ergänzt Pressesprecher Heiko Mettke. Es gebe zum jetzigen Ermittlungsstand keinerlei Hinweise auf Vorsatz oder Fahrlässigkeit.


Insgesamt sieben Wehren mit rund 200 Einsatzkräften waren von Freitagnacht, als der Alarm gegen 23.30 Uhr zum ersten Mal ertönt, bis Samstag gegen 24 Uhr vor Ort, um gegen die Flammen und Glutnester zu kämpfen. Ausgebrochen war das Feuer zunächst im Fertigungsbereich der Metzgerei. Alle Bewohner konnten noch rechtzeitig in Sicherheit und das Feuer nach rund 20 Minuten unter Kontrolle gebracht werden. Trotz mehrfacher Kontrollgänge und dem Einsatz einer Wärmebildkamera, ertönte der Alarm in den Morgenstunden erneut. Als die Einsatzkräfte zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden die Kronacher Innenstadt erreichten, hatte das Feuer auf die anderen Stockwerke und das Sachgeschoss übergegriffen.

Historische Bausubstanz mit Tücken

"Die historische Bausubstanz hat den Einsatz erheblich erschwert", erklärt Stefan Wicklein, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Kronach. "Die Tücke steckt bei solchen Gebäuden im Detail", sagt er. Um die eigentlichen Brandherde zu identifizieren und zu eliminieren, war ein stundenlanger Einsatz mit schwerem Atemschutz nötig. Um wirklich sicher zu sein, dass sich nicht noch vereinzelte Glutnester in versteckten Winkeln befinden, wurden Decken, Böden und Wände geöffnet und zum Teil auch eingerissen. Circa 100 Einsätze mit Atemschutz seien dafür notwendig gewesen, erklärt Wicklein.

Über 200 Druckluftflaschen - je nach Einsatz reicht die eingefüllte Umgebungsluft für 20 bis 35 Minuten - wurden verbraucht. Auch sogenannte "Langzeitatmer", spezielle Atemschutzgeräte vom Atem- und Strahlenschutzwagen der Feuerwehr, waren im Einsatz. "Mit den Langzeitatmern können die Kollegen je nach Belastung rund eine Stunde arbeiten", erklärt Wicklein. Doch nicht nur das Wiederbefüllen der Druckluftflaschen, vor allem die Reinigung und Wartung sämtlicher Einsatzgeräte wird noch einige Zeit andauern. Auch wenn alle Einsatzwägen schon seit Sonntag wieder bestückt sind - die Feuerwehr ist also wieder 100-Prozent einsatzbereit- muss diese "Materialschlacht" vom Wochenende erst einmal aufgearbeitet werden.

Rund 50 Atemschutzgeräte müssen gereinigt und geprüft werden. "Sämtliche Einsatzkleidung vom Inneneinsatz ist zudem vom Brandrauch kontaminiert", sagt Wicklein. Die gesundheitsschädlichen Brandgase seien tief in das Material eingedrungen. Die Kleidung muss nun fachgerecht von den Schadstoffen befreit und neu imprägniert werden. Unterstützung erhält die Feuerwehr dabei von den Kollegen aus Hof an der Saale. Wicklein hofft, dass bis Ende der Woche alle Garnituren wieder voll einsatzfähig sind.


Vor Ort im Einsatz

Bei dem fast 24-stündigen Einsatz waren am Wochenende die Feuerwehren Kronach, Friesen, Höfles, Küps, Marktrodach, Neuses und Steinbach am Wald vor Ort. Die Versorgung der Einsatzkräfte und der Anwohner übernahmen Kollegen des Bayerischen Roten Kreuz, unterstützt wurden sie vom Kriseninterventionsteam und der Notfallseelsorge. Auch Polizei und Technisches Hilfswerk waren vor Ort, ebenso wie Mitarbeitern des Bauhofes.