"Ich komme mir vor wie ein Bergsteiger, der jetzt auf den Gipfel angekommen ist und auf 37 Jahre Dienst zurückschaut", sagte Walter Jung.

Er erinnert sich gerne an seine Jahre in Seibelsdorf. Denn Walter Jung hat fast sein ganzes Leben im Ort verbracht. Am 25. April 1977 kam Walter Jung nach Seibelsdorf und er erinnert sich an viele Details, an die liebevollen Worte, mit denen er empfangen worden ist, an das geputzte Pfarrhaus.

"Meine Kinder Anja waren damals fünf, Kerstin ein Jahr alt", erzählt Jung. Er erzählt von einem Geburtstag, an dem der Jubilar fragte, wie alt denn der Pfarrer sei. Und als Jung antwortete, 27 Jahre, antwortete der Jubilar "So ein Lausbub", erinnert sich Jung noch heute und kann noch immer herzlich über die Reaktion des Jubilars lachen. Heute ist Jung 65 Jahre alt - und tritt ab 1. Mai offiziell in den Ruhestand.

Doch im Laufe der Seibelsdorfer Jahre gab auch schmerzvolle Erfahrungen. Selbst sprach Pfarrer Jung den tragischen Unfall seiner Tochter an, die mit fünf Jahren starb. Die ganze Gemeinde hat Anteil an dem schweren Schicksal genommen. Und schon drei Monate später - am 11. November 1981 - kam Sohn Benjamin zur Welt. "So eng liegen Freud und Leid im Leben beieinander", sagte der Pfarrer.

Ein Höhepunkt in der 37-jährigen Dienstzeit war der Einbau der neuen Orgel. "Die ganze Gemeinde hat sich für die neue Orgel ins Zeug gelegt und es gab so manchen Großeinsatz", erzählt Jung. Stolz schaute der Pfarrer auf den Aufbau der Diakoniestation zurück, auf so manches gemeisterte Bauprojekt. Und der Höhepunkt war die Sanierung der Markgrafenkirche selbst.

Im Laufe seiner 37 Dienstjahre hat Walter Jung 575 Beerdigungen gehalten, 215 Trauungen gefeiert, 531 Jugendliche konfirmiert und 465 Kinder getauft. "Jetzt bin ich auf dem Gipfel angekommen, ich bleibe Pfarrer, aber ich bin jetzt im Ruhestand", verkündete Jung.

Jung möchte allerdings auch in Zukunft in Seibelsdorf bleiben, er zieht in sein eigenes Haus. Das Pfarrhaus wird grundlegend saniert. Dazu wird eine sechsstellige Summe benötigt. Aber der scheidende Pfarrer ist zuversichtlich, dass die Gemeinde - wie in all den zurückliegenden Jahren - wieder zusammenhalten und dieses Projekt gemeinsam stemmen wird.

Wie ein Bergsteiger

Als Predigttext suchte sich Pfarrer Walter Jung aus dem Johannesevangelium die Worte "Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer" aus und gab zu, dass er sich zum Abschied auch ein bisschen wie ein Bergsteiger fühlen würde. Wie ein roter Faden habe sich das Gottvertrauen durch sein Leben gezogen - und immer wieder geholfen.

Nach dem Abschiedsgottesdienst drückte nicht nur Dekanin Dorothea Richter Anerkennung und gute Wünsche für den Pfarrer aus, sondern auch viele Wegbegleiter der Pfarrers. Unter der Leitung von Kirchenvorstand Oliver Skall hatte das Gremium einen Sketch einstudiert und schenkte dem Pfarrer ein Rentner-Bänkla. Die Kinder des Gottesdienstteams verabschiedeten sich mit einem Regenbogen-Bild, einer Wolke und einem Kuchenherz.

Der stellvertretende Landrat Bernd Steger und Bürgermeister Norbert Gräbner, der Dekanatsausschuss und Sven Raupe als Vertreter der Katholiken, der Diakonieverein, der CVJM und viele weitere Vereine verabschiedeten sich mit Wehmut von Pfarrer Walter Jung.

Der Pfarrer möchte sich auch in Zukunft seine Liebe zur Musik bewahren. Er spielt Violine, singt gerne, spielt Orgel. Und außerdem fährt er gerne Rad. Die Seibelsdorfer Pfarrei wird in der Vakanzzeit vom Schmölzer Pfarrer Gerald Munzert mitbetreut.