Wie kann man ein Kreismusikfest am besten feiern? Na klar: mit richtig flotter, am besten böhmisch-mährischer Blasmusik. Das dachte man sich auch in Tettau - und so luden sich die Verantwortlichen dann gleich dreifache Europameister ein.

Warum die "Hergolshäuser Musikanten" diesen Titel der Blasmusik böhmisch-mährisch in der Oberstufe schon drei Mal erringen konnten, wurde gleich mit ihrem ersten Stück deutlich ("Herzlich heißen wir Euch willkommen"). Denunverwechselbaren böhmischen Klang boten sie mit einer solch spielerischen Leichtigkeit , dass es eine helle Freude war.


Überragende Soli

Die quirlige Gruppe aus dem Fränkischen Weinland, zehn Kilometer südlich von Schweinfurt begeisterte mit frischen und schnellen maßgeschneiderten Arrangements, zeigte aber auch in ruhigen, böhmischen Musikstücken ihr großartiges Können. Circa 1000 Notenstücke umfasst das Repertoire der rund 25-köpfigen Formation - wobei es sich allesamt um Amateure mit einem geregelten Beruf handelt.

Zu hören waren in Tettau unter anderem Märsche,Polkas und Walzer aus der Feder von Ernst Mosch, Alfred Böswald und Holger Mück, der sich auch im Publikum befand. Aber auch beispielsweise der"Florentiner Marsch" von Julius Fucik, der "Fegerländer" von Peter Leitner,"Auf der Pfingstwiese" von Timo Dellweg oder die "Windrosen-Polka" von Jörg Bollin. Immer wieder erklangen zudem Eigenkompostionen vom Dirigenten Rudi Fischer, der bereits im 37. Jahr bei den "Hergolshäuser Musikanten" den Taktstock schwingt.

Die Musikerinnen und Musiker, von denen viele schon mehrere Jahrzehnte dem Orchester die Treue halten, glänzten dabei mit perfektem harmonischem Zusammenspiel. Vor allem die überragenden Soli rissen die zahlreich anwesenden Hobbymusikanten aus den Blaskapellen des Kreisverbandes zu wahren Beifallstürmen hin.


Unters Publikum gemischt

Neben den instrumentalen Glanzlichtern verzauberte eine Reihe von Sängerinnen und Sänger mit schönen Liedbeiträgen. Darunter auch Rudi Fischer selbst (oftmals im Duett mit Renate König). Immer wieder mischten sich Musikanten bei verschiedenen Polkas in die Publikumsreihen. Sie sowie Rudi Fischer und Katja Lutz, die zusammen durch das Programm führten, animierten die Besucher immer wieder zum Mitschunkeln, Mitklatschen und Mitsingen.

Dies gelang vor allem bei dendargebotenen Heimatliedern wie "Tief im Böhmerwald", der "Köhlerliesel" und dem Rennsteiglied. Bei der romantischen Polka "Böhmische Liebe" von Matthias Rauch hielt es das Publikum endgültig nicht mehr auf den Plätzen und erste Bierbänke wurden erklommen.

Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend bleiben, bei dem die "Hergolshäuser Musikanten" auch nach vier Stunden Spieldauer keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigten.


Haußner, Kotschenreuther und Heinz sind schon seit 50 Jahren dabei

Der Dorfabend in Tettau bildete den Rahmen für die Ehrung langjähriger Aktiver des Tettauer Musikvereins. Vorgenommen wurden diese vom Kreisvorsitzenden des Nordbayerischen Musikbunds (NBMB), Wolfgang Müller, und dessen Stellvertreter Alexander Klug. Bei den Geehrten handelt es sich durchweg um Aktivposten, die sich um den Verein in besonderer Art und Weise verdient gemacht haben.

Für 40 Jahre aktives Musizieren wurde Franz Milich (Posaune), heute ständiger Tubist und langjähriger Zweiter Vorsitzender, geehrt. Seit 50 Jahren Mitglied im Verein sind Doris Haußner (Klarinette und Saxophon) , Gerhard Kotschenreuther (Tenorhorn) und Holger Heinz (Klarinette und Saxophon). Haußner war sogar schon bei der Jugendkapelle dabei und ist heute Ausbilderin für Holz. Kotschenreuther, der bei seinem Vater in Tschirn gelernt hat, ist seit über 30 Jahren erster Tenorhornist in Tettau und singt gerne böhmische Titel.

Heinz ist ein hervorragender Fachmann für Holz und ein Spezialist für böhmische Blasmusik. Seit über 20 Jahren schwingt er als Dirigent den Taktstock. Da er an diesem Tag nicht anwesend sein konnte, wird seine Ehrung nachgeholt.


Zwei Gründungsmitglieder geehrt

Stolz zeigten sich Müller und Klug, Dietmar Schmidt und Manfred Krautwurst (beide Flügelhorn) für jeweils 40 Jahre Tätigkeit im Musikverein ehren zu dürfen. Schmidt steht seit vier Jahrzehnten dem Verein als Vorsitzender vor, während Krautwurst seit 42 Jahren Dritter Vorsitzender ist. Beide sind Gründungsmitglieder der Jugendkapelle. Schmidt gehört zudem seit 19 Jahren der Kreisvorstandschaft des NBMB an.

Mit großer Freude nahm der Kreisvorsitzende die Jungmusikerin Melina Neubauer mit der Mitgliedsnadel in den NBMB auf. Die Klarinettistin erlernt ihr Instrument bei Doris Haußner und ist seit dem Winter 2017/18 in die Kapelle integriert. Ein großes Anliegen war Schmidt die vereinsinterne Ehrung von Wolfgang Milich. Dieser war im vergangenen Herbst als Dirigent eingesprungen.