In der Küche des "Struwwels" geht es rund. "Wo ist Pfeffer?", fragt Momo. "Ich finde keine kleine Schüssel", sagt Leonie. "Wie kocht man Nudeln?", will Nematullah von Nadja Jonak wissen, die die Ruhe selbst ist. Seit 3. Mai geht es immer mittwochs von 16 bis 19 Uhr im Jugend- und Kulturtreff "Mit dem Kochlöffel um die Welt". Es handelt sich dabei um ein wöchentlich offenes Angebot für alle Jugendlichen jeden Alters, Herkunft oder Kultur.

"Zusammen als Gruppe werden verschiedene Gerichte aus den Ländern dieser Erde gekocht und natürlich auch gegessen. "Die Jugendlichen dürfen die Gerichte und Länder selbst aussuchen", erzählt die Projektleiterin Nadja Jonak, die im Rahmen ihres Studiums "Soziale Arbeit" an der Hochschule Coburg seit Februar ihr Praktikum im "Struwwelpeter" absolviert.

Das Projekt startet immer mit dem gemeinsamen Einkauf. "Die Jugendlichen haben die Aufgabe, die Zutaten des Rezepts selbstständig zu finden und zu kaufen. Anschließend wird das Rezept erklärt und die einzelnen Schritte verteilt. So hat jeder eine Aufgabe", erklärt die Studentin. Ziel des Projekts sei es, den Jugendlichen einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu vermitteln und zugleich ihre Fähigkeit zu stärken, harmonisch miteinander zu arbeiten und sich gegenseitig bei Problemen zu helfen.

Die Anzahl der Teilnehmer variiert von Woche zu Woche- auch, weil Muslime während des Fastenmonats Ramadan tagsüber nichts essen. Meist sei kommen zwischen fünf und zehn Leute. Es seien aber auch schon 15 Teilnehmer gewesen, wobei die "Struwwel"-Küche natürlich nicht für so eine große Zahl "Köche" angelegt sei.
"Ich finde, dass es hier viele tolle Angebote für Jugendliche gibt. Die Angebote sind in den Jahren immer mehr geworden - und sonst gibt es ja nicht so viele derartige Möglichkeiten hier für Jugendliche", meint Nadja, bevor sie sich wieder an die Arbeit macht.

Heute gibt es syrischen Nudelauflauf mit türkischem Salat - eine Ausnahme! "Eigentlich kochen wir sehr selten mit Fleisch", verrät Nadja; zum Einen, weil sie selbst Vegetarierin sei und zum Anderen, weil ja auch ein Großteil der Flüchtlinge beispielsweise kein Schweinefleisch esse.

Die jungen Flüchtlinge Abdul, Nematullah und Mohamad, genannt "Momo", bereiten den syrischen Nudelauflauf zu. Abdul und Nematullah stammen aus Afghanistan. Abdul ist 18 Jahre alt, Nematullah ein Jahr jünger.
Beide sind nahezu täglich im "Struwwel" anzutreffen, um beispielsweise Kicker oder Fifa zu spielen. Auch beim Kochen sind sie fast jedes Mal dabei. In Deutschland sind beide fast zwei Jahre. Erst eineinhalb Jahre ist Momo hier. Der Syrer freut sich, Gerichte aus seiner Heimat zu essen. Während der Salat zieht und der Nudelauflauf im Backofen goldbraun bäckt, räumen die Jugendlichen die Küche auf und decken den Tisch.

Der krönende Abschluss von Nadja Projekts ist das Afrikafest am kommenden Wochenende. Die Jugendlichen werden gemeinsam ihr Wunschgericht kochen und verkaufen. Die Gäste erwartet dabei erneut ein buntes Unterhaltungsprogamm sowie ein interessanter Einblick in die Kultur Afrikas. Das Fest wird am Samstag um 12 Uhr von Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein eröffnet.

Geöffnet hat das Struwwel-Gelände am Samstag von 12 Uhr bis 22 Uhr sowie am Sonntag von 11 Uhr bis 18 Uhr. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei.


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