Zwar hat die Fränkische Galerie gerade Winterpause. Doch hinter den dicken, historischen Gemäuern auf der Festung Rosenberg macht sich bereits jetzt Vorfreude auf die neue Saison breit: Zwei Gemälde von Kronachs bedeutendstem Sohn, Lucas Cranach dem Älteren, sind dort voraussichtlich ab dem 1. März zu bewundern.

Matthias Süß streift bereits durch den Ausstellungsraum im zweiten Stock, wo die bereits vorhandenen Stücke des bedeutenden Malers hängen. "Wir werden die Wände ein bisschen umstellen müssen, um Platz zu schaffen", überlegt der Museologe laut. "Die Werke brauchen ausreichend Platz, damit jedes für sich selbst wirken kann."

In der heutigen Zeit würde Lucas Cranach der Ältere wohl als ein Enfant terrible ("böses Kind") der Kunstszene bezeichnet werden. Nicht nur, dass er als einer der ersten deutschen Maler die Aktmalerei salonfähig gemacht hat. Als guter Freund Martin Luthers lieferte er mit Werken wie "Christus und die Ehebrecherin" die Bilder der Reformation. Dieses hängt bereits seit 1922 als Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in Kronach und gilt als das früheste halbfigurige lutherische Lehrbild.

"Auf dem Gemälde ist zu sehen, wie Jesus Christus als Stellvertreter Gottes der Sünderin vergibt, obwohl der wütende Mob sie bereits lynchen will", erklärt Süß, während er auf das reformatorische Lehrbild in Kronachs Fränkischer Galerie blickt.

Vergebung für Ehebrecherin

Auf dem Gemälde von 1520 erfährt eine einfache Frau, die Ehebruch begangen hat, einfach so Vergebung. Laut Altem Testament hätte sie dafür gesteinigt werden müssen. "Wenn Sünden durch Gnade vergeben werden und nur der Glaube zählt, braucht es die Kirche als Institution nicht mehr", schlussfolgert Süß.

Diese "Kriegserklärung an die katholische Kirche" konnte jedoch nicht verhindern, dass Cranach der Ältere genauso erfolgreich für katholische Auftraggeber arbeitete wie für Anhänger der protestantischen Reformation. In seiner 50-jährigen Schaffensphase fertigte Cranach der Ältere zahlreiche Madonnenbilder an.

Eines von ihnen, die rund um das Jahr 1525 datierte "Madonna mit Kind und Weintraube", wird bald in Kronach zu bewundern sein. "Das Motiv spielt in traditioneller Weise auf die Passion Christi an", erläutert Matthias Weniger.

Er ist wissenschaftlicher Referent für Skulptur und Malerei vor 1550 im Bayerischen Nationalmuseum und kennt beide Gemälde, die in Cranachs Geburtsstadt kommen, sehr gut. "Die Weintraube in der Hand des Kindes verweist auf das Blut, dass Jesus bei der Kreuzigung vergossen hat und ist eine Anspielung auf das letzte Abendmahl und die Eucharistie, bei der Wein in Jesu Blut gewandelt wird." Als himmlische Erscheinung wird Madonna von zwei Engeln begleitet.

Salome kommt nach Hause

Nicht gegensätzlicher könnte das zweite Gemälde, "Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers", sein. Die Evangelien berichten, dass Salome auf Betreiben ihrer Mutter Herodias den Kopf von Johannes dem Täufer forderte, weil dieser deren illegitimes Verhältnis zu Herodes Antipas öffentlich kritisiert hatte. Daraufhin präsentiert Salome ihrer Mutter das Haupt Johannes'. Zwar tot, ist sein Blick noch immer klagend.

In das Gesamtbild fügt sich die Tatsache, dass Johannes der Täufer der Schutzpatron der Kronacher Pfarrkirche ist. Alteingesessene Kronacher könnten dieses Meisterwerk noch kennen, denn es hing bereits von 1983 bis 1993 in der Fränkischen Galerie. "Seitdem hängt es im Bayerischen Nationalmuseum als wichtiges Element einer damals neu eröffneten Dauerausstellung", berichtet Weniger. "Doch Kronach hat seine ,Salome‘ schmerzlich vermisst und immer den Wunsch geäußert, dass man es gerne wieder zurück hätte."

Dieser Wunsch wurde nun erfüllt: "Der Ministerpräsident wollte, dass wieder etwas Bedeutendes, Wichtiges nach Franken zurückkommt - und dies bot nun die Gelegenheit, den bereits vorhandenen Cranach-Bestand in Kronach weiter aufzuwerten."

In der Fränkischen Galerie ist die Freude groß: "Beide Bilder sind qualitativ sehr hochwertig und werden unsere bestehende Sammlung hervorragend abrunden", findet Süß.

Vorsicht beim Transport

Da sich beide Gemälde in München befinden, sollen sie bis zum Saisonbeginn am 1. März gemeinsam mit einem Lkw geliefert werden. "Beide sind auf Holz gemalt- und da Holz nie aufhört, zu arbeiten, ist es wichtig, Bewegungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren", erklärt Weniger.

Für jedes Gemälde werde eine eigene Klimakiste angefertigt, um die wertvolle Fracht vor klimatischen Schwankungen zu schützen. "Wenn es zu feucht ist, quillt Holz, bei zu großer Trockenheit schrumpft es", weiß der Kunstexperte. "Dann hebt sich die Farbe und im schlimmsten Fall platzt sie ab." Das gilt es, in jedem Fall zu vermeiden.

Nachricht kam überraschend

"Die Nachricht kam für uns total überraschend", freut sich die Leiterin der Kronacher Tourist-Info Kerstin Löw. "Wir freuen uns sehr." Als Geburtsstadt des bedeutenden Künstlers schafft Kronach mit seinem wechselnden kulturhistorischen Angebot zu Lucas Cranach dem Älteren immer neue Anreize für Besucher aus nah und fern.

Im vergangenen Jahr widmete sich eine Sonderausstellung unter dem Titel "Zeichnen in Cranachs Werkstatt" der Frage, mit welchen Mitteln es der Künstler schaffte, während seiner Schaffenszeit in Wittenberg eine so beachtliche Anzahl an Gemälden zu produzieren.

Außerdem ist Kronach Teil der Städte-Kooperation "Wege zu Cranach", die Interessierte dazu einlädt, den Spuren des Malers an 13 verschiedenen Wirkungsstätten in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu folgen.

Die Fränkische Galerie und Lucas Cranach der Ältere

Eröffnung

Die Fränkische Galerie in Kronach wurde 1983 als erste Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums eröffnet.

Ausstattung

Nach dem Germanischen Museum in Nürnberg verfügt die Fränkische Galerie über die größte Sammlung fränkischer Kunst.

Sanierung

Das Museum wurde zuletzt 2014 saniert, das Lichtkonzept modernisiert.

Lebenswerk In 50 Jahren Schaffenszeit sollen in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Ältern 5000 Gemälde fertiggestellt worden sein, Etwa 1500 sind noch erhalten.

Produktivität

Cranach hat einen Werkstattstil entwickelt, bei dem seine Schüler nach seinen Vorlagen gemalt haben.

Rarität

In der Fränkischen Galerie hängt eine von Cranachs wenigen Tüchlein-Malereien.