An der Kasse macht ihr keiner etwas vor. Flink und gewissenhaft tippt sie die Preise ein. Dabei vergisst sie nie, für ihre Kunden zwischendurch ein freundliches Wort zu finden. Die Rede ist von Hedwig Löffler aus Kleintettau. Seit 6 Uhr sitzt die 80-Jährige an der Kasse im kleinen Edeka-Laden, der mittlerweile - inklusive Bäckerei - ihrem Sohn Gerhard Löffler gehört. Sie strahlt Zufriedenheit aus und sie lacht viel. "Ich bin der glücklichste Mensch. Ich möchte mit niemandem tauschen!", betont sie.

14 Jahre sei sie alt gewesen, als sie ihre berufliche Laufbahn beim Konsum in Ludwigsstadt gestartet hat. "So ein Job galt damals als Privileg", sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Und sie fügt an: "Es war alles anders."

Abfüllen und Verpacken

Der Lebensmittel-Einkauf basierte auf dem Verkauf an der Theke. Eine wesentliche Aufgabe war das Abfüllen oder Verpacken von Lebensmitteln in haushaltsüblichen Mengen, wie zum Beispiel Reis, Zucker, Linsen etc. Es gab noch längst keine Kühlschränke in den Haushalten. Auch Essiggurken verkaufte man lose, nach Gewicht. Je nach Jahreszeit wurden Salzheringe oder Sauerkraut aus dem Fass gehandelt. Alle Waren mussten abgewogen werden. Die Preise wurden notiert und nach dem Kauf addiert. "Da war Kopfrechnen gefragt", stellt Hedwig Löffler fest.

Noch heute erinnert sie sich gerne daran, wenn sie von ihrem Chef losgeschickt wurde, um Kartoffeln auszuliefern oder Kunden abzukassieren. Damals wurde das Gehalt noch wöchentlich in bar ausbezahlt, und es gehörte zum Alltag, dass ein Kunde seine Einkäufe anschreiben ließ.

Auch das Einlösen der Rabattmarken ist der 80-Jährigen noch gut in Erinnerung. "Da war immer einiges los im Laden, da musste man schon einen kühlen Kopf bewahren", sagt sie.

Arbeit hat sich verändert

Ihr Berufsalltag änderte sich auch nicht sofort, als sie im Jahr 1954 ihren Mann Walter heiratete, der zusammen mit seiner Mutter Elli und seiner Schwester Anneliese im Jahr 1949 das kleine Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei in Kleintettau eröffnet hatte.

Vom Wandel der Zeit wurde sukzessive aber auch das junge Unternehmerpaar getroffen. Hedwig Löffler fand schnell ihren Platz in ihrer angeheirateten Familie und setzte Akzente. Nicht nur die Kleintettauer und die Arbeiter in der Glashütte wurden versorgt, sondern es wurden Backwaren auch nach Alexanderhütte und Tettau geliefert. An manchen Tagen war sie mit ihrem "ersten Transportmittel", einem Handwagen, unterwegs. Später wurde ein Motorrad angeschafft.

"Im Winter war das manchmal schon eine heikle Angelegenheit", sagt sie mit einem Lachen. Es sei vorgekommen, dass der Korb mit den Backwaren seinen eigenen Weg gegangen und durch die Gegend geflogen sei. Um diesen Zustand zu beenden, wurde schließlich im Jahr 1954 ein alter, gebrauchter VW Käfer angeschafft.

Angebot erweitert

Auch das Angebot und die Ladenfläche wurden Schritt für Schritt erweitert. Es kamen die ersten abgepackten Waren, später wurden eine Kühltheke und Gefriertruhen angeschafft. In den Regalen fand man nun auch Kosmetika, Konserven, Tiefkühlkost, eine großen Auswahl an Getränken und ein reiches Angebot an Zeitschriften.
Das Schöne an ihrem Beruf sei der Kontakt zu den Menschen gewesen, berichtet Hedwig Löffler. Die 80-Jährige erklärt: "Ich wusste und weiß auch heute noch, was in Kleintettau und Umgebung los ist."

Zwar sind die Zeiten vorbei, als Zoll und Grenzpolizisten in der Backstube anzutreffen waren, als Flüchtlinge aus der DDR kamen, um sich aufzuwärmen oder Hausfrauen in der Backstube ihren eigenen Teig für Weihnachtsstollen anrührten, aber auch heute noch sei ihr Laden die erste Anlaufstelle vieler Kleintettauer und Schichtarbeiter der Glashütten.

Weiter an der Kasse

Hedwig Löffler wünscht sich, dass sie noch viele Jahre als Kassiererin im Geschäft tätig sein kann. Denn: "Zu den Alten, da mag ich noch nicht." Sie ist überzeugt, dass ihr Job sie jung hält, "denn ich mache ja nur, wozu ich Luft habe. Das andere überlasse ich der Jugend." Der Kontakt zu den Menschen oder die Tätigkeit an der Kasse, bei der Konzentration gefragt sei, hielten sie in Form. Nicht zuletzt halte sie auch ihr Mann Walter fit. Mit ihm gehe sie täglich nach Feierabend spazieren. "Bewegung im Alter muss sein", sagt sie lachend.

Und was ist ihr Wunsch? "Nun, dass mein Enkel Carsten das Bäckereihandwerk und den Laden in dritter Generation weiterführen wird, sofern es Gott will!"

Und sie räumt ein: Es bereite ihr schon etwas Sorgen, dass immer weniger Kunden den Weg zu ihrem Laden finden. "Wenn es so weitergeht, können wir das Sortiment in der Form nicht mehr aufrechterhalten."