Orientierung auf dem Globus gibt Australien. Von dort wandert Christoph Teilles Finger ein Stück aufwärts. Unterhalb von Mikronesien verharrt er. Da liegt Neuguinea. Für drei Wochen wird Papua, der Ostteil der zweitgrößten Insel der Welt die Heimat zweier evangelischer Pfarrer aus dem Kreis Kronach sein. Sie wirken moderat aufgeregt.

"Unser Ziel ist, eine alte Partnerschaft zu pflegen und neu mit Leben zu erfüllen", erklärt der Kronacher Pfarrer Martin Gundermann den Grund für die anstehende Reise. Der letzte Brief aus dem Partnerdekanat Kaintiba flatterte 2011 in den Kronacher Postkasten. "Bei uns haben die Missionspfarrer gewechselt, dort auch einige Zuständige für den gegenseitigen Kontakt", sagt Gundermann. Zeit also für einen Besuch am entgegengesetzten Ende der Welt. Um zu sehen, wie anders und doch gleich Christentum gelebt werden kann.
Seit 50 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem Dekanat Kronach-Ludwigsstadt und dem Dekanat Kaintiba. Weit früher, im 19. Jahrhundert, wurden weite Teile Papuas zur Kolonie und von Europäern christlich missioniert. Die Evangelisch-Lutherische Kirche hinterließ ihre Spuren. In diese Zeit gehen die Kontakte zurück, auf die heutige Partnerschaften aufbauen.

Schwere Kontaktpflege

Das Problem: "Dieser Kontakt ist schwerer zu pflegen als beispielsweise der mit afrikanischen Dekanaten", sagt Gundermann. Das liegt vor allem an der Entfernung. Mehr als 13 000 Kilometer trennen ihn und Christoph Teille (Gemeindepfarrer in Weißenbrunn und Hummendorf) vom Ziel ihrer Reise. Ein Zwischenstopp in Singapur soll die Strapazen des Hinflugs mindern und die Gewöhnung an das heiß-feuchte tropische Klima erleichtern. Von dort aus geht es per Flieger in die Hauptstadt Papuas und dann über einen zentralen Treffpunkt ins Dekanat Kaintiba.

Alle vier bis fünf Jahre besuchen sich Abgesandte der Partner-Dekanate Kronach-Ludwigsstadt und Kaintiba gegenseitig, um über Briefe oder Mails hinaus den Kontakt zu pflegen. Teille und Gundermann reisen mit einer Delegation aus insgesamt 16 bayerischen Vertretern aus Neu-Ulm, Pegnitz und anderen Dekanaten.
Am 6. Februar geht es los. Mitte Januar stecken die Pfarrer aus dem Cranachkreis mitten in den Vorbereitungen. Ihre Hirnwindungen sind gefüllt mit Informationen über das Reiseziel. An mehreren Wochenenden haben sie sich mit kundigen Menschen ausgetauscht, Filme gesehen und die Reise ins Detail geplant. Außerdem Bücher verschlungen und das Netz durchforstet.

Ein gefährliches Pflaster?

Sie wissen, dass sie ihr Trinkwasser werden abkochen müssen, weil ihre Körper nicht an die hygienischen Verhältnisse gewöhnt sind. Aber auch, dass sie wohl herrliche Dorffeste mit Handtrommel-Rhythmen und Tänzen erleben werden. "Wir werden von uns erzählen, aber auch versuchen, möglichst viel von dort mitzunehmen und in unsere Gemeinden zu tragen", sagt Gundermann. Er sei gespannt, zu sehen, wie die Bewohner des Inselstaats das Christentum in ihre völlig anderen Lebensverhältnisse integrieren.

Ein ideales Urlaubsziel ist der Karibikstaat allerdings nicht. Das Auswärtige Amt rät sogar ausdrücklich von Reisen dorthin ab: "Die Kriminalitätsrate in Papua-Neuguinea ist sehr hoch", heißt es auf der Internetseite. Davon lässt sich Christoph Teille aber nicht beeindrucken. "Wenn man ein Kreuz trägt oder als Pfarrer erkennbar ist, lassen einen die Diebe schon in Ruhe", schätzt er. Unsichere Bereiche werden die Geistlichen ohnehin nur im Beisein Einheimischer besuchen. Völlige Sicherheit garantiert das nicht. Aber im ländlichen Bereich Kaintibas sei es drastisch weniger gefährlich als in den Städten, vermuten die Pfarrer.

Es bleibt die Frage nach der Kommunikation. Verständigen werden sich die Kronacher mittels eines Dolmetschers, ihrer Englischkenntnisse oder mit Händen und Füßen. Allerdings beherrschen sie auch einige Brocken der verbreitetsten Sprache des Landes, des Pidgeon-Englisch. Das ist eine Mischung aus Kolonialsprachen: Deutsch, Holländisch, hauptsächlich Englisch und mit simpler Grammatik. "Pella Kaikai ist gutes Essen", sagt Teille, "Humi Toktok - redet miteinander", ergänzt Gundermann.

Mit nackten Füßen Feuer gemacht

Als 2010 zuletzt ein Gesandter aus Kaintiba in Kronach war, hinterließ er Eindruck. "Er konnte mit nackten Füßen Feuer machen", erinnert sich Gundermann. "Und er hatte noch nie einen Apfel gesehen", fügt Teille an. Womit sie vor Ort überraschen wollen, haben die Pfarrer noch nicht verraten. Aber sie haben versprochen, viele Fotos von ihrer Reise zu machen. Vielleicht teilen sie einige im FT.