Von der einst stattlichen Anzahl an privaten Siegelstempeln der Kronacher Metzger, Handwerker und Bürger im 18. Jahrhundert hat sich vermutlich kein Stück in unsere Zeit gerettet. Zumindest ist bislang kein Siegelstempel oder Siegelring bekannt, der einen Bezug zur Kronacher Metzgergeschichte herstellen könnte.

Die roten Lacksiegel auf den Urkunden haben eine Durchschnittsgröße von ca. 1,6 Zentimetern und sind in der Regel mit den Initialen der jeweils Siegelnden und mit Zunftsymbolen ausgestattet. Bei mehreren Urkunden lässt sich allerdings auch nachweisen, dass sowohl der Schuldner als auch der Bürge das gleiche Siegel verwendet haben. Wie aber kam es zur Ausfertigung dieser gesiegelten Urkunden?

Zinslose Darlehen


Die Fettabfälle der Metzger - Unschlitt genannt - waren bis zur Erfindung des elektrischen Lichts ein begehrtes Produkt, denn das eingeschmolzene Fett nutzte man zur Herstellung von Kerzen. Diese Kerzen, die beim Abbrennen rußten und einen eigenwilligen Geruch verbreiteten, waren bei den Bürgern dennoch sehr gefragt, denn außer Kienschleißen und Pechkränzen gab es keine erschwinglichen Lichtquellen, mit denen die Behausungen in früherer Zeit erleuchtet werden konnten. Um stets genügend Unschlitt für die Bürger zur Verfügung zu haben, schaffte die Stadt für das Metzgerhandwerk einen Anreiz, indem es jedem Metzger zehn Gulden fränkisch zinslos überließ.

Zinsloses Darlehen


Durch die Annahme des zinslosen Darlehens verpflichtete sich allerdings der Metzger gegenüber der Stadt, von jedem geschlachteten Tier eine vorgeschriebene Menge an Unschlitt an das Waagamt abzugeben. Für einen geschlachteten Ochsen waren es sechs Pfund und für eine Kuh vier Pfund. Für einen Zentner abgeliefertes Unschlitt zahlte das Waagamt dem Metzger sieben Gulden. Übte ein Metzger sein Handwerk nicht mehr aus, so war er verpflichtet, die geliehenen zehn Gulden wieder an das Waagamt zurückzugeben.
Was aber passierte im Fall seines Todes oder bei Zahlungsunfähigkeit? Hier sicherte sich die Stadt ab, indem der Schuldner beim Empfang des Geldes einen Bürgen zu benennen hatte, der mit seinem Vermögen haftete. Fein säuberlich hielt ein Schreiber den Text der Abmachung fest, der dann vom Schuldner und vom Bürgen unterzeichnet werden musste.

Bürgschaft übernommen


Die heute noch erhaltenen 30 Dokumente aus dem 18. Jahrhundert sind nahezu alle gesiegelt, sowohl vom Schuldner als auch vom Bürgen. Dabei sind die Bürgen in den meisten Fällen ebenfalls Metzger. Jedoch konnten auch andere Bürger und Handwerker die jeweilige Bürgschaft übernehmen. Bei der Ausleihung der zehn Gulden durch das Waagamt sprechen die Urkunden von einem "gewöhnlichen Metzger Capital ad Zehen Gulden fränkisch".
Roland Graf