Für auswärtige Gäste hat Helmut Zuber seine kulinarische "Broatwöscht- und Bier-Führung" schon oft gemacht; aber die Führung ist auch für Einheimische interessant. Davon ist er überzeugt. Florian Sesselmann aus Steinberg war mit seinen 16 Jahren der jüngste Teilnehmer an diesem "Experiment".

"Wir haben die Führung gewonnen, und meine Mutter trinkt eh kein Bier", erklärte der Jugendliche. Dann staunte er aber nicht schlecht über das, was er erfuhr. Denn schon 5000 vor Christus wurde Bier gebraut - in der Region zwischen Euphrat und Tigris. Die Ägypter kannten Bier, die Germanen auch. Irgendwann stellten die Brauer fest, dass Hopfen eine konservierende Wirkung hat; so kam fortan Hopfen als Hauptzutat ins Bier. 1516 wurde das erste Lebensmittelgesetz der Welt erlassen - das Reinheitsgebot, das festlegt, dass nichts anderes als Wasser, Hopfen und Malz ins Bier kommen darf. Und dieses Reinheitsgebot gilt in Bayern bis heute.


Bier für den Nachwuchs

"In Kronach haben sogar Kinder Bier bekommen. Denn das Wasser aus den Brunnen war nicht keimfrei. Deshalb hat man den Kindern Bier gegeben. Aber das Bier war schwach, es hatte nur drei Prozent Alkohol", erklärte Zuber.

Einst hatten nur die Bewohner der Oberen Stadt in Kronach das Recht, Bier zu brauen. "Die Dörfer probierten es immer wieder, dann kamen die Kronacher und haben erst mal alles weggesoffen. Dann wurden die Bierbrau-Einrichtungen zerstört", erinnerte Zuber an die alten fürstbischöflichen Zeiten.

Sogar der Stadtturm hatte etwas mit Bier zu tun, machte der Gästeführer in seiner Führung der besonderen Art klar. Denn von oben zeigte der Trompeter nicht nur an, wenn es in Kronach brannte, sondern jeden Abend, pünktlich um Viertel vor Zehn blies der er ebenfalls. Denn dann war es Zeit für alle Bewohner der Unteren Stadt und für die Bewohner der Dörfer, die Gasthäuser zu verlassen und nach Hause zu gehen. Ab 22 Uhr waren die Stadttore geschlossen.


Selbst Kronacher staunen

Bei der kulinarischen Führung kamen selbst in der Geschichte bewanderte Kronacher schon auf dem Marktplatz ins Staunen. Natürlich kennt jeder das mächtige Rathaus; viele wissen auch, dass es etwas weiter unten in der Oberen Stadt das Historische Rathaus gibt. Dieses wird heute als Veranstaltungssaal für Konzerte und Vorträge genutzt. "Aber es gab schon vorher ein Rathaus in Kronach", erklärte der Gästeführer - und lüftete auch gleich das Geheimnis, wo sich dieses erste Rathaus befunden hatte: Es ist heute Teil des Feuerwehrgebäudes.

Auch über Bratwürste wusste Gästeführer Helmut Zuber so einiges zu berichten. So gab es evangelische und katholische Bratwürste. "Wann die Bratwürste letztlich erfunden worden sind, weiß man nicht. Wahrscheinlich hat irgendeine Steinzeitfrau eine Wurst aufs Feuer gelegt. Gebraten wurde immer", sagte Zuber lachend. Doch amtlich verbrieft ist die Bratwurst in Kronach im Jahr 1404. Seitdem hat sich dieser Leckerbissen zum Kultobjekt entwickelt. Sogar Goethe konnte den Bratwürsten nicht widerstehen. In Überlieferungen ist erwähnt, dass er sich Bratwürste sogar nach Weimar hat schicken lassen - allerdings Nürnberger.

In der Kronacher Region gab es evangelische und katholische Bratwürste. "In katholischen Gegenden wurde das Brät durch einen Kutter gelassen, die Bratwürste wurden beim Braten sehr fest", erklärte Zuber. "Aber die guten Bratwürste sind die evangelischen. In evangelischen Gegenden war das Brät grober, weil es nur durch den Fleischwolf gedreht wurde", erläuterte Zuber. Deshalb war die Bratwurst nach dem Braten auch lockerer und nicht so kompakt. "Aber auch in Kronach hat sich die evangelische Bratwurst durchgesetzt. Wir kennen heute nur noch die evangelischen Bratwürste", erklärte Zuber und versetzte beim Probieren die Teilnehmer in Staunen.


Besondere Zubereitung

Auch als "G'strüpfte", also als ausgestreifte Bratwürste, mit Zwiebeln ließen sich die Teilnehmer der kulinarischen Führung die Würste schmecken. Mit verschiedenen Bieren dazu. Denn auch da hat Kronach eine Vielfalt zu bieten.

Doch Zuber hatte noch mehr Bratwurst-Weisheiten parat. So ist in dem kleinen Gässchen neben dem Historischen Rathaus ein Bratwurstmaß angebracht. Die Bratwürste - egal, ob evangelisch oder katholisch, - mussten eine halbe Elle lang sein: Das sind rund 30 Zentimeter.

"Ich bin schon Tausende Male an dieser Stelle vorbeigelaufen, aber ich habe noch nie das Bratwurstmaß gesehen", staunte Willi Schülein. "Manches wusste man schon, aber vieles war neu", sagte auch Anni Schülein.
Auf dem Weg ins Kirchenviertel wusste Gästeführer Helmut Zuber viel von den Kellern in der Oberen Stadt zu erzählen und von dem vierstöckigen Keller am Scharfen Eck. Weiter ging die Tour mit einer Stippvisite in der Metzgerei mit einem kulinarischen Versucherlein von gebratenen Würsten hin zum Kaiserhof. Und am Ende hatte Helmut Zuber noch für jeden eine Lauensteiner Praline sowie ein Bier- und Bratwurst-Rezeptheft - passend zur kulinarischen Führung - dabei. Denn Bratwürste lassen sich auch mit Soße zubereiten oder zu einer Bratwurst-Torte drapieren. Erlaubt ist alles, was schmeckt.