Martin Gundermann sitzt im evangelischen Gemeindehaus. Ab und zu ist eine gewisse Wehmut seiner Stimme zu entnehmen, wenn er über seine Zeit im Dekanat Kronach-Ludwigsstadt und über sein Wirken in der Kreisstadt spricht.
"Hier im Gemeindehaus wurden angenehme Arbeitsbedingungen geschaffen", sagt er. Für ihn hat dieses Gebäude eine besondere Bedeutung. Denn der 54-Jährige war von Anfang an bei den Planungen und bei der Realisierung des Neubauprojekts mit einbezogen. Er spricht nicht zuletzt wegen der Nähe zu seiner Kirche von Synergieeffekten, die mit dem neuen Gemeindehaus geschaffen wurden.
Kronach hat für Martin Gundermann eine besondere Bedeutung. Hier wurden seine Kinder getauft, hier hat er Beziehungen zu den Gläubigen und zu den Menschen aufgebaut. Hier engagiert sich seine Familie in Vereinen und in der Kirche. "Wir sind hier verwurzelt."
Dennoch hat er sich für einen Wechsel in seine Heimatstadt entschieden. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", fragt er.
In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass es in der Kirche Gewohnheit sei, dass die Pfarrer nach einer gewissen Zeit, etwa alle zehn bis 15 Jahre, eine neue Stelle antreten. Man geht davon aus, dass ein neuer Pfarrer in einer Gemeinde neue Ideen hat und Schwung mitbringt, erklärt er.


Eltern wohnen in Bayreuth

Etwa zwölf Jahre habe er noch bis zum Ruhestand. Das ist eine Zeit, in der er eine neue berufliche Herausforderung stemmen und in eine neue Kirchengemeinde hineinwachsen könne. Ein anderer Grund seien seine Eltern, die ihren Lebensmittelpunkt in Bayreuth haben.
16 Jahre wirkte Martin Gundermann in Kronach. Während in den ersten Jahren neben den Gottesdiensten die Arbeit mit den Senioren einen wesentlichen Schwerpunkt in seinem Berufsalltag einnahm, konzentrierte sich sein Aufgabenfeld in den folgenden Jahren zunehmend auf die Arbeit mit Familien und Kinder. Martin Gundermann organisierte mit seinem Team beispielsweise Familienfreizeiten, die Vater-Kind-Kanu-Tour oder mit dem Gemeindereferenten der katholischen Kirche, Andreas Roderer, die "ökumenische Minikirche". Weiterhin bereitete er die Heranwachsenden auf ihre Konfirmation vor. Es sei ihm darum gegangen, ihre Sorgen und Nöte zu erfahren. Sein Bestreben sei es gewesen, den Menschen zu vermitteln, dass der Glaube dazu beitragen könne, schwierige Situationen anzunehmen beziehungsweise diese zu meistern. "Glaube kann helfen."
Die Ökumene liegt Martin Gundermann am Herzen. Deshalb ist er erleichtert, dass die Ökumene in Kronach - soweit als möglich - auch gelebt wird. "Wir haben gute Berührungspunkte", meint er. Und er spricht von einem guten Miteinander mit den katholischen Kollegen.
Während Martin Gundermann spricht, merkt man, sein Job als Pfarrer ist für ihn mehr als ein Beruf. Für ihn ist es eine Berufung. Die Kirche bedeutet für ihn Heimat. Und das wollte er auch seinen Kronachern und will er künftig seinen Kirchengliedern in Bayreuth vermitteln.
Dem vierfachen Familienvater ist durchaus die Problematik bewusst, dass viele Menschen der Kirche den Rücken zuwenden: "Der Kirche weht der Wind ins Gesicht. Es gibt kein Patentrezept, wie man dagegen wirken könnte." Martin Gundermann spricht von der Vielfalt, die ein Berufsleben als Pfarrer mit sich bringt. Er führe Taufgespräche, nehme Trauungen vor, versuche Hinterbliebenen Trost zu spenden, wenn ein Angehöriger verstorben ist. Auch versuche er, die Gläubigen mit seinen Predigten zu erreichen. All diese Zusammenkünfte bieten Möglichkeiten, über den Glauben zu sprechen. Dankbar ist Martin Gundermann gegenüber den Kronachern: "Ich bin ein Pfarrer, der dazu gehört." Erleichtert ist er, dass in seinem Wirkungskreis die Gottesdienste noch gut besucht werden. Und es gibt wenig Kirchenaustritte.
Seit 14 Jahren ist Martin Gundermann im Landkreis Kronach auch als Schulreferent im Einsatz. Das bringt Kontakte zu Lehrern mit sich, denn er ist auch für die Einteilung des evangelischen Religionsunterrichts zuständig. Er habe während all den Jahren in dieser Sache auch "Mangel verwaltet". Denn die evangelische Kirche hat im Landkreis mehr Stunden im Religionsunterricht, als besetzt werden können. Und wie geht es nun in Kronach weiter? Seine Stelle sei ausgeschrieben, aber eine rund sechsmonatige Vakanz sei zu erwarten.
Was seinen weiteren beruflichen Werdegang betrifft, so meint der vierfache Familienvater: "Ich muss erst herausfinden, was die Menschen in Bayreuth bewegt." Sicher ist er jedoch: "Meine Familie und ich werden Kronach vermissen."