Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche im Jahr 1513, die Pfarrer Albrecht Bischoff entdeckt hatte, nahmen die Verantwortlichen zum Anlass, mit mehreren Aktivitäten dieses Jubiläum zu feiern.

Kein leerer Platz war mehr zu finden, als sich im Gemeindezentrum St. Michael Schafstall Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig in einem Lichtbildvortrag mit den Besuchern auf eine Reise in die Vergangenheit machte. Sie führte weit über das eigentliche Gründungsjahr hinaus.


Christianisierung und Besiedelung

Vom Benediktinerkloster Saalfeld aus wurde die Region um Lauenstein besiedelt und christianisiert. Bereits in frühen Urkunden sind Pfarrer in Lauenstein und Ludwigsstadt erwähnt, so 1337 Pfarrer Heinrich von Ludwigsdorf. Auch die Grabplatte Otto X. von Orlamünde, die bis heute in der St. Michaeliskirche steht, ist mehr als ein Indiz, dass bereits vor der ersten urkundlichen Erwähnung "Kirche in Ludwigsstadt" gehalten wurde.

Ein weiterer Beweis findet sich in der Stadtrechtsurkunde von 1490 mit folgendem Text: "Item es sol nymants der feylenn tranngk hatt Am suntag oder anndern heyligenn tagen Ee das man yn der pffar kirchen allhie zcu ludwigstatt ganntz außgesungenn hatt frwe ortthenn gebenn welicher dass thut der bussett der statt ...". So zitierte Siegfried Scheidig aus der Urkunde und übersetzte gleich, man dürfe in Ludwigsstadt nichts verkaufen, bevor am Sonntag die Kirche vorbei sei.

Gespannt war das Publikum, als Scheidig die Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1513 an die Wand beamte. Dadurch war die Stiftung der Pfarrkirche mit der erstmaligen Erwähnung des Kirchenpatrons St. Michael durch Heinrich von Thüna und somit die erste urkundliche Erwähnung der Kirche in Ludwigsstadt auch digital vorzeigbar.


Sprünge durch die Zeit

Anschließend begab sich der Stadtarchivar mit seinen Zuhörern auf weitere Zeitsprünge durch die Geschichte der Ludwigsstädter Michaeliskirche. So beleuchtete er zum Beispiel die Forderung der Ludwigsstädter im Bauernaufstand von 1525, einen lutherischen Pfarrer und im selben Satz einen Gemeindebullen zu bekommen. Das hat auch dazu geführt, dass Ludwigsstadt durch die Herrschaft Lauenstein sein Stadtrecht wieder verloren hat.
In einer Beschreibung von 1740 wird von der Baufälligkeit der alten Kirche in Ludwigsstadt berichtet, denn "man kann nur noch unter Lebensgefahr den Gottesdienst besuchen". Das führte zum Neubau der Kirche mit der Einweihung 1792 in Rohbauform - die finanziellen Mittel waren ausgegangen.

Weiter wusste Scheidig zu berichten, dass, seit die Kirchen in den Archiven erwähnt wurden, auch die Kirchenstände ein ewiger Streitpunkt waren. Sehr anschaulich war das weitere Bildmaterial, so von den in den Weltkriegen verloren gegangenen Glocken oder alte Ansichten aus den frühen Zeiten mit der verschieferten Kirchenmauer, dem verschlossenen Ratskeller und den Torbögen.

Pfarrer Bischoff dankte Siegfried Scheidig für seinen interessanten Vortrag und die Mitnahme aller Gäste in die Vergangenheit.


Informationen allen zugänglich machen

Pfarrer Albrecht Bischoff wünschte sich, dass solch eine Berichterstattung aus der Vergangenheit auf digitalen Medien gesammelt werden kann, damit diese Informationen allen zugänglich gemacht werden können.

Nachdem bereits die Kirchweih Teil der Festlichkeiten war, konnte Pfarrer Bischoff bereits vor Scheidigs Vortrag am Samstagabend zahlreiche Besucher in der Michaeliskirche begrüßen, als hoch von der zweiten Empore das "Marica" von Carl Maria von Weber durch die Stadtkapelle Ludwigsstadt erklang.

Bischoff stellte den Vorabend des Michalistages unter den Schutz und Segen Gottes. Mit den "Engeln" in den Liedern solle diese Serenade deutlich machen, dass die Segenswünsche musikalisch in die Herzen der Besucher getragen werde, sagte Pfarrer Bischoff. Unter der Leitung von Klaus Methfessel brachten die gemischten Chöre Ludwigsstadt und Steinbach an der Haide festlich ihre Lieder dar.

Der Geistliche dankte allen Akteuren für ihr Mitwirken und besonders Klaus Methfessel für die Zusammenstellung des Programms. Zum Abschluss freute sich Bischoff auf das "One Moment in Time" von Whitney Houston, dargebracht von der Stadtkapelle, "denn es trifft den Gedanken dieses Kirchenjubiläums doch gut, da wir diesen einen Moment in der Zeit nutzen sollen, der auch die Stifter vor 500 Jahren bewogen haben mag, diese Kirche in Ludwigsstadt zu stiften".


Einzug in das Gotteshaus

Unter den festlichen Klängen des Posaunenchors Veitlahm zog, angeführt von der Ludwigsstädter Kirchweihgesellschaft, der Kirchenvorstand mit den Ehrengästen des 500. Kirchenjubiläums am Sonntagmorgen in die Michaeliskirche in Ludwigsstadt ein.

In der Festpredigt ging Dekanin Dorothea Richter erst einmal auf die spezielle Mathematik der Ludwigsstädter ein: 1992 wurde 200 Jahre Michaeliskirche gefeiert, 2013 dann 500. Kirchenjubiläum. Doch das hat durchaus seine Berechtigung, wie sie feststellte. Auf ihren besonderen Wunsch stellte Dekanin Richter zum Thema "Engel" das Bonhoeffer-Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen" in den Mittelpunkt ihrer Festpredigt.
Im Namen des Kirchenvorstandes dankte Thomas Rebhan für die Unterstützung bei dieser Feier. Er wies darauf hin, dass alle Erlöse aus diesem Fest der anstehenden Außenrenovierung der Michaeliskirche zugute kommen werden, die ein Investitionsvolumen von 110 000 Euro umfasst.

Als Dekan von 1974 bis 1991 hat Friedrich Wiedemann die Menschen in Ludwigsstadt lange Jahre begleitet. Als ehemaliger Hausherr der Michaeliskirche wurde sein Grußwort noch während des Gottesdienstes gehalten.
Wiedemann war sichtlich bewegt, wieder an seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu sein. Er machte jedoch auch deutlich, dass seine Zeit in Ludwigsstadt nur ein kurze Spanne war gegenüber den 500 Jahren, die diese Kirche schon besteht.


Ende des Kalten Krieges

Prägend war für Wiedemann immer die Zeit der Wende, das Ende des Kalten Krieges, für das man Jahre zuvor immer wieder Gebete gesprochen hatte. Ganz konkret waren damals - vor fast 24 Jahren - die Michaeliskirche mit ihrer Bahnhofsmission, das Gemeindehaus und das Pfarrhaus Zufluchtsstätten für Abertausende Menschen. "Zuflucht und Heimat, nicht nur bei großen geschichtlichen Ereignissen, war, ist und bleibt dieses Gotteshaus, solange es als irdischer Bau besteht, nicht nur den Ludwigsstädter Gemeindegliedern", betonte Wiedemann.

Zum Frühschoppen mit musikalischer Unterhaltung lud Pfarrer Albrecht Bischoff alle Gäste in das Pfarrzentrum St. Michael Schafstall ein, wo die weiteren Grußwortredner an der Reihe waren. Landrat Oswald Marr (SPD) versprach Pfarrer Bischoff, nach Lösungen zu suchen, die Fördermöglichkeiten sein könnten, um bei der Außenrenovierung der Michaeliskirche zu helfen. Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) stellte heraus, dass die enge Verbindung von Kirche und Stadt bisher immer eine fruchtbare Zusammenarbeit ergeben hat. Der Präsident der Dekanatssynode, Horst Moser, machte mit dem Hinweis auf das Pfingstwunder deutlich, dass auch vor über 500 Jahren der Glaube zum Kirchenbau geführt hat.

Als Vertreter der katholischen Kirche Heilig-Geist sprach Peter Hauptmann zu den Gästen. Zusammen mit der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Maria Korn überreichte er Pfarrer Albrecht Bischoff eine große Kerze mit den Ich-bin-Worten. Er machte noch einmal deutlich, dass diese auch gerne vor dem Bilde Luthers in der Michaeliskirche brennen dürfe. "Juchu, jetzt haben wir eine Jubiläumskerze!", freute sich Pfarrer Bischoff.