Wenn die Sonne scheint, steigt die Laune. Das mag den meisten Leuten so gehen, doch die Familie Liwar in Ludwigsstadt hat gleich doppelten Grund, sich über besonders warme Tage zu freuen. Denn wenn die Sonne lacht, geht es der Haushaltskasse der Familie ähnlich - schließlich sparen sie so ordentlich Geld. Selbst wenn die Wolken den Spielverderber geben. Seit einem Jahr ist die Familie nicht mehr auf einen Stromanbieter angewiesen und lässt die Sonne den Strom erzeugen. Ein kleiner Stromspeicher im Keller macht es möglich, dass Kühlschrank, Fernseher oder Radio unverändert ihren Dienst vollrichten können. In der Nacht überbrückt die Speicherkapazität den fehlenden Sonnenschein.

In dem zweigeschossigen Gebäude wohnt Franz Liwar zusammen mit seiner Frau, zwei Kindern und seinen Eltern. Etwa 80 Quadratmeter mit 28 Modulen speisen den Strom von der Sonne - der vom Dach als Gleitstrom gleich in den Keller wandert. Hier wird er schließlich in die nutzbare, netzkonforme Wechselspannung umgewandelt.


Eine große Batterie

Das Besondere ist die Stufe zwei: ein zweiter Wechselrichter, der den von der Sonne in Überkapazität erzeugten Strom vom ersten Wechselrichter aufnimmt und in den Speicher weiterleitet. 4500 Euro kostet diese besondere Form einer Batterie, die ungefähr die Größe eines Computergehäuses hat und rund 6,5 Kilowatt Strom speichern kann.

Das Haus wird im Jahresmittel zu zwei Drittel mit Sonnenstrom versorgt. Bei den Liwars gibt es noch eine dritte Lösung, die warmes Wasser erzeugt. Ist nämlich im Sommer die Ölheizung ganz abgestellt, wird ganz nebenbei das Brauch- und Warmwasser ebenfalls von der Sonne in einem Boiler mit erwärmt. Um das Ganze zu koordinieren, gibt es einen sogenannten Home-Manager, der alle Daten sammelt, bearbeitet, berechnet und steuert.

Er weiß, wann großer Strombedarf im Haus ist und wann weniger verbraucht wird. "Das ist ein völlig automatisch laufendes System", erklärt Energie- und Solarexperte Manfred Drechsler. Über den Home-Manager kann Franz Liwar auf seinem Computer sämtliche Daten abrufen, ohne den Gang in den Keller antreten zu müssen. Eine weitere Besonderheit bietet die miteingebaute Notstromversorgung. Wenn in Ludwigsstadt das Licht wegen eines Stromausfall also ausgehen sollte, dürften im Hause Liwar nach wie vor beleuchtet sein.


Positive Bilanz

Nach einem Jahr ziehen Franz Liwar und Manfred Drechsler, der für die Beratung und Installation und Betreuung verantwortlich ist, eine positive Bilanz. Die Gesamtkosten von circa 22.000 Euro amortisieren sich mit Steueranteilen, Betriebskoten, Abschreibungen nach etwa zehn Jahren. Ab dem Einbau reduziert sich der Stromeinkauf für die nächsten 25 Jahre auf rund 35 Prozent. "Nach circa dreieinhalb Jahren hat die Anlage die Herstellungsenergie zurückgewonnen und verfügt aus ökologischer Sicht über eine positive Energiebilanz", betont Liwar. Der Grund dafür ist ein ständiger Energiegewinn ohne Ressourcenverbrauch. Die gesamte Anlage sei innerhalb von nur vier Tagen betriebsbereit installiert gewesen. "Innerhalb des ersten Betriebsjahres, habe ich noch nicht einmal unten im Keller irgendwo an der Anlage etwas gestellt, ich habe noch nicht einmal hingelangt."


Keine Vorkenntnisse nötig

Franz Liwar ist zwar von Beruf Elektroniktechniker, sagt aber gleich, dass eigentlich keine Vorkenntnisse nötig sind. Die Technik laufe von alleine. Aufwendiger seien da schon die Anträge beim Finanzamt und den Behörden. Dafür bekomme er aber die Mehrwertsteuer aus der Anlagenanschaffung zurück und eine garantierte Vergütung für den ins Netz eingespeisten Strom. Die Anlage soll sich nach ungefähr zehn Jahren selbst refinanziert haben. Ein lachender Dritter ist auch die Umwelt. "Wir ersparen dem Weltklima 85.000 Kilogramm CO2 und sparen eine Menge Geld", sagt Franz Liwar mit einem Lächeln auf den Lippen.


Initiative im Frankenwald

Die Firma Drechsler Solar in Burggrub ist einer von mehreren Partnern, die das Projekt der Energievision Frankenwald "1000 Dächer für die Sonne" mit Beratung, Betreuung und Durchführung unterstützen. Der gemeinnützige Verein "Energievision Frankenwald" hat sich das Ziel gesetzt, den Ausbau erneuerbarer Energien in der Region zu unterstützen. Ferner will man ökologische und zukunftsfähige Entwicklungen im Bereich regenerativer Energieproduktion und -nutzung entwickeln, fördern und vorantreiben.

Mit der Initiative "1000 Dächer für die Sonne" sollen im Frankenwald 1000 Dächer mit Photovoltaik oder modernen Batteriespeichern ausgestattet werden. 1000 Dächer entsprechen gerade mal zwei Prozent aller in der Region ansässigen Haushalte.