Lego ist nicht nur ein Spaß für Kinder. Lego ist eine Wissenschaft für sich. Zumindest dann, wenn man daraus Roboter baut und diesen mit Hilfe eines Computerprogramms Leben einhaucht. Beim großen Wettkampf - der First-Lego-League - kamen von insgesamt 14 Teams aus ganz Oberfranken und der Oberpfalz gleich drei aus Kronach.

Boris Zhou (15), der Teamleiter der "Robolutions" des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums tüftelte mit seinen Mannen noch hinter den Kulissen. "Bei uns ist einer krank. Wir sind normalerweise zu acht, aber heute sind wir nur sieben", erzählte er. Doch entmutigen ließ sich das Team nicht. "Der erste Lauf lief noch dezent, beim zweiten hätten wir eigentlich richtig viele Punkte geholt, aber das Spielfeld hat sich gelöst, und der Roboter ist stecken geblieben", zog Zhou eine Bilanz. Und deshalb hat die Taktik, alle Sachen bereitzulegen und im letzten Lauf dann in die richtigen Zonen zu schieben auch überhaupt nicht funktioniert.

"Wir haben nur 73 Punkte, sonst hätten wir vielleicht 350 geholt", ärgerte sich Zhou. Doch es war noch nichts verloren, denn mit dem "dezenten Ergebnis" des ersten Laufes lag "Robolution" sofort auf Platz eins.

Chance im dritten Lauf gewittert

"Wir setzen auf den dritten Lauf. Dann geht es weiter", gab indes Daniel Lenhardt (15) die Parole aus und programmierte und programmierte. "Unser Problem ist, dass das Spielfeld falsch ausgerichtet ist. Es sollte nach Süden ausgerichtet sein, aber es ist nach Nordwesten ausgerichtet", erklärte er. Um schnell reagieren zu können, bedienten sich die Schüler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums (KZG) eines Kunstkniffs. Sie verwendeten die Programmierung für die brandneue Robotergeneration. "Die läuft auch auf der alten Hardware", sagte Lenhardt und zeigte die neuen Bedienelemente, die natürlich viel weiter fortgeschritten sind.

Es ging bei dem Parcours, der mit dem Roboter abgefahren werden musste, um Naturkatastrophen und ihre Folgen. Die Schüler hatten es mit einstürzenden Häusern, herumliegenden Dachteilen, losen Kabeln und verschreckten Menschen, die in bestimmte Zonen auf dem Spielfeld gebracht werden mussten, zu tun. Sie mussten Hunde und Katzen retten. Sogar ein Flugzeug war im Einsatz, wenn alles geklappt hat. Denn natürlich musste der Roboter auch dafür sorgen, dass das Flugzeug sich in Bewegung setzte.

"Wir sind jetzt gleich dran", gab Yanneck Geiger die Parole aus. Mit einer Lego-Kiste, in der sich auch die Roboter befanden, warteten sie schon beimm Wettkampfspielplan. Schiedsrichter Thomas Pich schrieb noch die Punkte der Vorgänger auf. "Das ist so ein mittelmäßiges Niveau. Aber die Aufgaben sind in diesem Jahr auch besonders schwer", relativierte der Unparteiische seine mäßige Begeisterung.

Referate über den Katastrophenschutz

Indes wurden in einem anderen Raum die Referate vorgetragen. Es ging um Kastastrophenschutz. Erwin Burger, Leiter des Bereichs Katastrophenschutz am Landratsamt Kulmbach, Martin Latz von der DLRG und Matthias Goletz vom THW saßen in der Jury. "Also manche, Dinge, die vorgestellt wurden, waren einfach enorm. Wir haben ein Referat über ein schwimmendes Haus gehört, das flexibel auf den Wasserstand reagiert. Und die Schüler haben sich sogar Gedanken gemacht, was mit dem Schlamm bei Hochwasser und mit der Strömung passiert und was diese Faktoren auslösen können", schwärmte Martin Latz.

"Manche haben Super-Ideen, aber die Dimensionen, in denen die Schüler denken, sind manchmal ein bisschen zu klein. Eine Gruppe hat ein Modell entwickelt, wie man reagieren könnte, wenn der Vesuv ausbricht. Man müsste die Lava kanalisieren. Aber das wäre jetzt - mit unseren heutigen Materialien und vom Aufwand her - noch nicht realisierbar", sagte Goletz und sah vor allem räumliche Probleme in dem Lösungsplan.

Viele Herausforderungen

"Was mir gut gefallen hat, ist, dass die Schüler alle Themen behandelt haben: Hochwasser, Waldbrände, Erdbeben, Vulkanausbrüche und auch Krankheiten nach Naturkatastrophen", bemerkte Erwin Burger. Allerdings wunderte sich der Leiter des Bereichs Katastrophenschutz, dass die schon vorhandenen Rettungseinrichtungen in manchen Referaten gar keine Rolle spielten.

Unterdessen liefen draußen, im Hauptraum des Jugendzentrums Alte Spinnerei weitere Ausscheidungsläufe. Das Team "Black Bots" aus Kronach kam ebenfalls vom Kaspar-Zeuß-Gymnasium. "Wir haben uns gemeinsam vorbereitet, aber beim Wettbewerb sind wir Konkurrenten", sagte Paul Steinke (15) über die beiden KZG-Teams.
"Wir haben auch das Problem, dass das Spielfeld anders ausgerichtet ist", monierte er. Aber das sei alles möglich und im Bereich der Regeln. "Solche unvorhergesehenen Dinge muss man eben einkalkulieren", sagte Schiedsrichter Thomas Pich.

Die Räder sollen den Unterschied machen

Die dritte Gruppe aus Kronach waren die "Franken Bots" vom Frankenwald-Gymnasium. "Unser Roboter hat zwei Räder. Die hinteren Räder haben jetzt noch keine Gummireifen, so rutschen sie schnell herum, und der Roboter ist sehr wendig. Aber unser er ist auch stabil", hoffte Michael Geißer vom Frankenwald-Gymnasium auf Erfolg. Die Schüler hatten extra große Räder gewählt, damit der Roboter auch eine gewisse Schnelligkeit erreicht.

Viele Nachwuchs-Roboterbauer hatten Fans oder Eltern mitgebracht. Und die Zuschauer waren ausnahmslos verblüfft über das Spektakel.