"Unsere beiden Unternehmen ergänzen sich ideal!" Da sind sich Geschäftsführer Matthias Littig und der Juniorchef des Delfingen-Konzerns, Gérald Streit, sicher.

In Marktrodach werden vor allem technische Textilien als Schutzsysteme für Kabel und Leitungen der Autos produziert - 60 Kilometer pro Tag. In Anteuil, einem kleinen Ort in Ostfrankreich, dem Hauptsitz des Delfingen-Konzerns, setzt man auf Kunststoffextrusion, Spritzguss und angepasste Schlauchform. Durch die Übernahme hat das Marktrodacher Unternehmen Anschluss an den Weltmarkt, für Delfingen bedeutet der Erwerb der beiden Firmen Langendorf und MBG Münchberg den Eintritt in den deutschen Automobilmarkt. "Das hat sich 2014 schon positiv für uns ausgewirkt", freute sich Gérald Streit.


Win-Win-Situation

Wie kam diese Win-Win-Situation zu Stande? Matthias Littig lächelte und sagte: "Ich fuhr vor zwei Jahren mit einem Mitarbeiter nach Anteuil und wollte mich bei Delfingen als Lieferant für Geflechtschläuche vorstellen. Da hat der Vater von Gérald Streit, Bernard, gefragt, ob meine Firma auch zu haben wäre." Littig war überrascht, musste schlucken und sagte, dass er erst bei der Inhaberschaft nachfragen müsse. Von der erhielt er grünes Licht. Verhandlungen folgten, die Ende des Jahres 2013 erfolgreich abgeschlossen wurden. 2014 wurde aus Langendorf nun Delfingen Marktrodach. Für Bernard Streit war das der zweite Anlauf, die Firma Langendorf zu erwerben. Das hatte er bereits 1996 versucht, war aber auf Ablehnung des Firmenchefs Langendorf gestoßen. Zwei Jahre später war Langendorf insolvent.

Gérald Streit war beim jüngsten Besuch in Großvichtach immer noch begeistert von der Neuerwerbung: "Langendorf hat ein sehr schönes Portfolio! Deutschland war bisher ein weißer Fleck für unser Unternehmen." Und der Großvichtacher Betrieb passt hervorragend zum französischen Konzern. Von den Franzosen kommen vor allem Kunststoffrohre, die in der Automobilindustrie zum Schutz von Leitungen verwendet werden, die Deutschen steuern die textilen Flechtsysteme, die zum Teil auch hohe Temperaturen aushalten müssen, bei. So kann man eine kompakte Lösung anbieten, zu denen Mitbewerber nicht fähig sind. "Matthias Littig ergänzte: "Es war für uns wichtig, eine weltweite Präsenz aufbauen zu können. Das würden wir ohne Delfingen nicht schaffen können. Diese Präsenz können wir unseren Kunden nun anbieten."

Was stellt Delfingen Marktrodach her, seit es sich von den Schmaltextilien weg und hin zu technischen Textilien gewandelt hat? Nicht nur die Automobilindustrie wird beliefert, auch im Luftverkehr, bei Schienenfahrzeugen und in der Umwelttechnologie kommen textile Gewebeschläuche aus Großvichtach zum Einsatz. Auch medizinische Gewebe und Wursthüllen werden hergestellt. Das Neueste sind reflektierende und mit Alu beschichtete Glasfaserschläuche zur Abschirmung und zum Schutz vor Hitze. Die halten auch höhere Temperaturen von 200 bis 250 Grad aus. Denn die Anforderungen im Motorraum von Fahrzeugen steigen. "Die Umstellung von der Euronorm 5 auf 6 bedeutet, dass die Temperaturen um 40 Grad steigen", ergänzte Matthias Littig.


Textile Kompetenz

In Großvichtach wird investiert und Kompetenz angesiedelt. Das sagte Gérald Streit bei seinem Besuch zu. "Am Standort Marktrodach soll die textile Kompetenz von Delfingen gebündelt werden", unterstrich Streit. Es werde derzeit noch überlegt, in welchen Dimensionen nächstes Jahr investiert werde, weil man die textile Kompetenz für ganz Europa in Marktrodach ansiedeln werde.

Geschäftsführer Matthias Littig nahm diese Ankündigungen mit Freude zur Kenntnis: "Wir haben den Wandel von der Spitzen- und Litzenfabrik hin zu technischen Textilien vollzogen. Durch die Internationalisierung mit Delfingen haben wir die Chance, den Mitarbeitern eine andere Perspektive zu bieten. Bei Delfingen können sie auf Wunsch international eingesetzt werden." Überhaupt legt Delfingen Marktrodach Wert auf die Qualifizierung seiner Mitarbeiter. Man bilde Textilmaschinenführer aus. "Vergangenes Jahr hatten wir den besten Flechter Bayerns. Der wurde dann Drittbester in Deutschland. Nächstes Jahr macht er eine Technikerausbildung, bei der wir ihn natürlich unterstützen", unterstrich Matthias Littig. Man wolle den Mitarbeitern eine Perspektive und die Chance auf Weiterentwicklung bieten.


Gemeinsame Wurzeln

Beide Geschäftsführer sahen eine wohltuende Gemeinsamkeit, dass sowohl Delfingen als auch Langendorf im ländlichen Bereich angesiedelt seien. Anteuil sei ein ganz kleines Dorf im Osten Frankreichs, nicht weit von der Schweizer Grenze und vom Elsaß entfernt. "Wir finden hier in Marktrodach die gleichen Wurzeln wie bei unserem Unternehmen", unterstrich Delfingen-Juniorchef Gérald Streit.