Edith Memmel ist voller Ideen, doch bevor das Gespräch beginnt, zeigt sie stolz eine Pflanze, die sie erst im Frühjahr in ihrem Garten angebracht hat. Die Mondwinde, erklärt sie. Diese blüht nachts und zieht Insekten an, zudem hat sie einen besonderen Duft. Ein Stück Lebensraum will sie mit ihren Pflanzen den Insekten geben. Ein qualitativ hochwertiger Lebensraum liegt ihr aber auch für die Bürger und für die künftigen Generationen am Herzen.

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Umwelt- und Klimaschutz, erneuerbare Energien, Altersarmut, soziale Gerechtigkeit, bezahlbare Wohnungen für Sozialschwache, das sind ihre Themen, für die sich Edith Memmel im Landtag stark machen will.

Die 67-Jährige sprüht vor Elan, als sie detailliert auf ihre Punkte eingeht. Im Frankenwald gebe es Altersarmut. Aber: "Diese wird auch von den heimischen Politikern oft vergessen!" Es gebe Frauen, die zwar ein Haus besitzen, aber dieses mit ihrer minimalen Rente nicht unterhalten können. Ein Verkauf bringt aufgrund der heimischen Immobilienpreise nicht viel. Hier müssten neue Konzepte entwickelt werden. Beispielsweise, so erklärt sie, könnten junge Familien ein Haus auf Rentenbasis erwerben, die älteren Menschen könnten im Haus wohnen bleiben.

Ein "Kümmerer" wäre wichtig

Der Staat sollte solche Vorhaben unterstützen. Zudem sollte ein "Kümmerer" auf Landkreisebene eingesetzt werden, der ältere Menschen bei der Bewältigung der bürokratischen Hürden unterstützt, etwa wenn es um die Instandhaltung oder um den Verkauf ihrer Immobilien geht. "Viele finden sich ja mit der ganzen Flut von Auflagen gar nicht mehr zurecht!" Auch für die Schaffung von Sozialwohnungen müsse der Staat mehr finanzielle Anreize schaffen. Bei der Frage, wie der Spagat zwischen neuem Wohnraum und möglichst wenig Flächenverbrauch - dafür setzt sich ihre Partei ein - gelingen könnte, spricht Memmel von einem Überbau versiegelter Flächen, zum Beispiel von Parkplätzen oder von überbauten Einkaufsmärkten.

Ein weiteres Anliegen ist für sie der Umwelt- und Klimaschutz. In diesem Zusammenhang spricht sie von einem Wandel in der Landwirtschaft. Unverständnis äußert sie darüber, dass sich die Landwirte in Abhängigkeit von großen Konzernen begeben. Sie räumt aber auch ein, dass die Bauern - nicht zuletzt durch das Verbraucherverhalten - unter Druck stehen. Von Glyphsoat sollten die Landwirte absehen, solange nicht 100-prozentig geklärt ist, ob von diesem Düngemittel Gefahren für die Menschen ausgehen. Die Verbraucher sollten über ihr Konsumverhalten nachdenken. "Es ist doch pervers, wenn ein teurer Grill gekauft wird, auf dem dann 80-Cent-Koteletts gegrillt werden."

Kostenfreie Kinderbetreuung

Weiterhin will Memmel für soziale Gerechtigkeit eintreten. Statt Familiengeld zu zahlen - bei dem gerade wieder einmal die Sozialschwachen bestraft werden, weil dieses bei den Hartz-IV-Leistungen mit angerechnet wird -, sollten eher die Beiträge für Kindergärten, -betreuung und Schulspeisung wegfallen. "Davon würde alle profitieren!"

Und was die Flüchtlinge betrifft? Memmel tritt ein für ein freies und offenes Europa. Sie weist auf den Fachkräftemangel, gerade im Handwerk, hin. Unverständnis äußert sie darüber, dass junge Migranten, die einem Beruf nachgehen wollen, abgeschoben werden. Und sie meint, dass wenn die Politik weiterhin Waffenlieferungen in Krisenländern duldet, wenn das Handelsabkommen mit Afrika - das für diesen Kontinent mit gravierenden Nachteilen verbunden ist - nicht geändert wird, dann werden noch mehr Flüchtlinge kommen.

Während des Gesprächs merkt man, Edith Memmel, setzt sich mit vielen Themenbereichen auseinander. Bezüglich Energie, Versorgungssicherheit hat sie ihre Vorstellungen. Es müssten im Landkreis Infrastrukturen für Elektroautos geschaffen werden. Die Grundlast für die energieintensiven und hochtechnisierten Betriebe müsse gewährleistet werden, dafür sollte man die Chancen der heimischen Energieerzeugung wie Windkraft nutzen.

Gesamtschule als Chance

Und das Thema weiterführende Schule im Norden? Als vor zwei Jahren der damalige Kultusminister Spaenle in Pressig war und dort die Etablierung einer Realschule ankündigte, so Memmel, wusste doch im Grunde jeder, das daraus nichts werden würde. Die einzige Chance, eine weiterführende Schule im Norden zu etablieren, wäre ein Gymnasium nach dem "Hollfelder Modell", also eine Gesamtschule.

Edith Memmel ist schon seit über 20 Jahren in der Politik aktiv. Von 1986 bis 1990 saß sie im Landtag. Blickt sie zurück, so meint sie: "Politik ist eigentlich ein Feld, wo man viel lernen kann." Und sie verrät: Sich mit anderen Leuten auseinanderzusetzen, macht Spaß. Und das will sie auch, wenn sie im Oktober den Sprung in den Landtag schafft.