Seine Kunden gaben am dritten Verhandlungstag an, dem Angeklagten absolutes Vertrauen geschenkt zu haben. Am mittlerweile dritten Verhandlungstag gegen einen 49-jährigen ehemaligen Privatkundenbetreuer und stellvertretenden Filialleiter zeigten sich viele Zeugen immer noch fassungslos ob der Taten, die der Bankkaufmann über Jahre hinweg in der Filiale eines Geldinstitutes im Kreis Kronach verübt haben soll.

Von Juni 2011 hinweg bis Mai 2016 soll sich der Kronacher mehr als 500 000 Euro von den Konten seiner Kunden erschlichen haben. Elf Kunden waren betroffen, die höchsten Auszahlungssummen gingen mit 48 000 und 50 000 Euro bis in mittlere Zehntausender-Beträge. Dabei soll sich der Kronacher oft mehrerer Konten bedient haben, diese teilweise geschlossen, Einlagen verschoben und immer wieder auch Unterschriften gefälscht haben. Einen Großteil der Kontobewegungen - im Einzelnen listet die Staatsanwaltschaft 161 Fälle auf - gab der 49-Jährige auch zu. Einzelne Vorgänge jedoch bestreitet er.

Deshalb fällt dem Gericht nun die Aufgabe zu, die Abhebungen von Fall zu Fall prüfen zu müssen. Dass die treuen Kunden der Filiale jahrelang von den Machenschaften ihres ehemaligen Privatkundenbetreuers nicht das Geringste mitbekommen haben, liegt auch mit daran, dass sich der Angeklagte wohl ganz gezielt ältere oder mit Bankgeschäften gänzlich unvertraute Personen als Opfer ausgesucht und Geldgeschäfte teilweise auch privat bei ihnen zu Hause geregelt hatte. Alle Kontrollorgane der Bank versagten augenscheinlich. Nur so ist es zu erklären, dass der Banker wohl jahrelang in die eigene Tasche wirtschaften konnte. Der 49-jährige Angeklagte, der sich selbst als "Getriebener" und hochgradig spekulationssüchtig bezeichnete, muss sich deshalb wegen Untreue, Diebstahls, Urkundenfälschung und Betrugs verantworten.

"Ich habe ihm vollkommen vertraut und jetzt sitze ich da", sagte beispielsweise eine betroffene Seniorin, die am Montagmorgen als erste Zeugin vernommen wurde. Detailliert sollte die Rentnerin über einzelne Barauszahlungen Auskunft geben - und konnte doch nur wenig Licht ins Dunkel bringen. Sie habe nie viel Geld abgehoben, gab sie an - außer sie habe eine Öl- oder Holzlieferung bekommen. An einzelne Auszahlungen der teilweise Jahre zurückliegenden Buchungen konnte sich die im Jahr 1933 Geborene allerdings nicht mehr erinnern. Nur an so viel: Große Beträge von 3000, 4000 und 5000 Euro habe sie niemals abgehoben, erklärte sie. Ihr Girokonto habe sie lediglich für kleinere Summen benutzt.

Die Tochter einer Geschädigten, die im Jahr 2015 verstarb, erfuhr erst durch die Bank, dass ihre Mutter betroffen gewesen sei. Durch die Krankheit der Mutter sei sie zuletzt im Besitz einer Vollmacht für das Girokonto gewesen, erklärte sie im Zeugenstand. Über weitere Konten habe sie keine Verfügungsgewalt und deshalb auch keinen Einblick gehabt. "Meine Mutter hat im Monat zwischen 400 und maximal 800 Euro benötigt", sagte sie aus. Dass die Mutter so hohe Beträge wie beispielsweise mehr als 8000 Euro im Jahr 2011 anlässlich einer Kontoauflösung abgehoben habe, hielt die Zeugin für ausgeschlossen. Bereits seit dem Jahr 2010 sei ihre Mutter kein Auto mehr gefahren und habe deshalb auch keine Gelegenheit mehr gehabt, größere Beträge auszugeben, sagte die Zeugin. Ein Jahr später sei sie bereits teilweise verwirrt und geistig nicht mehr so fit gewesen. "Das ist eine ganz schlimme Sache, wenn man ältere Menschen, die sich nicht mehr helfen können, so hintergeht", erklärte die Zeugin, "ich bin heute noch total geschockt".

Eine Kronacherin kam in Begleitung ihres Anwaltes. Sie habe über verschiedene Sparkonten und Anlageformen verfügt, sagte sie aus. Einen genauen Überblick über die jeweiligen Geldbewegungen habe sie allerdings nicht gehabt und während der Ermittlungen nächtelang mühsam alle Kontoauszüge durchgearbeitet. "Das ging ja über Jahre", gab sie an, "ich bin nicht so bankkundig. Ich habe ihm vertraut." Der Kronacher Banker habe ihr des Öfteren Kapitalanlagen vorgeschlagen. Teilweise habe er auch Konten aufgelöst und das Geld anderweitig angelegt. Sie sei stets davon ausgegangen, dass alles seine Richtigkeit habe, erklärte sie. Kontrolliert habe sie das jedoch nicht.

Das Verfahren wird am Mittwoch, 25. Oktober, fortgesetzt.