Mit der Ausstellung "Zeichnen in Cranachs Werkstatt" hat die Fränkische Galerie in Kronach einen Kunst-Coup gelandet, der weltweit für Aufmerksamkeit und auch ein bisschen Neid sorgen wird: Museen auf der ganzen Welt reißen sich um die rund 100 Übungen und Meisterzeichnungen, die erstmals seit 1994 wieder geschlossen der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Nach der Ausstellung wandern sie für viele Jahre in die schützende Dunkelheit der Archivschränke - aus konservatorischen Gründen. Es sollte sich also niemand die Gelegenheit entgehen lassen, die Werke selbst in Augenschein zu nehmen, wie das kleinste und zugleich spektakulärste Teil der Sammlung: Die Zeichnung "Musizierendes nacktes Paar" stammt zweifelsfrei aus der Hand des Meisters.

Möglich gemacht hat diese bedeutende Ausstellung die Kooperation der Stadt Kronach mit der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)und dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Prof. Hans Dickel, Kunsthistoriker an der FAU, ließ die Blätter ein Jahr lang wissenschaftlich bearbeiten.


Moderne Geschäftsmethoden

Was sein Team über das größte "Maler-Unternehmen" der Renaissance herausgefunden hat, ist aufschlussreich und spannend. Der Kurator der Ausstellung, Manuel Teget-Welz, erforschte das Erfolgsrezept von Lucas Cranach und stieß auf Geschäftsmethoden, die dem heutigen modernen Management in nichts nachstehen: Projektmanagement, Arbeitsteilung, Teamwork, Kundenorientierung und vor allem: bestens geschulte Mitarbeiter. Die kopierten die Vorlagen des Meisters so lange, bis sie den unverkennbaren Stil selbst drauf hatten. So konnte Cranach Großaufträge parallel bearbeiten.

Kardinal Albrecht von Brandenburg zum Beispiel gab 140 Gemälde in Auftrag, mit denen er die Stiftskirche Halle komplett ausstattete. Von den Originalen sind weniger als fünf erhalten. Die sogenannten "Besteller-Zeichnungen", im heutigen Jargon Backups oder Sicherheitskopien, sind dagegen komplett in der Festungskapelle zu sehen.

Die Zeichnungen sind in die Bestandssammlung integriert. Diese zeigt die Gemälde und Skulpturen der ständigen Ausstellung in einem neuen Kontext und mit erweiterter Perspektive. Somit lohnt sich der Weg auf die Festung auch für diejenigen, die die Fränkische Galerie schon (öfter) besucht haben.

Besucher der Ausstellung können den hochwertigen und umfangreichen Katalog "Zeichnen in Cranachs Werkstatt" erwerben. Die Ausstellung öffnet am 24. März und schließt am 24. Juni 2018.