Jasmin Kisch sitzt wieder einmal auf gepackten Koffern. Bereits am Freitag geht es für zehn Tage auf Geschäftsreise nach Belgrad. Eine Firma, die bundesweit Breitbandkabel verlegt, braucht Tiefbauer. Weil die Chefs in Deutschland zu wenig Fachkräfte finden, suchen sie in Serbien. "Die Vertreter der Firma schauen sich vor Ort rund 50 Bewerber an. Wir haben auch ein Grundstück mit Baumaschinen gemietet, wo sie zur Probe arbeiten", erklärt die Küpserin.

Kisch lässt es sich nicht nehmen, während solcher Bewerbungsphasen persönlich vor Ort zu sein, denn der persönliche Kontakt zu Unternehmen und Bewerbern ist das Aushängeschild ihrer Personalvermittlung. Und Bedarf ist reichlich vorhanden.

Ob im Handwerk, dem Tiefbau oder in der Pflege: Gutes Personal zu finden, ist schwer. Davon können auch viele Unternehmen im Kreis Kronach ein Klagelied singen. "Im Hoch- und Tiefbau kommen im Kreis Kronach aktuell 75 Arbeitslose auf 100 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen", berichtet Matthias Klar von der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg. "Das ist schon sehr wenig, zumal inzwischen ja auch in den Wintermonaten viel gebaut wird."

Erst bei einer Zahl von 300 arbeitslos Gemeldeten auf 100 freie Stellen könne in etwa davon gesprochen werden, dass der Bedarf der Unternehmen gedeckt sei, "weil bei den Arbeitslosen ja auch immer welche dabei sind, die aufgrund des Alters oder einer Erkrankung nicht in Frage kommen".

Mangels Bewerber würden viele Unternehmen inzwischen gerne Fachkräfte aus dem Ausland einstellen. Doch aufgrund bürokratischer Hürden, Sprachbarrieren und kultureller Unterschiede fehlt den Betrieben dazu oft der Mut.

Gute Ausbildung in Drittstaaten

Da beginnt die Arbeit von Kisch. "In Deutschland schlagen immer mehr junge Menschen eine akademische Laufbahn ein. Darunter leiden vor allem die Handwerksbranche, der Bau und die Pflege", erklärt sie.

Vakante Stellen mit Arbeitskräften aus Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien oder Montenegro zu besetzen, klinge für manchen Unternehmer erst einmal seltsam bis befremdlich. Kisch erklärt, warum das aber durchaus Sinn macht: "Viele Personaldienstleister holen ihre Kräfte aus EU-Staaten. Da ist der Markt inzwischen ziemlich ausgeschöpft."

Fachpersonal aus dem Westbalkan sei sehr gut ausgebildet. "Außerdem haben die Menschen dort eine ähnliche Mentalität wie Deutsche und Interesse daran, sich zu integrieren. Das hat man bereits früher bei den Gastarbeitern aus Jugoslawien gesehen." Inzwischen vermittelt "Idemo" bis zu 200 Menschen im Jahr aus den Drittstaaten nach Deutschland. Weil so viel zu tun ist, sucht Kisch für das kommende Jahr einen weiteren Mitarbeiter, der sie bei administrativen Tätigkeiten unterstützt.

"Nach Expertenschätzung wird im Zuge des demografischen Wandels die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von derzeit circa 2,3 Millionen bis 2030 auf rund 3,4 Millionen steigen", hat der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bereits 2014 auf die Problematik in dieser Branche aufmerksam gemacht.

Der Mangel könne mittel- und langfristig weder durch einheimische Kräfte noch durch Arbeitskräfte aus EU-Mitgliedstaaten gedeckt werden. "Die Gewinnung von Fachkräften aus Drittstaaten wird in naher Zukunft unumgänglich sein." Auch Kisch ist sicher: "Die einzige Alternative ist, ausländische Fachkräfte dauerhaft nach Deutschland zu holen." Einige Altenheime aus der Region zeigen bereits Interesse an Kischs Bewerbern vom Westbalkan.

Das Besondere an "Idemo" ist, dass die Agentur Personal nach Deutschland holt, das dauerhaft bleiben möchte. "Bereits im Vorfeld besuchen die Fachkräfte in ihrem Heimatland Deutschkurse, damit sie sich vom ersten Tag im Unternehmen verständigen können - und auch in Deutschland kümmern wir uns darum, dass sie Deutschkurse und die Anpassungslehrgänge besuchen", erklärt die Geschäftsführerin.

Fachkräfte bleiben dauerhaft

"Idemo" kümmert sich auch darum, dass die Ausbildung in Deutschland anerkannt wird sowie um die Aufenthaltserlaubnis - ein enormer bürokratischer Aufwand, der mit bis zu zwölf Monaten Wartezeit verbunden ist. Ein Visum ist aber notwendig, damit Fachkräfte aus dem Westbalkan in Deutschland arbeiten dürfen.

Die Arbeit von Kisch hört jedoch nicht nach der Vermittlung auf: "Bei uns steht immer der Mensch im Vordergrund. Damit die Arbeitskräfte langfristig hierbleiben, müssen sie sich wohlfühlen." Ziel sei es darum, zeitnah auch die Familie der Facharbeiter nach Deutschland zu holen.

Vorurteile gibt es noch immer

Kisch weiß um die Vorurteile, die noch immer in vielen Köpfen bestehen und betont, dass die Fachkräfte nicht aus ihrem Land fliehen wollen und in Deutschland Asyl suchen: "Sie möchten hier arbeiten und sich dauerhaft eine Existenz aufbauen", klärt sie auf und hofft: "Inzwischen ist es zum Beispiel ganz normal, dass eine Pflegekraft im Altenheim aus Polen kommt. So normal sollte es auch sein, wenn sie aus Serbien oder Kroatien kommt."

Langfristig liegt Kisch eine Sache besonders am Herzen: "Viele Handwerksbetriebe finden keinen Nachwuchs mehr." Darum könne sie sich vorstellen, auch Ausbildungsplätze mit jungen Menschen aus Drittstaaten zu besetzen. Damit würde sie zwar als Vermittlerin kein Geld verdienen. "Doch die Sache wäre es wert."

Der Campus Innovations Kultur arbeitet daran, dass Kronach ein Mekka der Gründerszene wird

"Sie können mit dem Polo von Kronach nach Steinbach fahren - oder mit der Rakete zum Mond fliegen." Manch einer schaut erst einmal verdutzt, wenn er bei Thomas Kneitz im Büro in der Kronacher Industriestraße sitzt und ihm der Geschäftsführer des Campus Innovations Kultur (CIK) mit prägnanten Worten Angebote wie dieses offenbart.

Doch der Erfolg spricht für den 59-Jährigen. Kneitz hat es sich zum Ziel gesetzt, Kronach in ein Mekka der Gründerszene zu verwandeln. Zwei Jahre gibt es das CIK, das vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft gefördert wird, inzwischen. In diesem Zeitraum haben Kneitz und seine beiden Mitarbeiter 49 Start-Ups bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit beraten. Tendenz: steigend.

Das ländliche Kronach als Innovationszentrum - das scheint auf den ersten Blick nicht recht zusammenzupassen. "Wir haben hier keine Universität, noch keine Hochschule und auch sonst keine Forschungseinrichtungen", schildert Kneitz die Lage. "Die Gründerszene ist im Vergleich zu den Ballungszentren wie Berlin, München oder Frankfurt überschaubar." Allerdings verfüge Kronach aufgrund seiner starken Wirtschaft und der zentralen Lage über großes Potenzial, das es zu nutzen gilt.

Jasmin Kisch ist eine von zehn Gründern, die inzwischen mit Kneitz und seinen beiden Mitarbeitern zusammenarbeiten. "Ich profitiere vor allem vom Netzwerk", erklärt die Selbstständige. "Darum tauschen wir uns regelmäßig aus."

Das CIK berät die Gründer nicht nur, sondern vermittelt auch Kontakte und sucht nach Investoren für die Start-Ups. "Andere beraten, wir machen Unternehmer", erklärt Kneitz das Konzept. Die Beratung bestehender Unternehmen und deren Vernetzung gehört ebenfalls zu den Aufgaben des CIK. "Ziel ist es ja, die bestehende Wirtschaft im Kreis zu stärken."

Darum lädt das CIK regelmäßig zu Unternehmerfrühstücken ein oder veranstaltet Gründertage. Bei denen sprechen namhafte Referenten, unter anderem vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen aus Erlangen, der Technischen Universität München oder dem Automobilzulieferer Brose.

Zudem bringt das CIK im gesamten Kreisgebiet bei Schülerseminaren dem Nachwuchs das Einmaleins der Unternehmensgründung bei. "Am Ende entwickeln die einzelnen Teams Ideen, aus denen auch Start-Ups werden können", berichtet Kneitz. Das CIK sucht dann nach örtlichen Unternehmen, die das Projekt finanziell unterstützen.

saha