Der Einsatz des Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist umstritten. So hat die EU eine Entscheidung über ein Verbot des umstrittenen Pflanzenschutzmittels vertagt. Der Kronacher Stadtrat hat in seiner März-Sitzung beschlossen, dass kein Glyphosat auf den Flächen der Stadt Kronach ausgebracht werden darf. Das Glyphosatverbot soll auch für Neuverpachtungen und Vertragsverlängerungen der Stadtflächen gelten. Wenn Pächter das Pflanzenschutzmittel trotzdem einsetzen wollen, hat der Kronacher Verwaltungsausschuss das letzte Wort.

Es gibt nun einige Landwirte, die ein Verbot von Glyphosat kritisch sehen. Einer davon ist Hubertus Maximilian Freiherr von Künsberg. Er hat sich in den vergangenen Wochen viele Gedanken darüber gemacht, was aus ökologischer und ökonomischer Sicht das Beste für seinen Betrieb ist. Er wirbt für einen gezielten und verantwortungsvollen Einsatz von Glyphosat. Der Agrartechniker und Fachagrarwirt für erneuerbare Energien ist Betriebsleiter der "Bittl'schen Gutsverwaltung" (BiGV) mit einem 395 Hektar großen Betrieb. Zudem leitet er seinen eigenen Forstbetrieb sowie den der BiGV. Außerdem ist er nebenbei Imker, Jäger, Fischer und Reiter.


Was kein Glücksfall ist

Seit über 20 Jahren ist dem Freiherrn der aktive Wasserschutz ein Anliegen. Was den Agrartechniker umtreibt, ist ein idealer fruchtbarer Boden ohne Erosion. Gleichmäßige gute Erträge seien kein Glücksfall, sondern das Ergebnis eines intakten Bodenlebens. Das werde unter anderem durch eine weitsichtige Behandlung der Äcker mit wenig Überfahrten durch Mulchsaat erreicht. Jedoch auch mit Hilfe von Glyphosat. Bereiche, die an seinen Flächen anliegen, dazu zählen beispielsweise Wasserläufe und Teiche, hat Künsberg durch Pufferstreifen geschützt.


Grüne Brücken

Als er zusammen mit unserer Reporterin über das Feld läuft, spricht er von seinen Überlegungen. Den Pflug wieder einzusetzen, scheide aus, da dies ein Rückschritt für den Betrieb wäre. Die Beseitigung von "grünen Brücken" durch mehrmalige Überfahrten mit dem Traktor komme für ihn auch nicht in Frage, weil so der Boden zusätzlich belastet wird und vermehrt Kraftstoff verbraucht werden müsste "Das ist ökologisch nicht sinnvoll", so der 57-Jährige.

Doch was sind eigentlich "grüne Brücken?" Künsberg beginnt zu erklären: Kein Mähdrescher der Welt ernte völlig verlustfrei. Damit sich die ausgefallenen Samen nicht mit der neuen Saat vermischen, werden nach der Ernte die herausgefallenen Körner flach in den Boden eingearbeitet. Die Unkrautsamen keimen unter ungünstigen Bedingungen schnell und daraus entwickele sich die sogenannte "grüne Brücke". Da dieses Wachstum in der warmen Jahreszeit erfolgt, sei die Gefahr des Ansteckens der neuen Pflanzen mit Krankheiten sehr groß. Zudem werden Blattläuse von der grünen Farbe angezogen und fliegen in den Bestand. "Und gerade von diesen werden viele viröse Krankheiten übertragen", erklärt Künsberg. Deshalb müsse eine "grüne Brücke" zwingend beseitigt werden.

Beim Mulchsaatverfahren können bis zu drei Überfahrten notwendig werden, um die Äcker sauber zu bringen. Wenn man bedenkt, dass bei jeder Überfahrt zwischen zehn und 30 Liter Diesel pro Hektar verbraucht werden, sei das wegen der Abgasemissionen nicht erstrebenswert. Zudem wird der Boden verdichtet. Um dies zu vermeiden, haben deshalb die Mulchsaatbetriebe das in der Kritik stehende Glyphosat als Feuerwehr eingesetzt.

Auf eine Mulchsaat will der Freiherr aber nicht verzichten, weil diese aus ökologischer Sicht mit vielen Vorteilen verbunden ist. Der 57-Jährige nennt hier eine gestiegene Wasseraufnahme in die Böden, die Vermeidung von Erosionen. Er spricht davon, dass die Nährstoffe auf solchen Böden gehalten und nicht in tiefere Schichten verlagert werden. Zudem holen sich die Regenwürmer die Biomasse an der Oberfläche ab, ziehen diese in die Tiefe und verdauen dort die Biomasse. Die von den Regenwürmern geschaffenen Gänge durchlüften auch die Böden. Die Umsatzsetzung von Stickstoff wird extrem verringert.


TÜV muss prüfen

Für von Künsberg sind die Berichterstattungen in den vergangenen Monaten bezüglich Glyphosat recht einseitig. Er weist darauf hin, dass dieser Wirkstoff ausschließlich von grünen Pflanzenteilen aufgenommen wird. Auf die Bodenorganismen habe Glyphosat keine Auswirkungen. Alle Landwirte, die Pflanzenschutzmittel erwerben oder einsetzen wollen, seien gezwungen, einen Sachkundenachweis für Pflanzenschutz vorzuweisen. Außerdem müsse die Feldspritze, mit der das Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden soll, regelmäßig vom TÜV überprüft werden.

Er kann nicht nachvollziehen, warum Landwirte viele Überprüfungen bestehen müssen, wenn die Allgemeinheit Glyphosat erwerben kann und diesen Wirkstoff oft unsachgemäß einsetzt. Glyphosat werde beispielsweise auch bei der Instandhaltung des europäischen Gleisnetzes eingesetzt. Dass es in Kläranlagen und Flüssen gefunden werde, liege nicht an den Landwirten, sondern am verbotenen Einsatz auf befestigten Flächen in Bebauungen, sagt er.


Strengere Einsatzfenster

Für ihn ist klar, dass Glyphosat in Trinkwasser oder Nahrungsmitteln nicht gefunden werden darf. Daher sollten die Einsatzfenster strenger geregelt werden. Aber ein Verbot von Glyphosat sei nicht sinnvoll. Er wünscht sich, dass die Öffentlichkeit sachbezogener mit dieser Thematik umgeht. Um dazu beizutragen, lade er alle Skeptiker, ein, mit ihm eine Felderbegehung zu unternehmen.