In Oberlangenstadt muss der Kindergarten vorübergehend seine Pforten schließen. Der Grund ist, dass bei einem Kind akute Hepatitis A festgestellt wurde. Auch zwei Küpser Schüler aus einer dritten Klasse sind von diesem Virus befallen.

Das Landratsamt teilte am Donnerstag auf Anfrage mit, dass die Erkrankungen am Mittwoch gemeldet wurden. "Da es sich bei dieser Infektion um eine übertragbare Krankheit nach dem Infektionsschutzgesetz handelt, wurden vom Landratsamt Kronach zum Schutz der betroffenen Kinder unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen ergriffen", berichtet die Behörde. So seien alle relevanten Stellen informiert worden.
Das Landratsamt habe Kontakt zu den Eltern der Grundschüler aufgenommen, der Träger des Kindergartens habe die Eltern der Kindergartenkinder informiert.
 


Sachlich mit Thema umgehen

Träger des Oberlangenstadter Kindergartens "Spatzennest", der Platz für 97 Kinder bietet, ist die evangelische Kirchengemeinde Küps. Für diese stellt Pfarrer Friedrich Seegenschmiedt fest, dass es in den sozialen Netzwerken leider einige unerfreuliche Kommentare gegeben habe, denen man entgegentreten müsse. "Wir müssen die Vorgabe des Gesundheitsamtes umsetzen, und die lautet: ,Der Kindergarten ist zu schließen.‘"

Die negativen Äußerungen zur Schließung resultieren seiner Ansicht nach auch daraus, dass die Menschen in solchen Situationen mit Begriffen umgehen, die sie nicht einordnen können. Man höre nur von Hepatitis A, dann schaukle sich die Diskussion hoch. Hinter dem Fachbegriff stecke jedoch "nur" die so genannte Gelbsucht.
Diesen Virus könnten sich die Betroffenen irgendwo eingefangen haben - ganz unabhängig vom Besuch des Kindergartens. "Die Inkubationszeit beträgt zwei Wochen", hat Seegenschmidt gegoogelt. Eine Ansteckung sei eigentlich überall denkbar. Deshalb bittet Seegenschmiedt, sachlich mit dem Thema umzugehen. Und er rät den Eltern, mit ihren Kindern sicherheitshalber zum Arzt zu gehen.

Dort könnten eine Blutuntersuchung und gegebenenfalls eine Impfung dazu beitragen, der Krankheit die Stirn zu bieten. Eine alternative Betreuung der Kinder könne man den Eltern wegen der Ansteckungsgefahr leider nicht bieten.
 


Behörde rät zur Impfung

Ins gleiche Horn wie Seegenschmiedt stößt das Landratsamt: "Allen betroffenen Kindern und dem jeweiligen Personal der Einrichtungen wurde den Hinweisen des Robert-Koch-Instituts entsprechend dringend eine vorsorgliche Impfung gegen Hepatitis A empfohlen." Zur Durchführung der Impfung sei eine unverzügliche Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt oder Kinderarzt sinnvoll.

Sowohl die Kinderärzte im Landkreis, die örtlichen Ärzte als auch Apotheken erhielten entsprechende Informationen. Außerdem rät die Behörde zu gründlichen Hygienemaßnahmen und einer Beobachtung des Gesundheitszustandes über 28 Tage.

Die Rektorin der Volksschule Küps, Silvia Krüger, hielt sich gestern bedeckt und verwies auf die Zuständigkeit des Landratsamtes in dieser Sache. "Das Gesundheitsamt ist involviert", bestätigte sie allerdings, dass sofort "Vorsorgemaßnahmen an der Schule getroffen wurden".
 


Das ist Hepatitis A

Krankheit Die Hepatitis A ist eine Entzündung der Leber und wird durch das Hepatitis-A-Virus verursacht. Der Erreger wird über den Darm ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt entweder direkt durch enge Personenkontakte oder indirekt über "verunreinigte" Lebensmittel, Wasser oder auch Gebrauchsgegenstände.

Ansteckung Die Zeitdauer vom Tag der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) ist sehr lang und beträgt im Durchschnitt 25 bis 30 Tage. Erkrankte Personen sind bereits ein bis zwei Wochen vor und bis zu eine Woche nach Auftreten eines Ikterus (Gelbsucht) ansteckend.

Verlauf Häufig verläuft eine Hepatitis-A-Infektion unbemerkt. Ansonsten beginnt sie mit Krankheitsgefühl sowie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Gelegentlich tritt Fieber auf. Nach drei bis vier Tagen kommt es zu einem entzündlichen Befall der Leber mit Lebervergrößerung. Teilweise kommt es zur Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und der Bindehaut der Augen); dies ist häufig mit Hautjucken verbunden. Meist ist dann der Stuhl entfärbt und der Urin dunkelbraun. Diese Krankheitsphase dauert wenige Tage bis mehrere Wochen. Bei Kindern verläuft die Erkrankung meist leicht, manchmal sogar unbemerkt. Problematisch bezüglich der Übertragung ist, dass die Infizierten bereits ein bis zwei Wochen vor Beginn der Symptomatik ansteckend sind und von vielen die Erkrankung selbst nicht bemerkt wird.

Kontakt Für Rückfragen steht das Gesundheitsamt Kronach unter Telefon 09261/678-227 zur Verfügung. (Quelle: Landratsamt).