Es ist schon ein kompliziertes Puzzle, das Paul Schnell derzeit zu lösen hat. Eines, bei dem nicht klar ist, aus wie vielen Teilen es eigentlich besteht. Fest steht nur das Motiv: Ein gemütlicher Weihnachtsmarkt. "Wir haben zahlreiche Anfragen von Fieranten, aber die müssen jetzt auf die fünf Wochenenden aufgeteilt werden", erklärt Paul Schnell. Zusammen mit seinem Stellvertreter Steffen Mahr organisiert der Vorsitzende des Vereins "kronacherleben" im dritten Jahr den Kronacher Weihnachtsmarkt auf dem Marienplatz, der am 24. November startet.


Gesetzliche Regelung

Nun gilt es, sowohl den Fieranten (Händler ohne Ladengeschäft) als auch den eigenen Vorgaben gerecht zu werden. Das Problem: Der Großteil der Mieter kommt nur an einem der fünf Wochenenden. "Aber die meisten wollen alle das zweite nach Kronach kommen", erklärt der 65-Jährige. Doch nicht jeder, der einen Alternativtermin genannt bekommt, nehme diesen auch an.

Deutlich leichter könnten es sich die Organisatoren beim Lösen ihres Puzzles machen, wenn sie die Hütten ausschließlich Betreibern von Speise- oder Getränkeständen zuteilen würden, so Schnell: "Da haben wir Anfragen ohne Ende, aber Fieranten, die Handwerkliches anbieten, kriegen wir kaum mehr." Eine Ursache hat Schnell im Gesetz über die Ladenöffnungszeiten ausgemacht.

Zwar gebe es eine Ausnahmegenehmigung, die es den Händlern erlaubt, auch am Sonntag zu öffnen - doch um 20 Uhr müssen diese Hütten per Gesetz geschlossen sein. Genau dann, wenn es auf Weihnachtsmärkten besonders voll wird. "Da kommen die Besucher dann natürlich und beschweren sich, dass nur Getränke- und Essensstände offen haben", sagt Schnell.


"Jammern auf hohem Niveau"

Trotz dieses Dilemmas halten die Kronacher Organisatoren an ihrer selbst gesetzten Obergrenze für Speise- und Getränkestände fest. Der typische Charakter eines Weihnachtsmarkts soll nicht verloren gehen.

Vergangenes Jahr waren zum Start der "Kronacher Weihnacht am Rosenturm" sechs Speise-, ein Süßwaren- und sieben Getränkestände zu finden. Hinzu kamen Stände, die Holzhandwerk oder Strickware anboten sowie eine Imkerei.

Wie die Mischung heuer aussieht, hängt davon ab, welche "Puzzleteile" Schnell und seinen Kollegen zur Verfügung stehen. "Wir sind jetzt schon ganz gut bestückt, aber im Bereich der Handwerker können wir noch Fieranten gebrauchen", findet Schnell, der dem Start in knapp zwei Monaten dennoch optimistisch entgegenblickt. "Das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Etwa 90 Prozent von dem, was ich mir vorstelle, haben wir schon umgesetzt. Aber ich will es halt gerne perfekt haben."


Zu viel Schlagschatten

Daher wurde weiter an Stellschrauben gedreht - unter anderem an der der Lichtausstattung. "Die Idee ist ja, den Rosenturm als imaginäre rote Adventskerze erstrahlen zu lassen", erklärt Schnell. "Mit ein bisschen Fantasie gelingt uns das bisher ja auch." Doch richtig zufrieden ist der Perfektionist noch nicht. Im oberen Bereich des Turms werde das Licht zu schwach und es gebe zu viel Schlagschatten.

Der entsteht, weil der Turm verkantet ist und sich die Lichter zu nah am Turm befinden. "Für optimales Licht müssten wir eigentlich zehn Meter vor den Hütten sein, aber das ist ja nicht umsetzbar." Abhilfe verschaffen sollen nun weiße LED-Strahler und rote Lichtfolie, die zum bestehenden Licht-Ensemble hinzustoßen. "Das bringt uns vom Budget her jetzt auch nicht um, denn die weißen LED sind die Günstigsten", erklärt Schnell.

Aufs Geld achten muss der Verein dennoch. Nach 10 000 Euro im ersten Jahr, betrug die vom Stadtrat bewilligte finanzielle Unterstützung 2016 nur noch 7500 Euro. In diesem Jahr ging sie wie vorgesehen auf 5000 Euro zurück - wobei die Summe sogar noch weiter sank. Denn ist die Obere Stadt nicht Teil des Weihnachtsmarkts, muss die Stadt Kronach nur 90 Prozent des zugesagten Betrags auszahlen.


Nicht angenommen

Das wird sie wie vor einem Jahr auch diesmal machen dürfen. Da die Besucher den historischen Kern Kronachs für den Weihnachtsmarkt nicht angenommen haben, wird erneut auf diesen Bereich verzichtet. "Es war ein zugiges Eck", so Schnell. "Und das neue Konzept hat sich bewährt."

Das sieht diesmal jedoch einige kleinere Änderungen vor. Wer die frisch sanierte Treppe am Marienplatz hinaufsteigt, wird auf der rechten Seite keinen winterlich geschmückten "Photopoint" mehr finden. "Da soll eine Krippe mit lebensgroßen Figuren hin", sagt Schnell. Das passe gut zur angrenzenden Marienkapelle, in der erneut eine Krippenausstellung Platz finden wird. Weitere Neuerungen seien angedacht, aber noch nicht spruchreif.

Die Planungen begannen im Mai - für Schnell nichts ungewöhnliches. Als Geschäftsführer der Weka ist ihm antizyklisches Arbeiten schließlich bestens bekannt. "Weihnachten haben wir längst hinter uns, mein Kollege kauft gerade für Ostern ein", erzählt er und muss schmunzeln. Angespannt wirkt er nicht - auch wenn einige Fragezeichen noch in Ausrufezeichen verwandelt werden müssen. Doch dafür und die letzten zehn Prozent auf seiner Perfektions-Skala bleiben ja noch ein paar Wochen Zeit.

Kommt denn inzwischen schon so etwas wie Weihnachtsstimmung auf? Immerhin beobachten die Schoko-Weihnachtsmänner von den Regalen aus schon seit Wochen, wer bereits zu Lebkuchen und Co. greift. Schnell muss lachen: "Wir sind immer drei Monate vor der Zeit. Weihnachtsstimmung kommt da bei mir schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf."

Rund um den Weihnachtsmarkt

Öffnungszeiten: Die Organisatoren halten am zuletzt verwendeten Modell fest. Wie schon im vergangenen Jahr darf freitags und sonntags von 14 bis 22 Uhr über den Kronacher Weihnachtsmarkt geschlendert werden. Am Samstag öffnen die Geschäfte wieder ab 12 Uhr.

Geschlossen: Doch nicht an allen drei Tagen ist der Markt an den diesmal fünf Wochenenden geöffnet. Der Totensonntag sorgt dafür, dass die Hütten am 26. November geschlossen bleiben. Da der vierte Adventssonntag heuer zudem auf Heiligabend fällt, schließt der Weihnachtsmarkt diesmal bereits am 23. Dezember. "So fehlt uns an den beiden Wochenenden im Grunde ein Tag, das schmerzt schon", sagt Organisator Paul Schnell. Denn den Fieranten, die meist nur für ein Wochenende bleiben, müsse eine gewisse Wirtschaftlichkeit geboten werden können. Damit die Händler auch für nur zwei Tage nach Kronach kommen, wird die Standgebühr an diesen Wochenenden gesenkt. "Da beißen wir jetzt in die Seife", findet Schnell.

Martinimarkt: Während der Martinimarkt unter dem Motto "Kunstvolles & Feines" (10. bis 12 November) in seine fünfte Runde gehen wird, findet die "Kunstvolle Weihnacht" diesmal nicht statt. Angeboten wurde dort bisher stets eine breite Palette an traditionellem und künstlerischem Handwerk. Der Grund des Ausfalls ist nach Schnells Angaben, dass eine der drei Organisatorinnen ausstieg.