Bernd Schmidt hat einen Berg von Arbeit vor sich. Zentnerweise schleppt oder fährt er Papiersäcke, auf denen "Taubenfutter" steht, vom 1. Stock des Kronacher Rathauses in den Keller. Die Stadt Kronach ist jedoch nicht umgeschwenkt und zur taubenfreundlichen Stadt geworden, nein, in den Säcken mit der irreführenden Aufschrift verbergen sich die Stimmzettel der Wahl vom Sonntag. Dass es sich um Wahlunterlagen handelt, darauf deuten zwei weiße Klebesiegel und ein grüner Aufkleber hin.

Bernd Schmidt ist Hausmeister der Stadt Kronach und schafft die Wahlurnen und Papiersäcke vom Vorraum des Wahlamtes im Rathaus ins Depot in den Keller.


Bis zur Europawahl

Der Hausmeister gehört zum Wahlteam von Harald Suffa-Blinzler und muss die Unterlagen bis zum nächsten Urnengang verstauen. Der stämmige Hausmeister sieht das locker. Wenn er das Rathaus aufgeräumt hat, dann geht es zu den Wahllokalen im Stadtbereich. Von dort fährt er die "Hardware" zum Depot im Rathaus. Dort schlummern Urnen und Wahlkabinen nur kurze Zeit - bis zur Europawahl am 25. Mai.

Mit insgesamt 27 Stimmbezirken und sieben Briefwahlbezirken hat Kronach im Landkreis die meisten Wahllokale und damit auch Urnen und so genannte "Abschirm einrichtungen", die Wahlkabinen also.


Säcke sind versiegelt

Harald Suffa-Blinzler, der die Wahl in der Stadt Kronach koordinierte, erläutert, warum die Stimmzettel in den versiegelten Säcken verstaut sind. Die Stimmzettel müssen nämlich bis zur nächsten Kommunalwahl aufgehoben werden. Damit man im Bedarfsfall, falls es Nachfragen gibt, leichter fündig wird, kleben grüne Zettel auf den Säcken. So muss man nicht alle Säcke durchwühlen und kann den jeweiligen Stimmbezirk auswählen.

Auch in Mitwitz werden die Stimmzettel aufgehoben. Obwohl mit Bürgermeister Hans-Peter Laschka (CSU) nur ein Kandidat zur Wahl stand, haben viele Stimmberechtigte das Kreuz nicht bei seinem Namen gemacht, sondern einen anderen Namen auf den Stimmzettel geschrieben. Das bestätigte Heinrich Bauersachs auf Anfrage. Es gab insgesamt 166 gültige Stimmzettel mit einem anderen Namen. Mit 35 die meisten dieser Stimmen erhielt Zweiter Bürgermeister Jürgen Kern (SPD). Auf Oliver Schwämmlein (CSU) entfielen zwölf Stimmen. Etliche wählbare Mitwitzer erhielten neun oder acht Stimmen.


Donald Duck gewählt

Es gab auch 185 als ungültig zu wertende Stimmen. Darauf standen Namen von Mitwitzer Bürgern, die nicht wählbar waren, weil sie für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters zu alt sind. Einige Spaßvögel hatten auch Fantasienamen drauf geschrieben. "Auf einem Stimmzettel stand ,Donald Duck‘", sagte Bauersachs. Ob die reiche Ente einen Sack voller Golddukaten über dem Wasserschloss ausschütten sollte, um "Ort schafft Mitte" und andere Projekte zu finanzieren, ist nicht bekannt.