Es war leicht auszumachen, wer im zweiten Viertel der Oberen Stadt zu Hause ist und wer in den drei anderen Vierteln wohnt. Nach einer kleinen Ansprache von Viertelmeister Stefan Wicklein sprach das Grinsen auf der einen, die in Falten gelegte Stirn auf der anderen Seite eine deutlichere Sprache, als Worte dies hätten tun können.



Der Grund dafür war eine Metallgussplatte, die gerade bei der Eröffnung des Viertelmeistertags beim Historischen Rathaus in den Boden eingelassen und mit einem Schluck Schmäuß begossen worden war. Sie ist der Startpunkt für den Viertelmeisterlauf. 15 Jahre und zugleich 15 Läufe hatten sich die Scheiben für Start und Ziel mit Heinrich Schreibers Darstellungen von Brauknechten und Wirtzweibern im ersten Viertel befunden. Um den Lauf etwas ungefährlicher zu gestalten, wurden sie nun in das zweite, also in Wickleins Viertel in die obere Amtsgerichtsstraße verlegt.

Seitenhieb für die "Konkurrenz"
Diese Gelegenheit ließ er sich nicht entgehen, seinen Viertelmeisterkollegen und gleichzeitig Laufrivalen einen kleinen Seitenhieb mitzugeben. Nachdem der Lauf nur noch alle zwei Jahre - wegen des Wechsels mit Crana Historica - stattfinde, sei die logische Schlussfolgerung, dass der Start wohl "die nächsten 30 Jahre im schönsten, im zweiten Viertel" bleiben werde. Das hörten seine Nachbarn aus den anderen Vierteln natürlich nicht so gern.

Doch auch wenn sich zahlreiche Männer mit breiten Klingen und donnernden Flinten rings um ihn befanden, musste Wicklein keine Angst um seine Haut haben. Statt zu streiten machte sich das historisch gewandete Volk anschließend lieber daran, ein kühles Bier vom Fass - angestochen von Jungfrau Lisa - zu kosten und sich eine Elle Wurst schmecken zu lassen. Dabei wurde natürlich eifrig weiter geflachst.

Zug setzt sich in Bewegung
Zuvor war die ganze Schar vom Melchior-Otto-Platz zum Historischen Rathaus gezogen, begleitet vom Nordhalbener Fanfarenzug. Angespornt wurden sie dabei vom Spielmann Mario Schedel. Er hatte schon beim Abmarsch einen guten Rat für die Frauen parat, um Ordnung in den Zug zu bringen: "Ihr lauft jetzt einfach den Männern hinterher! Damals gab es noch keine Emanzipation. Jetzt macht Ihr mal das, was sonst die Männer bei Euch tun!"