Kennen Sie den Begriff "Greening"? Seit Anfang 2015 müssen Bauern in Deutschland und in der Region sich damit befassen. Es ist ein Beispiel für teils übermäßig komplexe Reglementierung, die der Gesetzgeber Landwirten auferlegt, findet Erwin Schwarz.

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Kronach besuchte gemeinsam mit Reiner Wittmann, Vorsitzender des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung, Guido Winter, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach sowie der stellvertretenden Kreisbäuerin Marina Herr unsere Redaktion zum Austausch mit den Redakteuren.

Zu genaue Dokumentation?

Das eingangs erwähnte "Greening" schreibt vor, dass Landwirte seit Januar 2015 so genannte ökologische Vorrangflächen bereithalten müssen, die im Interesse des Umweltschutzes naturbelassen bleiben sollen. Fünf Prozent der Anbaufläche, so sieht die Theorie es vor, sollen zum Beispiel für Hecken oder als Pufferstreifen zu Gewässern vorgehalten werden. Das kostet Bauern bares Geld. Und: "Die genauen Umsetzungsdetails kennen nicht mal wir im Amt", meinte Guido Winter. Wer allerdings gegen die Regeln verstoße, riskiere hohe Strafen, erläuterte Schwarz.

Ein anderes Beispiel für Über-Reglementierung bringt er am Beispiel des Mindestlohns: Müssen Arbeitszeiten von Familienangehörigen auf dem Hof genau dokumentiert werden? Einige Experten sagen: Ja. Den mit dem Mindestlohn einhergehenden Aufzeichnungsaufwand bezeichnete Schwarz des enormen Umfangs wegen als schädlich - vor allem für kleine Betriebe.

Als künftige Herausforderung nannte Reiner Wittmann vom Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung eine drohende Überalterung des Bayerischen Bauernverbands, auch in unserer Region. "Wir müssen dorthin kommen, dass wir wissen, was junge Leute wollen, nicht, was sie nicht wollen", machte er klar. Zu diesem Zweck müssten etwa Soziale Medien im Internet besser in die Öffentlichkeitsarbeit des Verbands integriert werden.

Bauer sucht Frau? Imageschaden!

Zufrieden waren Wittmann und Kreisobmann Schwarz mit dem seit einigen Jahren laufenden Bildungsprogramm Landwirte, kurz "BiLa". Das richtet sich auch an Menschen ohne außerlandwirtschaftliche Erstausbildung, die in einen Agrarberuf wechseln wollen. Die Attraktivität des Bauernberufs und artverwandter Berufe ist nicht hoch. "Deshalb brauchen wir die BiLa-Absolventen hände ringend", machte der Kronacher Kreisobmann Erwin Schwarz klar.

Bei ihrem Redaktionsbesuch thematisierten die Vertreter der Landwirte auch die enorme Population an Wildschweinen im Kreis Kronach. Die Idee, im Kreis Kronach Nachtsichtgeräte bei der Jagd zu erlauben, begrüßten sie. "Mit den bisherigen Mitteln ist dem Problem kaum beizukommen", sagte Schwarz. Wildschweine auf Nahrungssuche sind ein natürlicher Feind vieler Bauern. Ähnlich Rehe, die Schwarz als "Staatsfeind Nummer eins für den Wald" bezeichnete.

Leidenschaftlich wurde das TV-Format "Bauer sucht Frau" diskutiert. Das sei - da war man einig - eine "Schande für die Landwirtschaft".