Die deutsche Skatbank, die WGZ-Bank und die Commerzbank machen es vor und verlangen von Anlegern größerer Summen Strafzinsen. In der Bevölkerung geht damit die Angst einher, dass es in absehbarer Zeit auch den "Normalsparer" treffen könnte.

Hans Rebhan ist ein von den Banken und Versicherungen gewähltes Mitglied im IHK-Gremium Kronach. Wir haben uns mit ihm über dieses Thema unterhalten.


Aktuell treffen die Strafzinsen nur einige Großanleger. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch Normalsparer treffen wird?

Hans Rebhan: Leider kann niemand in die Zukunft schauen. Grundsätzlich ist alles möglich. Allerdings ist der Wettbewerb um Privatkunden in Deutschland so hart, dass ich nicht erwarte, dass diese mit Negativzinsen konfrontiert werden. Dies entspricht übrigens auch der Einschätzung des Chefs des
Bundesverbandes Deutscher Banken, Michael Kemmer.

Durch die Strafzinsen wird der Eindruck erweckt, Banken haben kein Interesse mehr an hohen Geldeinlagen. Was steckt hinter einer solchen Entscheidung?
Das kann man generell so nicht sagen. Strafzinsen werden nur solche Banken in Betracht ziehen, die einen Einlagenüberschuss haben, also mehr Mittel als für die Kreditvergabe nötig. Dann ist die Entscheidung, negative Zinsen für große Einlagen zu setzen, betriebswirtschaftlich durchaus nachvollziehbar. Ob das geschäftspolitisch und aus Reputationsgründen sinnvoll ist, muss jede Bank selbst entscheiden.

Wenn die Spareinlagen rückläufig sind, besteht dann die Gefahr, dass sich die Banken verstärkt in spekulative Geschäfte verwickeln, um ihren Betrieb zu finanzieren?
Bislang sind die Spareinlagen nicht rückläufig, wir reden also über eine rein hypothetische Frage. Es gibt keinerlei Refinanzierungsengpässe deutscher Banken. Sollten sich doch große Barabhebungen ergeben, etwa weil Kunden negative Zinsen befürchten, besteht jederzeit die Möglichkeit, sich bei der Notenbank zu refinanzieren. Es gilt nach wie vor im Eurosystem die Regelung der Vollzuteilung, das heißt, Banken können - entsprechende Sicherheiten vorausgesetzt - so viel Liquidität von der Notenbank abfordern, wie sie wollen.

Die Spareinlagen bei den Banken dienen doch zumindest in Teilen auch dazu, die Kreditvergabe zu fördern. Ist zu befürchten, dass die Banken künftig die Kreditvergabe einschränken werden?
Solange kein "Bank-run", also ein Ansturm auf eine Bank besteht - und hierfür gibt es keine Indizien - nein.

Niedrig-Zinsen verleiten dazu, vielleicht eher zu investieren als zu sparen. Besteht die Gefahr, dass heimische Unternehmen eine gute Eigenkapitalquote aus den Augen verlieren?
Die Unternehmen werden mit Sicherheit keine unsinnigen oder betriebswirtschaftlich unnötigen Investitionen tätigen, nur weil das Zinsniveau niedrig ist. Betriebe müssen sich aber wohl damit abfinden, dass Cash-Bestände derzeit niedrig bis gar nicht verzinst werden. In der jetzigen Situation steigen die Eigenkapitalquoten eher, da die niedrigeren Zinskosten für höhere Tilgungen genutzt werden.

Wir befinden uns in einer Zeit der Niedrig-Zinsen, obwohl es der Wirtschaft vergleichsweise gut geht. Was ist zu befürchten, sollte Deutschland in eine Rezession schlittern?
Das Zinsniveau ist für Deutschland im Moment tatsächlich nicht wirklich passend. Hätten wir eine nationale Geldpolitik für Deutschland, wäre der Zins sicherlich höher. Das Eurosystem macht aber die Geldpolitik für den gesamten Euroraum und für den ist der derzeitige Expansionsgrad der Geldpolitik angemessen. Da wir uns geldpolitisch schon an der Nulllinie bewegen, der Leitzins liegt bei 0,05 Prozent, gibt es kaum mehr Spielraum nach unten.

Eine Notenbank hat aber neben der Zinspolitik noch andere Pfeile im Köcher - auch unkonventionelle Maßnahmen: etwa ein breit angelegtes "Quantitative Easing", eine monetäre Lockerung, also ein groß angelegter Ankauf von privatem Vermögen und/oder Staatsanleihen. Dies schließt die Europäische Zentralbank (EZB) ja letztlich nicht mehr aus.

Im Falle der privaten Assets, wie ABS oder Covered Bonds (siehe Info) hat die EZB dies bereits getan. Ziel der monetären Lockerung ist es, die Reserven in den Bilanzen der Geschäftsbanken zu erhöhen.

Info
ABS Asset Backed Securities (kurz ABS) sind eine spezielle Form von Wertpapieren (speziell Bankschuldverschreibungen), die mit Vermögensgegenständen eines Unternehmens unterlegt und besichert sind. Das heißt, das Unternehmen verkauft seine Forderungen an eine Finanzierungsgesellschaft.
Covered Bonds Die so genannten Covered Bonds sind von der Grundstruktur her der Anlagekonstruktion des Deutschen Pfandbriefs nachgebildet.
Es handelt sich dabei also um Anleihen, bei denen zur Besicherung etwa Immobilien oder staatliche Darlehen herangezogen werden.



Für Sparkasse und Raiffeisen-Volksbank ist ein Strafzins derzeit kein Thema

Wie denken heimische Banken über den Strafzins? Das haben wir Vertreter von Sparkasse und Raiffeisen-Volksbank gefragt.

Jürgen Möhrle, Vorstandmitglied der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt, schließt einen Strafzins für Spareinlagen aus heutiger Sicht aus: "Aktuell ist das nicht zu befürchten." Allerdings könne er nicht sagen, wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln werden. "Die Frage ist auch immer, welche Zinsen wir bekommen", betont Möhrle und verweist darauf, dass die Bank derzeit 0,2 Prozent Zinsen zahlen müssen, lege sie Geld bei der Deutschen Bundesbank an.

Aktuell finanziere sich die Bank beispielsweise über die Vergabe von Krediten oder über festverzinsliche Wertpapiere. Um jedoch selbst mit Geld Gewinne erzielen zu können, sei die Bank auf langfristige Anlagen angewiesen.

In Aktien investiere die Raiffeisenbank wiederum nicht - zu spekulativ: "Wir legen so sicher wie nur irgend möglich an." Für Privatanleger seien Aktien aber durchaus eine Option, wenngleich die Raiffeisen-Volksbank trotz der derzeit guten Bedingungen einen Run bei den Privatanlegern nicht verspürt habe. Generell müsse der Anleger bei Aktien immer bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen, was manche nicht wollen. Was die richtige Anlage ist, müsse von Fall zu Fall und damit individuell entschieden werden. "Eine Familie mit zwei Kindern hat andere Anforderungen als ein 18-Jähriger", erklärt Möhrle. Eine Streuung des Kapitals sei aber immer zu empfehlen. Und auch Immobilien vor allem in Form von selbst genutztem Wohnraum seien bei dem derzeitigen Zinsniveau eine hervorragende Geldanlage, die im Alter unabhängig mache. Grundsätzlich müsse sich aber der Sparer über eines im Klaren sein: "Wenn ich heute sicher anlegen will, verliere ich Geld, weil die Inflation höher ist als das, was ich an Zinsen bekomme."

Kerstin Emrich, Pressesprecherin der Sparkasse Kulmbach- Kronach, stimmt diesbezüglich zu und befürchtet, dass sich die Situation durch ein weiteres Anhalten der Niedrigzinsphase noch zuspitzen wird. "Wir nutzen daher das persönliche Beratungsgespräch, um unseren Kunden Wege aus der Realzinsfalle aufzuzeigen." Solange die Verzinsung aber noch positiv ist, schätzt Kerstin Emrich die Gefahr als niedrig ein, dass Anleger ihr Geld lieber in den Sparstrumpf stecken als es zu einer Bank zu tragen. Für die Sparkasse würde es im Übrigen kein Problem darstellen, sollten gleich mehrere Kunden größere Beträge anlegen wollen.

Allerdings verdeutlicht die Pressesprecherin, dass die Sparkasse ebenso wie die Raiffeisen-Volksbank Geld bezahlen muss, will sie selbst bei der EZB Geld anlegen. Dennoch funktioniere nach wie vor die klassische Form, das von Kunden angelegte Geld in Form von Krediten wieder in der Region auszureichen. Und außerdem: "Die Kreditinstitute haben immer noch andere Möglichkeiten, ihr Geld, das sie nicht mit Krediten ausgeben, sicher anzulegen, beispielsweise in Bundesanleihen oder Pfandbriefen, um so Negativzinsen zu vermeiden." Generell sieht die Pressesprecherin die Wahrscheinlichkeit eines Strafzinses durch die Sparkasse aus derzeitiger Sicht sehr gering ein. Eine solche Entscheidung kann übrigens jede Sparkasse für sich selbst treffen.