Nach der Landtagswahl eine solide Koalition aufs Papier zu bringen, ist das Hauptziel der CSU-Verantwortlichen. Für das Bild eines ebenso modernen wie traditionsbewussten Bayerns, das die Parteispitze in den kommenden Jahren zeichnen möchten, braucht es jedoch nicht nur einen kreativen Pinselschwung. Ein solches Kunstwerk benötigt auch die richtige Mischfarbe. Während man in der Landeshauptstadt dem eigenen Schwarz offenbar am liebsten das Orange der Freien Wähler hinzufügen würde, gibt es im Frankenwald auch Stimmen, die einen Grünstich interessant fänden.

Der alte und neue Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU) positionierte sich schon am Wahlabend klar. Er sei für eine schwarz-grüne Regierung in München. Dass er damit eine Außenseiterrolle in seiner Fraktion einnimmt, war ihm klar. Trotzdem hält er am Tag nach der Wahl daran fest.

"In den meisten Punkten haben wir keine Deckungsgleichheit", räumt Baumgärtner ein. Trotzdem hält er an seiner Vorstellung fest. Er ist überzeugt, dass die CSU in einem Bündnis mit den Grünen wichtige eigene Positionen, wie zum Beispiel in der Frage der Inneren Sicherheit, behaupten könnte. Gleichzeitig sähe er in dieser Konstellation Chancen für seine Partei, weil sie in den Bereichen Gesundheit, Umwelt- und Klimaschutz von den Grünen profitieren könnte. "Da sind sie eine moderne Partei", zollt er seinem Wunschkandidaten Respekt.

Baumgärtner geht aber davon aus, dass die Freien Wähler bei den Verhandlungen schwer aus der Rolle des Koalitionspartners zu verdrängen sein werden. "Inhaltlich sind sie uns auf der Grundlinie sehr nahe", beschreibt er die gute Gesprächsbasis. "Trotzdem sehe ich diese Konstellation kritisch, weil die Freien Wähler keine moderne und innovationsfreudige Partei sind." Als Beispiel hierfür nennt er den Widerstand der FW gegen das Projekt "Bavaria One" - seiner Ansicht nach gleichzusetzen mit einem Widerstand gegen das autonome Fahren. "Das halte ich für eine Fehleinschätzung", sagt er. Es sei nicht klug, richtet er sich an die FW, soziale Themen gegen Wissenschaft und Forschung auszuspielen.

Letztlich gibt es auch noch die Option "Schwarz-Rot". Baumgärtner will diese Möglichkeit nicht vom Tisch wischen. Gerade in der Entwicklung des ländlichen Raums gebe es Übereinstimmungen zwischen SPD und CSU. "Aber von allen drei Varianten wäre es die schlechteste", ist er überzeugt. Die SPD müsse sich dringend erneuern, wieder zu einer Partei der Sozialpolitik werden, unterstreicht er. In einer Regierungskoalition wäre das in seinen Augen ein schwieriges Unterfangen.

Geteilter Meinung

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In Baumgärtners eigenen Reihen teilen sich die Meinungen im Landkreis, wenn es um die Koalitionsfrage geht. "Heimat schützen, Natur, Schöpfung und Umwelt bewahren, das sind zutiefst konservative Überzeugungen, die zukünftig stärker forciert werden müssen. Zudem ist Umweltschutz ein Wirtschaftsfaktor", betont Kronachs CSU-Ortsvorsitzende Angela Hofmann. Deshalb könnte auch sie sich Schwarz-Grün recht gut vorstellen. Sie sähe in einer Zusammenarbeit von CSU und Grünen auf Landesebene nicht nur inhaltlich eine sinnvolle Ergänzung. Ihrer Meinung nach dürfte bei Schwarz-Grün aufgrund der Sitzverteilung auch eine stabile Koalition herauskommen. "Daher räume ich einer möglichen Zusammenarbeit mit den Grünen durchaus Chancen ein."

Für JU-Kreisvorsitzenden Markus Oesterlein kommt eine Zusammenarbeit mit den Grünen nicht infrage; Migration, 10-H-Regelung, ... - da gäbe es seiner Ansicht nach zu viele Reibungspunkte. Schon das TV-Duell vor der Wahl habe ihm gezeigt, "das kann nicht funktionieren!" Einer Koalition mit der SPD erteilt er ebenfalls eine klare Absage. Zum einen vermisst er bei der Landes-SPD klare Positionen, zum anderen würde er diese Konstellation als das endgültige Todesurteil für die SPD in Bayern deuten.

Positiv schätzt er ein Zusammenspiel mit den Freien Wählern ein. "Wir teilen ungemein viele Positionen. Die Freien Wähler sind wie wir, nur dass sie ihr eigenes Ding machen wollen. Bei ihnen müssen wir uns nicht verbiegen", so Oesterlein über die "größte Schnittmenge" mit den potenziellen Koalitionspartnern.

Stimmen der betroffenen Parteien

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Michael Zwingmann, Landtagskandidat der Freien Wähler und Fraktionsvorsitzender im Kronacher Stadtrat, hält die Weichen mehr oder weniger für gestellt in Richtung CSU/FW-Bündnis. "Wir sind an der CSU näher dran als andere Parteien", erklärt er seine Einschätzung. Es müsse jetzt ein Konsens gefunden werden, das wäre das Beste für Bayern. Allerdings würden sich die FW nicht um jeden Preis verkaufen. Vielmehr müssten ihre Themen bei einer Zusammenarbeit entsprechend platziert werden. Edith Memmel, Landtagskandidatin und Kreisvorsitzende der Grünen, glaubt, dass die CSU die Option Grün nicht ziehen wird. "Ich denke, das wäre eine Riesenchance für Bayern", befürwortet sie grundsätzlich eine Zusammenarbeit. Allerdings weiß sie auch, dass es eine schwierige Koalition werden würde, weil sich die Grünen nicht selbst verraten und von ihrer Kernpolitik nicht abrücken wollen. "Ich denke, die Variante Freie Wähler ist für die CSU die leichtere", sagt Memmel und erwartet, dass die FW zum Zuge kommen.

Ralf Pohl, Landtagskandidat und Kreisvorsitzender der SPD, geht zwar davon aus, dass sich die SPD als demokratische Partei offen für Gespräche zeigen wird - ebenso sicher ist er sich aber, dass Schwarz-Rot "nicht zum Tragen kommen wird". Um den Weg einer solchen Koalition zu beschreiten, wären "schwierige Verhandlungen" erforderlich, weil die SPD auf viele Veränderungen in Bayern beharren müsste. Die CSU werde wohl den Weg des geringsten Widerstands gehen und die bürgerliche Alternative wählen, die FW.