Dass die AfD für sich proklamierte, Kronacher Stadträte wären kürzlich bei einer ihrer Veranstaltungen in Neustadt bei Coburg willkommene Gäste gewesen, sorgte in den Reihen der heimischen Ratsmitglieder für Unmut. Alle Gruppierungen im Gremium der Kreisstadt unterstrichen anschließend ihre Distanz zur AfD. Bislang gab es auch noch keinerlei Signal aus ihren Reihen, dass wirklich ein Kronacher Ratsmitglied bei besagter Veranstaltung gewesen sein könnte. Der CSU-Fraktion gehen diese Stellungnahmen noch nicht weit genug.


Ein Zeichen setzen

Fraktionsvorsitzender Jonas Geissler geht davon aus, dass tatsächlich keiner seiner Stadtratskollegen den Abstecher nach Neustadt gemacht hat. Deshalb möchte er mit der CSU ein noch stärkeres Zeichen setzen. "Wenn davon auszugehen ist, dass die anderen auch nicht dort waren, muss die AfD gestellt werden", sagt er. "Einer muss ja gelogen haben."

Das Mittel der CSU soll eine eidesstattliche Erklärung sein, in der alle Fraktionsmitglieder garantieren, an jenem Abend nicht bei der AfD gewesen zu sein. In der kommenden Woche soll dieser Gedanke in die Tat umgesetzt werden. "Es geht darum, sich von einem Menschen verachtenden Gedankengut zu distanzieren", so Geissler weiter. Er hofft natürlich, dass die anderen Parteien und Gruppierungen im Ratsgremium diesem Beispiel folgen.
Auf Geisslers erst am späten Donnerstagnachmittag verkündetes Vorhaben spontan angesprochen, meinte Michael Zwingmann, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, dass er persönlich kein Problem hätte, da mitzuziehen. Alles weitere müsse natürlich erst mit seinen Kollegen besprochen werden, nachdem ihn die Nachricht der CSU völlig unvermittelt erreicht hatte.

Martina Zwosta (Frauenliste) hält die Wirkung einer eidesstattlichen Erklärung für überschaubar. Wenn sie auf die Frage nach einer möglichen Teilnahme in Neustadt nein sage, müsse klar sein, dass sie nein meine. Denn: "Wer die Frauenliste kennt, weiß dass Frauenliste und AfD zusammen gar nicht geht." Mehr müsse dazu auch nicht gesagt werden. Aus gutem Grund, wie sie erläutert: "Mehr Text möchte ich der AfD gar nicht geben." Damit geht sie auf eine Befürchtung ein, die auch Zwingmann angesichts der neuerlichen Diskussion hegt. "Diese rechtspopulistische Partei hat es wieder geschafft, mediales Interesse zu wecken, weil sie ihre Lügengeschichten propagiert." Genau diese Plattform möchte er der AfD eigentlich nicht bieten.

SPD-Stadtrat Thilo Moosmann hätte persönlich ebenfalls kein Problem damit, eine eidesstattliche Erklärung zu unterzeichnen, "weil ich nicht dort war". Eine Erklärung des Stadtrates gegen fragwürdige Positionen der AfD hielte er vielleicht sogar für ein noch besseres Mittel. Allerdings hat auch er Bedenken, ob man der AfD durch die momentan große Aufregung nicht noch in die Karten spielt.

Derweil pocht AfD-Kreisvorsitzender Martin Böhm weiter darauf: "Wir haben nicht gelogen." Mit der Sprache herauskommen, wer denn aus dem Kronacher Stadtrat in Neustadt gewesen sein soll, will er aber immer noch nicht. Angeblich um die Betroffenen vor ihren eigenen Parteikollegen zu schützen.

Böhm lässt sich nicht einmal dazu verleiten, über die Anzahl der vermeintlichen Gäste zu sprechen oder zu verifizieren, ob es nun Besucher aus Stadt Kronach oder aber Landkreis Kronach (es gibt ja mehrere Städte im Kreis) gewesen sein sollen. Der Raum für Spekulationen bleibt also.