Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken langsam ab. Laub fällt und der erste Frost bahnt sich an. Zeit also, die Reifen zu wechseln. Was es dabei zu beachten gibt, erklärt Marco Scherbel, der Zubehörexperte beim Autohaus Vetter in Pressig ist.

Die Reifenwechselsaison beginnt im Oktober und endet um Ostern herum. Hier gilt die Faustregel "Von O bis O." Scherbel erzählt aus seinem Alltag: "Die vorbildlichen Kunden kommen von Anfang bis Ende Oktober zu uns. Andere erst, wenn sie den ersten Schnee vor der Haustür sehen." Die Spätsünder müssen demnach auch lange auf einen Termin warten, was oftmals zu Trubel führt. In der Hochzeit wechseln der 44-Jährige und seine Kollegen bis zu 50 Reifensätze am Tag. "Das ist natürlich sehr stressig. Bei Vetter gibt es deswegen eine sogenannte Reifenwechselwoche, in der sich ausschließlich um dieses Belangen gekümmert wird", teilt Scherbel mit. Um sich darauf vorzubereiten, habe allein der Standort des Autohauses in Pressig 650 Sätze Reifen gelagert.

Doch wie erkennt man einen Winterreifen? "Auf dem Reifen selbst gibt es als Erkennungsmerkmal einen Berggipfel mit Schneeflocke", klärt Scherbel auf. Bei Gelände- und Allwetterreifen gebe es hingegen das bekannte "M+S Symbol", welches für Matsch und Schnee steht. Doch auch in ihrer Machart unterscheiden sich die verschiedenen Reifen. Scherbel klärt auf: "Bei Winterreifen liegt eine andere Gummimischung vor, die viel weicher als die der Sommerreifen ist, dass diese nicht hart wird." Zudem besitze ein Winterreifen ein quer gestreiftes Profil und Stollen mit aufgespreizten Lamellen für besseren Grip. Sommerreifen haben vergleichsweise ein Längsprofil. Ob bei den wuchtigen Winterreifen das Fahrgefühl zu kurz kommt? "Beim Tempo gibt es keine Einbußen. Durch die Querstollen kann es allerhöchstens sein, dass die Fahrgeräusche lauter sind", klärt Scherbel auf.

Mindestprofiltiefe entscheidend

Das allerwichtigste bei jedem Reifen ist aber die Profiltiefe. Diese wird mit einem Profilmesser gemessen und muss laut Gesetzgeber mindestens 1,6 Millimeter betragen. Um jedoch die maximale Sicherheit zu gewährleisten, müssen Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von vier Millimeter haben und Sommerreife eine von drei Millimeter. Diese ist entscheidend dafür, dass die Lamellen aufspreizen und sich in den Schnee krallen. Ist die Profiltiefe zu gering, greift nur der Profilblock, was zu Rutschgefahr führt. Ist die Profiltiefe zu gering und gefährdet auch noch andere Autofahrer, so ist mit einem Bußgeld zu rechnen. "Am besten ist man beraten, wenn man einen Fachverkäufer zurate zieht", meint der 44-Jährige.

Anders als die Leute oft denken, müsse es nicht immer der teuerste Reifen sein. Einzig allein der Fachmann kann aufgrund seiner Erfahrungswerte beurteilen, welches Modell am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Ebenfalls rät Scherbel davon ab, sich zu sehr auf Testergebnisse zu fokussieren. "Die Testreifen werden an anderen Automodellen als dem eigenen getestet und sind dabei natürlich Neuware", erläutert er. Somit wäre eine einheitliche objektive Beurteilung, ob der Reifen gut oder schlecht sei, nur schwer möglich.

Ist es den Autofahrern möglich, sich dem Thema Reifenwechsel gänzlich zu entziehen und auf Allwetterreifen umzusteigen? Scherbel hat hierzu eine klare Meinung: "In anderen Teilen Deutschlands, wie Wolfsburg, wo unsere Dienstwagen herkommen, ist das sicher eine Option - bei uns im Frankenwald aber nicht." Der Fachmann erklärt, dass Allwetterreifen vom Aufbau her über Längsrillen verfügen, die zwischendrin quer mit Lamellen bestückt sind. "Bedenken muss man allerdings, dass sich diese Reifen schneller abnutzen, da sie das ganze Jahr gefahren werden", gibt Scherbel offen zu. Dadurch hätte man in Hinblick auf Kosten nichts eingespart.

Reifenwechseln leicht gemacht

Wenn man sich für einen passenden Winterreifen entschieden hat, so kann auch das Auto winterfest gemacht werden. Zuerst ist darauf zu achten, dass das Fahrzeug sicher steht. Anschließend würden die Räder abgenommen werden und die Anlageflächen, also die Bremsscheiben, gereinigt werden. Die neuen Reifen werden mit einem Drehmoment festgezogen. Scherbel fügt hinzu: "Das wichtigste ist, dass man den richtigen Luftdruck einstellt. Nach einer Testfahrt werden die Schrauben nochmals nachgezogen. Um die Winterreifen möglichst lange zu fahren, ist darauf zu achten, dass sich keine spitzen Gegenstände darin festfahren. Mit den richtigen Winterreifen ist also auch das Auto gut für den Winter gerüstet.

So lässt uns der Winter kalt: Der ADAC klärt auf

Selbst wenn man zu hundert Prozent vom Klimawandel überzeugt ist, sollte man sich zumindest dann nicht auf ihn verlassen, wenn man sich hinters Steuer setzt: Denn der Winter ist noch längst nicht Schnee von gestern, und mit glatten Überraschungen auf den Straßen muss der Autofahrer jederzeit rechnen. Damit man Auto und Wetter im Griff hat, ist die richtige Ausrüstung das A und O. Was dabei neben den richtigen Reifen zu beachten ist, erklären die Experten des ADAC. Frostschutz Benzin ist winterfest, Diesel-Kraftstoff in der Regel auch, zumindest bei den hierzulande üblichen Temperaturen. Im Auto befinden sich aber noch andere Flüssigkeiten, denen eine Eiszeit nicht gut bekommt. Deshalb gehört es zu den Winter-Vorbereitungen, sowohl den Frostschutz im Kühlwasser in der Werkstatt überprüfen zu lassen als auch einen Vorrat an frostsicherem Mittel für die Scheibenwaschanlage anzulegen. Das Konzentrat wird mit Wasser im richtigen Verhältnis verdünnt, je nach Temperatur. Geldspar-Tipp: Bei vielen Autoverwertern bekommt man das Waschmittel als Recycling-Produkt günstig in großen Kanistern. Licht Sehen und gesehen werden - das ist im Straßenverkehr immer, in der dunklen Jahreszeit aber ganz besonders wichtig. Deshalb empfiehlt es sich, beim Gang in die Werkstatt zum Reifenwechsel oder Kühler-Check auch die Einstellung der Scheinwerfer und die Funktion aller Birnchen prüfen zu lassen. Optimal eingestellte Scheinwerfer bieten dem Fahrer die bestmögliche Nacht-Sicht und blenden den Gegenverkehr nicht. Wozu man keine Werkstatt braucht: Zur Routine des Autofahrers sollte es gehören, Licht und Blinker regelmäßig vor Fahrtantritt zu kontrollieren und die Gläser zu reinigen. Schmutz und Salz machen die Scheinwerfer "blind". Ersatzbirnen sollten immer zur Hand bzw. in der Garage sein. Sicht Das beste Licht nutzt nichts, wenn das Auto "Mattscheibe" hat. Regelmäßige Reinigung innen mit alkoholhaltigen Mitteln beugt dem Beschlagen vor. Außen ist der Garant für den Durchblick der Scheibenwischer. Sobald er schmiert, sollte der Gummi ersetzt werden. Eiskratzer und diverse Putz-Utensilien wie ein Schnee-Besen gehören zur Grundausstattung bei winterlichen Fahrten. Strom In der Pannenstatistik des ADAC steht sie ganz vorne: die Autobatterie. Kälte mag der Stromspeicher gar nicht. Hochwertige Bleiakkus sind zwar mit einem Indikator zum Ladezustand ausgerüstet, aber hundertprozentig zuverlässig ist das nicht. Zumal nach einer eisigen Nacht im Freien und oder einem versehentlich nicht abgeschalteten Verbraucher (Radio, Licht) ganz schnell "Ende Gelände" sein kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, ersetzt eine ältere Batterie jetzt durch eine neue. Gummi Nicht nur bei den Reifen spielt Gummi im Winter eine wichtige Rolle. Die Freude am Fahren fängt gar nicht erst an, wenn feuchte Türdichtungen in einer kalten Nacht festfrieren. Dem kann man durch eine Behandlung mit Pflegemitteln aus dem Fachhandel vorbeugen. Die sind oft nicht billig und auch nicht eben umweltfreundlich. Die Alternative für Selbermacher: 30 Milliliter Pflanzenöl aus der Küche zusammen mit 15 Gramm Bienenwachs aus dem Reformhaus im warmen Wasserbad erhitzen (nicht kochen) und verrühren, bis das Wachs geschmolzen ist. Dann in eine Dose mit Schraubdeckel füllen. Das Hausmittel pflegt den Gummi (und die Haut) optimal. Gegen ein zugefrorenes Türschloss hilft nur Enteisungsmittel (Spray). Das griffbereit im Haus, nicht im Auto aufbewahren. Ausrüstung Trotz aller Vorsorge gibt es keine Garantie, ohne Panne oder Stau durch den Winter zu kommen. In so einem Fall ist es hilfreich, wenn für Fahrer und Beifahrer Winterausrüstung an Bord ist: warme Jacken und/oder Decken, sehr nützlich weil handlich und leicht sind die Rettungsfolien aus Verbandskasten oder Campingbedarf. Bei längeren Fahrten sollten Getränke und Verpflegung eingepackt werden. Wer in Regionen wohnt oder fährt, in denen es öfter mal heftig schneit, kommt um Schneeketten nicht herum, und auch eine Schaufel im Kofferraum ist dann kein Luxus. Und: Im Winter generell nicht den Tank bis auf Ersatz leer fahren. Dann kann man im Stau oder bei einer Panne wenigstens noch die Heizung laufen lassen.