Gruselige Gestalten gaben sich ein Stelldichein auf dem Fasching in Veitshöchheim am Freitagabend, aber der wahre Hexentanz fand in Kronach statt. Angeführt von ihrem charismatischen Zaubermeister Johannes Wildner ließen die Hofer Symphoniker die dunklen Geister Modest Mussorgskys los und schickten sie auf einen wilden Ritt auf den kahlen Berg. Der ist titelgebend für die Sinfonische Dichtung "Die Nacht auf dem kahlen Berg", die die Hofer Symphoniker in der populären Bearbeitung von Nikolai Rimsky-Korsakov aufführten, die nach dem ganzen Aufruhr mit einem versöhnlichen Ende aufwartet.

Aber zunächst geht es ansatzlos vehement, wild und dissonant zur Sache, das Hexenvolk peitscht durch die Johannisnacht. Wenn das Treiben abschwillt, dann nur um Anlauf zu nehmen für das nächste waghalsige Besenrodeo. Dann erklingt die Glocke der Turmuhr, die Szene beruhigt sich, der Tanz ist vorbei, eine kleine Bläsermelodie kündigt den neuen Tag an.


Erst Kronach, dann New York

Mit einem ordentlichen Wumms beginnen die Musiker und ihr Gastdirigent den Abend. Wie soll der noch gesteigert werden? Indem einer der talentiertesten jungen Pianisten am Klavier Platz nimmt. Fabian Müller hat im vergangenen Jahr beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb fünf Preise eingeheimst, darunter den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Nach den Konzerten in Kronach legt er noch ein paar Zwischenstopps ein und debütiert im März in der Carnegie Hall in New York.

In Kronach überzeugte er mit dem Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur. Solist und Orchester agieren als gleichberechtigte sinfonische Partner. Mozarts Partitur inspirierte sie, die gesamte musikalische und instrumentale Bandbreite in den Farben der Mozart'schen Emotionalität zu entfalten. Die leichte Heiterkeit kam bereits im ersten Allegro-Satz durch, wurde im Adagio hinterfragt, brach sich dann endgültig Bahn im Allegro assai. Das Vergnügen des Pianisten und seines Orchesters an dieser Musik übertrug sich in den Zuschauerraum: Fabian Müller durfte erst nach einer Zugabe gehen. "Nach dem großen Mozart spiele ich einen kleinen Beethoven", kündigte er an - eine Bagatelle mag das Stück vom Namen her sein, die Ausführung war jedoch ebenso großartig wie das Konzert zuvor.


Körperbetont lustvoll und emotional

Die Hofer Symphoniker und die Kronacher pflegen ihre Liebesbeziehung seit vielen Jahren. Immer wieder ist es spannend, mit welchen Gastgeschenken sie in den Kreiskulturraum kommen. Zu den drei wunderbaren Konzertstücken und dem fabelhaften Pianisten war es der österreichische Dirigent Johannes Wildner, der mit internationaler Erfahrung und charmantem Wiener Schmäh das Publikum bezirzte. Körperbetont lustvoll ist sein Dirigat und emotional.

Beste Voraussetzungen also für die 3. Sinfonie F-Dur von Johannes Brahms. Die dauert nur etwas über 30 Minuten, aber die haben es in sich. Die dominanten Eckpfeiler des Werks sind der erste und der vierte Satz, ernst, leidenschaftlich, ein bisschen düster. Mit zart einsetzenden Holzbläsern mutet das folgende Andante vergleichsweise schwerelos an. Melancholisch sehnsuchtsvoll ist der dritte Satz "Poco allegretto", mit der bekannten Melodielinie, die Musiker wie Sinatra und Santana aufgegriffen haben und die oft als Hintergrundmusik in Filmen verwendet wird.


Keine Chance für den Verstand

Die Hofer Symphoniker, Johannes Wildner und Fabian Müller haben sich umstandslos direkt über die Ohren in das emotionale Zentrum des Kronacher Publikums gespielt - der Verstand hatte keine Chance. Der häufig gehörte Satz von Klassikvermeidern, "man verstehe von solcher Musik nichts", wurde so auf's Schönste ausgehebelt.

Zart klang das Konzert mit dem vierten Brahms-Satz aus, aber nach der ersten Zugabe, dem Ungarischen Tanz Nr. 5, brandete der verdiente Applaus auf. Erst nach zwei weiteren Slawischen Tänzen von Antonín Leopold Dvorák setzte das Kronacher Publikum einen deftigen Schussakkord mit drei Ausrufezeichen: Jubel, Bravo-Rufe, frenetischer Applaus.