Treffen sich zwei Künster - was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist in diesem Fall der Beginn einer wunderbaren musikalischen Liaison, die Nicole Umbreit (Sopran) mit Bernd Schellhorn (Klavier) vor zehn Jahren eingegangen ist.

In dieser Zeit haben sie mehrere Programme erarbeitet und überall aufgeführt - nur nicht im Landkreis Kronach. Aber besser spät als nie, denn nach ihrem Debüt im Weißen Saal des Wasserschlosses Mitwitz kann man nur hoffen, die beiden öfter in der Region zu hören.

Wohlfühlkonzert im Herbst

Der Termin für das Konzert war klug gewählt. Denn am Sonntag war er dann endgültig vorbei, der lange Sommer. Und endlich geht sie wieder los, die Saison auf Bühnen und in Konzertsälen.

In Mitwitz tobte also der erste Herbststurm. Einen schöneren Kontrast zum Wohlfühlkonzert, dem "bunten Melodienstrauß" mit Literatur aus Wiener Liedern, Operetten, frühen Filmen, Swing und Musical, hätte es gar nicht geben können. Aber es waren nicht nur die bekannten Ohrwürmer, die das Publikum glücklich machten, sondern das hohe Niveau, mit dem die beiden Künstler ihr Programm lustvoll gestalteten und darboten.

Beschwingt und Federleicht

Beschwingt und federleicht im Dreivierteltakt stellte Nicole Umbreit mit dem ersten Lied "Das soll der schönste Walzer sein" von Nico Dostal ihre große Stimme vor. Ein wohltönendes Signal an die Zuhörer, sich zurückzulehnen und zu genießen.

Umbreits Sopran verfügt über einen großen Umfang, geht strahlend in die Höhe, bleibt stabil und warmtönend in der Tiefe und ist dabei jederzeit gut verständlich.

Damit ist die Sängerin prädestiniert für die anspruchsvolle Literatur, die gemeinhin eher als leichte Muse bezeichnet wird, weil Melodien und Rhythmus das Herz berühren und weil Profis gerne vergessen lassen, dass Mühelosigkeit das Resultat fleißiger Arbeit ist.

Mit Bernd Schellhorn hat sie einen kongenialen Partner gefunden. Umbreit erinnert sich an ihre erste gemeinsame Probe im September 2008: "Es war eine Sternstunde für mich! Wir begannen und ich dachte: Oh, da kommt ja was! Ich gab ein bisschen mehr, er gab ein bisschen mehr..."

Der Rest ist eine mittlerweile zehnjährige Bühnengeschichte. Da haben sich zwei gefunden, die sich aufeinander verlassen können. Daher ist die Dynamik zwischen ihnen perfekt abgestimmt, so dass Schellhorn auch einmal Stoff geben kann auf den Tasten. Hier im Umkreis ist er eher als Jazzer bekannt und zeigte in Mitwitz eine andere musikalische Seite. Seine Klavierbegleitung ist präsent und nuanciert, unterstützend und gleichberechtigt, fein austariert und nie übergriffig.

Umbreit garnierte die Mischung aus wiegendem Walzertakt, temperamentvollem Czardas oder schwelgendem Swing mit Anekdoten aus der Welt berühmter Sopranistinnen, Komponisten, Dirigenten und Pianisten. Die als sängerisch wenig begabte Tischnachbarin von Giocchina Rossini soll sich während eines Festessens vor dem Vortrag einer Rossini-Aria geziert haben. "Ich habe solche Angst!", sagte sie. Darauf der Komponist: "Und ich erst!" Da hat Umbreit gut lachen, sie gereichte jedem Lied zur Ehre an diesem Abend. Sogar ein Wiederhören des mittlerweile sehr strapazierten "Hallelujah" von Leonard Cohen, das sie im Duett mit ihrer Schülerin Sarah Geisler sang, machte Freude. Apropos Wiederhören - es wurde gemunkelt, die beiden planten ein Adventskonzert.