Wenn Polizei und Feuerwehr zu später Stunde an einem Stausee vorfahren, schrillen bei den Anwohnern erst einmal die Alarmglocken. Der Einsatz sorgte in der Bevölkerung für allerhand Spekulationen, die bis zu Szenarien wie einem Riss in der Dammmauer reichten.

Davon kann jedoch keine Rede sein: Eine undichte Stelle in einem der Wasserrohre hat den Alarm verursacht. "Die Trinkwassertalsperre unterliegt der ständigen staatlichen Kontrolle", erklärt ein Sprecher des Umweltministeriums auf Anfrage des Fränkischen Tags. "Die sofort eingeleiteten Untersuchungen bestätigten die Meldung."

Doppelte Sicherheit

Vom sogenannten Entnahmeturm, der mitten im Stausee etwa 60 Meter tief im Wasser steht, führen am Grund zwei Rohrleitungen bis zum Betriebsgebäude auf der anderen Seite des Staudamms (siehe Grafik). Eine Leitung dient zum Transport des Rohwassers, das die Fernwasserversorgung (FWO) an kreisfreie Städte, Gemeinden und Zweckverbände liefert.

Die andere leitet Wasser an einen angrenzenden Bach ab, fungiert gleichzeitig aber auch als Sicherheit, falls an der eigentlichen Versorgungsleitung ein Schaden entstehen würde.

Da das Leck jedoch an dieser Sicherheitsleistung entstanden ist, sei die Wasserversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen: "Der Betrieb der Trinkwasserversorgung wurde nicht unterbrochen", versichert das Ministerium. "Die Rohrleitung wurde vorübergehend aus dem Betrieb genommen, was zum jetzigen Zeitpunkt nicht problematisch ist", erklärt der Leiter des Kronacher Wasserwirtschaftsamts Hans Hemmerlein.

Die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts und des Landratsamts Kronach haben für den Ortstermin am Montag auch Experten des Umweltministeriums hinzugezogen. Letztere hätten die Standsicherheit des Staudammes eingehend überprüft. "Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass die Sicherheit des Staudammes weiter uneingeschränkt gegeben ist", berichtet der Sprecher.

Notfallplan für Ernstfall

Der FWO-Vorsitzende Heinz Köhler wurde am Sonntagmorgen über den Vorfall an der Ködeltalsperre informiert. Zwar sei er in über 40 Jahren noch nie über eine solche Fehlermeldung informiert worden. Sorgen müsse sich aber niemand machen: "Falls das Leck nicht zeitnah wieder geschlossen werden kann, gäbe es auch einen Notfallplan, der die Wasserversorgung in jedem Fall sicherstellt."

Das Leck an dem 45 Jahre alten Rohr soll rasch geschlossen werden: "Der technische Defekt am Leitungssystem wird so rasch wie möglich behoben", kündigt das Ministerium an. Wie auch FWO-Werkleiter Markus Rauh bestätigt, wollen alle Verantwortlichen schnellstmöglich wieder für doppelte Sicherheit sorgen: "Der Umweltminister Thorsten Glauber hat uns zugesichert, dass der Freistaat Bayern die Kosten für die Instandsetzung übernehmen wird."

Gleichzeitig werde die Schadensursache überprüft, damit sich so ein Vorfall künftig nicht wiederholt.

Infos zur Ködeltalsperre:

Bau:

1968 wurde mit dem Bau der Talsperre begonnen, bevor sie 1975 den Betrieb aufnahm.

Besonderheit

Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme war sie die erste ihrer Art in ganz Bayern.

Versorgung

Mit einem maximalen Fassungsvermögen von 21 Millionen Kubikmetern kann sie pro Jahr rund 12,5 Millionen Kubikmeter Rohwasser an das Wasserwerk Rieblich der FWO zur Weiterverteilung an die Verbraucher abgeben.