Die von vielen Bürgern lange ersehnte Ortsumgehung Zeyern rückt näher. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wies am Donnerstagnachmittag bei einer "mündlichen Verhandlung" im Rathaussaal die Klage des DJK/SV Zeyern gegen den Planfestellungsbeschluss ab. Eine Revision wird nicht zugelassen. Der Streitwert wurde auf 20.000 Euro festgelegt. Somit könnte bereits in 2015 mit dem Bau begonnen werden.

Der Vizepräsident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, Erwin Allesch, begründete das Urteil damit, dass die Gefährdung der Existenz des Sportvereins durch einen fehlerhaltigen Planfeststellungsbeschluss nicht hergeleitet werde. Der Hochwasserschutz sei in Ordnung, die Frage des Lärms sei nicht relevant.

Während der über zwei Stunden dauernden Verhandlung zeigte sich, wie verhärtet die Fronten waren. Allesch stellte Fragen, hörte sich die einzelnen Positionen an. Er stellte aber auch gegenüber dem Kläger klar: "Ihre Position ist nicht rosig, auch wenn Sie Bayern München wären, sähe es nicht anders aus!"

Er ließ sich vom Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Stefan Kollerer und dem Vorstandsmitglied des DJK Zeyern, Martin Engelhardt, andere Lösungsvorschläge präsentieren, beispielsweise dahingehend, den Damm an der B 173 tieferzulegen und auf eine dritte Spur zu verzichten. Der Sportplatz hätte nicht verlegt werden sollen.

Kollerer beklagte zudem die nicht geklärte Zufahrt. Er berichtete von zwei Vorgesprächen nach dem Planfeststellungsbeschluss und einem Angebot, das keine Parkplätze und keine Zufahrt beinhaltete. Auf das Gegenangebot sei nicht reagiert worden, sondern der DJK erhielt die Kündigung des Pachtvertrags.


"Hoch geschraubte Ansprüche"

"Ich habe sowas noch nie erlebt", flüsterte der Leiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg, Servicestelle Kronach, Jürgen Woll. Er erklärte gegenüber dem Gericht, dass einige Gespräche stattfanden, in denen keine Einigung wegen "zu hoch geschraubter Ansprüche" seitens der Kläger erzielt werden konnte. "Wir können keine Allianz-Arena finanzieren!" (Anmerkung: Die Verein sollte einen neuen Sportplatz, Verpflegungsstation, Umkleidekabine im Gesamtwert von etwa 300.000 Euro erhalten)

Allesch wies darauf hin, dass zu einem Sportplatz auch ein Sportheim in unmittelbarer Nähe gehöre. Das gehöre zur Existenz des Vereins. Die Leute wollen nicht einen Kilometer von Sportplatz zum Sportheim fahren oder laufen, sondern "am liebsten mit dem Auto in die Haustür hineinfahren!"

Er fragte den Bürgermeister, ob denn das bestehende Sportheim keine andere Verwendung finden könnte. Denn, so Allesch, "das Sportheim ist der Knackpunkt!". Er schlug einen Vergleich vor, nämlich dahingehend, dass der DJK/SV Zeyern auch mit Sportheim und Parkplätzen abgefunden wird. Er wies zudem auf die Dringlichkeit des Verfahrens hin.

"Wir bewegen uns im Kreis, wir kommen auf dieser Basis nicht weiter", so der Oberlandesanwalt Anton Meyer, der die Interessen des Staatlichen Bauamtes vertrat. Die Positionen seien nicht vereinbar. Zudem vertrat er die Meinung, dass Diskussionen um die Existenz des Sportvereins Themenfelder eines Entschädigungsverfahrens seien.

Letztendlich wurde das Urteil mit Freude aufgenommen. Strahlende Gesichter bei den Zuhörern. "Wir haben es nicht anders erwartet", so Marianne Witton von der Regierung von Oberfranken.


"Ich fühl micht gut"

"Ich fühl mich gut!", freute sich Bürgermeister Norbert Gräbner. Er zeigte sich sehr dankbar gegenüber dem Verwaltungsgericht über das schnelle Urteil. "Somit ist Baurecht da!" Es könne - unabhängig vom Zivilverfahren des Vereins gegen die Kündigung des Pachtvertrages und einem möglichen Entschädigungsverfahren - mit dem Bau begonnen werden. Und das sei wichtig, denn die Mittel für die Ortsumgehung stünden im Investitionsprogramm des Bundesverkehrswegeplanes nur bis 2015 zur Verfügung.

Der Baubeginn hängt nun auch davon ab, ob die Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision Einspruch erheben, meint Baudirektor Uwe Zeuschel.

"Und das wird nun geprüft", beantwortete Rechtsanwalt Kollerer diese Frage. Bis zum Fristablauf - nämlich einen Monat nach Zustellung des Urteils - muss die Entscheidung gefallen sein. Auch wenn jetzt die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss erfolglos war, habe er doch viele Hinweise mitnehmen können, was ein Entschädigungsverfahren betrifft.

Dieses hat Aussicht auf Erfolgt, da der Sportverein auf dem bestehenden Spielfeld ein 99-jähriges Erbbaurecht genießt. Hier sind die Eigentümer das Straßenbauamt und die Kirche. Anmerkung: Die Gemeinde hatte den Pachtvertrag von ihrer Fläche dem Sportverein im vergangenen Jahr gekündigt und diese dem Straßenbauamt übergeben.

Er hoffe nun, dass die Frage der Entschädigung in einer außergerichtlichen Entschädigungsverfahren beim Landratsamt in Kronach geklärt werde. Sollte keine zufriedenstellende Einigung zustande kommen, geht es weiter bis vor das höchste Bayerische Gericht. Denn laut Bayerischen Enteignungsgesetz sind die Erfolgschancen gut. Und dann wird wieder das Urteil von Erwin Allesch gefragt sein.

Kollerer stellte auch klar, "wir wären mit dem Vorschlag vom Vorsitzenden Allesch einverstanden gewesen!".