Musik ist grenzenlos. Um gemeinsam zu musizieren, braucht man keine Sprachkenntnisse, es funktioniert trotzdem. Diese Erfahrung machte wieder einmal Antje Lotz. Sie hat das dreitägige Frühinstrumental-Symposium bereits zum dritten Mal organisiert. "Ich freue mich, dass die Resonanz so überwältigend ist. Das macht wirklich Mut und Freude", sagt Antje Lotz lachend und vergisst für einen Moment den ganzen Stress.

Denn meistens schaut sie in der Mittagspause bei Helmut Backer in der Herberge auf der Festung nur mal kurz auf einen Teller Suppe vorbei oder sie verzichtet in den drei Tagen ganz auf ein warmes Mittagessen, weil noch so viel zu organisieren und zu besprechen ist. Antje Lotz hat selbst Oboe an der Musikhochschule Münster studiert. Seit vielen Jahren bildet die Frühinstrumentalpädagogik den Schwerpunkt ihrer Arbeit. Und deshalb hat sie auch mit dem erst kürzlich verstorbenen Instrumentenbauer Guntram Wolf an Verbesserungen und Weiterentwicklungen der Kinderoboe gearbeitet. Für Antje Lotz ist das frühkindliche Symposium "Große Harmonie für kleine Leute" ein Herzensanliegen. Mit viel Akribie und Enthusiasmus hat sie das Symposium aus der Taufe gehoben. Und von Jahr zu Jahr erfreut es sich in Holzbläserkreisen größerer Beliebtheit.

Neidisch auf die deutschen Instrumente

Vertreten sind inzwischen Lehrer und Interessierte aus der halben Welt. Die Kleinen studieren das Werk fürs Abschlusskonzert ein, die Großen bilden sich bei Seminaren, Vorträgen und Workshops weiter. Alles parallel.
Lucia Pérez ist Fagottistin und kommt aus Alicante in Spanien. Sie ist ein bisschen neidisch auf die deutschen Instrumente. Denn Kinderinstrumente, wie sie in Deutschland bereits seit vielen Jahren den Einstieg erleichtern, sind in Spanien noch nicht verbreitet. Das bestätigt auch ihr ebenfalls spanischer Kollege Vincente Gomez aus Valencia. Er ist Oboist und ist total begeistert von den Tigerinstrumenten des Instrumentenbauers Wolf.

"Wir sind die ersten, die auf den Tigerinstrumenten spielen", sagt indes Marion Walker, eine Australierin, die aber in Norwegen Oboe lehrt. Sie ist mit vier Kindern angereist. Nathalia Quiraga Drange (13) spielt seit fünf Jahren auf einer gestreiften Tiger-Oboe und Maria Wessmann (10) ist seit zwei Jahren ein begeisterter Oboen-Fan. Beide sind total begeistert, auch vom Ambiente auf der Festung. "Das ist lustig", finden beide und es macht ihnen nicht viel aus, dass sie nicht so gut deutsch verstehen. Denn spätestens bei der Musik ist alles wieder klar.
"Für mich ist es schwer, wenn erst Viertel kommen und dann plötzlich Achtel", findet Nils Carstensen (8). Nils ist aus Nürnberg angereist, mit einem kleinen Fagott. "Ja, Fagott ist schon ein bisschen schwer", findet er. Aber er spielt bereits seit zwei Jahren.

Die Mädchen aus der Schweiz

"Ich komme immer wieder", indes ist Maja Jordan (10) ganz begeistert. Maja ist aus Luzern in der Schweiz angereist. Sie ist eine begeisterte Klarinettistin und spielt schon sechs Jahre. Mit zehn Jahren kann sie die Reise schon alleine machen. Denn noch drei andere Mädchen aus der Schweiz sind beim Symposium dabei - und die Mädels verstehen sich bestens. "Ich spiele schon im siebten Jahr Klarinette", berichtet Marina Polli (11), ebenfalls aus Luzern. "Mir gefällt die Musik. Da ist ein Käpt'n Eisbär dabei und der ist so langsam", berichtet Marina und singt auch gleich vor, wie das Eisbär-Thema geht. Ein Ohrwurm, der die Kinder mitreißt und den Erwachsenen Spaß macht. Besonders gut gefällt der Elfjährigen, dass alle bei dem eigens für das Symposium komponierten Werk mitspielen können. Auch die beiden Schweizer Mädels spielen unterschiedliche Stimmen.

Die Bläserbande im Zoo

Das Werk, das die Kinder beim Symposium einstudiert haben, stammt von Helga Warner-Buhmlann. Sie unterrichtet Fagott an den Musikschulen von Bremen und Verden und konzipiert und organisiert regelmäßig Kinderkonzerte. Für das Symposium hat sie das Stück geschrieben "Die Bläserbande macht einen Ausflug in den Zoo". Dieses Werk hat bis zu zwölf unterschiedliche Stimmen - und ist für alle Schwierigkeitsgrade komponiert. In Kronach wurde das Werk übrigens welt-uraufgeführt.

Auch Maria Eberl (15) ist mit von der Partie. "Ich spiele Oboe und habe Unterricht bei Antja Lotz, ich helfe aus", berichtet Maria Eberl. Täglich übt sie mindestens zwei Stunden auf ihrem Instrument, manchmal vier, erzählt sie. Aber immerhin hat sie den musischen Zweig und hat Ambitionen, auch wirklich gut zu spielen.

Das Instrument klingt träumerisch

Von so viel Können indes kann Anna Brehm (6) nur träumen. Sie spielt erst seit ein paar Wochen Oboe. "Das macht mir richtig Spaß", findet die Erstklässlerin und ist nur dabei, weil sie schon ganz ansehnlich Klavier spielt.
Und Antonia Apollonia Greifenstein (8) aus Nürnberg hat ebenfalls neuerdings mit Oboe angefangen. "Das Instrument klingt so süß, so träumerisch", findet sie. Doch Antonia ist musikalisch ein Multitalent. Sie spielt bereits Sopran- und Altblockflöte, Querflöte und Ukulele, Klavier und Schlagzeug. Und wenn kein Instrument zur Hand ist, singt sie auch gerne mal. "Das macht doch einfach Spaß, mit anderen Musik zu machen", sagt Antonia und verrät, dass sie gerade eine kleine Panne hatte: Denn auch das letzte Oboenröhrchen hat einen Riss bekommen. Das passiert - ist eine ganz normale Verschleißerscheinung. Aber das kann Antonia Apollonia Greifenstein sicherlich nicht am konzertieren hindern, denn Ersatzröhrchen gibt es beim Symposium für Holzbläser mehr als genug. Und Erste Hilfe in solchen Angelegenheiten ist bei den Holzbläsern natürlich Ehrensache.