Sie haben längst in den "Kerwamodus" geschaltet, die beiden "Vorständinnen" der Kerwagesellschaft Nordhalben. "On fire", sind sie, aufgeregt, aber vor allem glücklich, bestätigt die 25-jährige Julia Schnura. Sie und ihre Freundin Aileen-Vic Hönisch (23) haben das Zepter fest in der Hand. Vom 27. September bis 1. Oktober feiern sie mit ganz Nordhalben die "Kerwa der Generationen". Bereits zum 5. Mal jährt sich jetzt dieses Fest und Initiator Kevin Wunder zieht schon mal Erfolgsbilanz.

"Dabei hat alles eigentlich mit drei kleinen Worten und einer verrückten Idee angefangen", erinnert er sich. Julia Schnura fällt dabei sofort in den "Kerwa-Erzählmodus": "Wir saßen mit ein paar Freunden vom Spielmannszug in einer Kneipe, es war gerade Kirchweih und tote Hose," erinnert sie sich mit glänzenden Augen. "Däs dou nix is, is fei beschissen. Su ko des nije weitegeh. Die müssn doch wos mach." Worauf Kevin Wunder die Worte sprach, die den Anfang einer "neuen Kerwageneration" einläuten sollten: "Die, des seid fei ihr."

Ärmel hochgekrempelt

Also haben er und ein paar vor allem junge Nordhalbener die Ärmel hochgekrempelt und eine Tradition gegründet, die erst noch eine werden möchte, aber schon jetzt ein Erfolgsknüller ist. "Kerwa 2.0" - oder auch die "Neue Nordhalbener Kerwa" - sei bunt, jung und reiße alle und jeden mit. Auch Aileen-Vic Hönisch ist als "reigschlaafta Dortmundera" schon längst vom Kerwavirus infiziert und trifft als Zweite Vorsitzende alle Entscheidungen mit. Sie ist überzeugt vom gemeinsamen Konzept. Und das beziehe sich in diesem Jahr nicht mehr auf die Kerwa allein, sondern auch auf das Lichtprojekt "Nordhalben leuchtet". "Wir beleuchten das ehemalige Polizeigebäude, die alte Daums-Bäckerei, das Schaufenster der Kerwagesellschaft und das Maxhaus."

"Jetzt ist sie fast ein Selbstläufer, aber anfangs gab es schon Widerstand. Ich wollte die Kirchweih wieder in den Ort holen, sie zu den Menschen bringen, weil sie quasi in die Nordwaldhalle ausgelagert war, und die paar Wirtshäuser, die wir noch haben, mit einbinden." Kevin Wunder hat das Zepter zwar mittlerweile weitergereicht, engagiert sich aber immer noch für "sein Baby." Dass dieses "Baby" schon laufen gelernt hat, beweisen die zahlreichen Besucher, beispielsweise am Wirtshaussingen.

Kinder lernen Heimatlied

Julia Schnura: "Ich werde schon Wochen vorher angerufen, ob man im Haus des Gastes keine Plätze reservieren könne, aber das geht leider nicht. Der Andrang ist phänomenal." Und die Erfolgsstory geht weiter. "In der Schule lernen die Kinder wieder das Nordhalbener Heimatlied, damit sie es an der Kerwa singen können," freut sich Kevin Wunder.

Insgesamt 85 Kerwamaala und Kerwabumm haben sich während dieser fünf Jahre schon gefunden, um aus diesem Fest ein unvergessliches Ereignis zu machen. Sie tanzen jedes Jahr einen neuen Tanz, choreografiert von Anika Daum. Julia Schnura: "Wir tragen dabei Dirndl und Lederhose, weil das halt einfach passt." Und was gehört sonst noch zu einer "Kerwa 2.0"? "Die Kids tragen T-Shirts mit "I love Kerwa", ein Marktschreier feuert die Menge an, wir haben einen Klöppel, den wir zu Beginn abwickeln und am Ende wieder aufwickeln. Außerdem ist selbst unsere Kirchenparade ein Renner. Der Pfarrer freut sich über ein volles Haus und verteilt immer einen Extra-Schuss Weihrauch. Und für die Kids gibt's am Sonntag eine zusätzliche Überraschung." Die beiden Vorsitzenden haben schon jetzt glänzende Augen und selbst Kevin Wunder, der mittlerweile in Wurzbach wohnt, zieht für die Dauer der Kerwa wieder in sein Elternhaus nach Nordhalben.

"Man kann es einfach nicht erklären", meint Julia Schnura und versucht es dann doch. "An diesen Tagen ist es egal, ob dich dein Freund verlassen hat oder du ganz andere Sorgen hast. Du wirst einfach mitgerissen."