Nahezu Kultstatus besitzen die Kellbiche Büttenabende. Heuer ging es für die Besucher in das Reich von 1001 Nacht. Die Belohnung für das "magische" Programm: drei Mal volles Haus - und eine Stimmung, wie es sie eben nur in der kleinen Faschingshochburg gibt. Verantwortlich für diese "Wahnsinns-Stimmung" zeichnete Kehlbachs närrische Elite, die bei der 17. Ausgabe ein viereinhalbstündiges knallbuntes Feuerwerk der Heiterkeit entfachte.

Durch das Programm führte erneut der Präsident des Kehlbacher Faschingsclubs (KFC), Michael Bänsch, der heuer als Sultan in Erscheinung trat. Ihm zur Seite standen seine Haremsdamen des Elferrats wie auch das diesjährige Prinzenpaar, Prinzessin Katja I. und Prinz Kay I., die hoheitliche Begrüßungsworte für ihre Untertanen fanden: "Heut wird geschunkelt und gelacht, jeder Blödsinn mit gemacht" - Eine Aufforderung, die sich das nahezu ausnahmslos phantasievoll maskierte Publikum offensichtlich zu Herzen nahm.


Närrisches und Pikantes

Berühmt-berüchtigt ist das närrische Spektakel gerade auch für seine nicht immer ganz jugendfreien Sketche, die auch heuer allerhand pikante Hindernisse im Alltagsgeschehen oder in zwischenmenschlichen Beziehungen aufdeckten. Wie es beim letzten Flug der pleite gegangenen Air Berlin zuging - das zeigten die Stewardess Heike Welscher mit den drei Passagierinnen Andrea Kraus, Anja Welscher und Manuela Neubauer. Ein Triebwerk nach dem anderen fiel aus und Roswitha (Anja Welscher) wurde es vom Essen so schlecht, dass sie nach dem Genuss desselbigen fast das Zeitliche gesegnet hätte.

Einen seltenen Fund machten die "phantastischen Vier", die eigentlich nur drei sind: Jörg Löffler, Christian Kraus und Michael Wich. Das Trio sinnierte, ob es sich beim Relikt alter Tage tatsächlich um die Jesus-Tagebücher handeln könnte. Aber auch Aktuelles ließ sie ins Grübeln kommen, nämlich die sich hinziehende Fertigstellung des neuen Freizeit- und Tourismuszentrums in Steinbach. Dies dauere so lange, dass die Chinesen in dieser Zeit Hamburg, Berlin und München nachgebaut hätten - in der Hälfte der Zeit und mit der Hälfte vom Geld. Es liefen schon Wetten, was eher fertiggestellt werde: Das FTZ oder der Berliner Flughafen. Jörg erzählte seinen Kumpels, dass sich der neue Landrat Klaus Löffler verwählt habe und bei ihm rausgekommen sei. "Ist nicht so schlimm, Klaus", habe er gemeint, "ich hab mich auch verwählt."


Was mit Rotkäppchen wirklich geschah

Ein echter Knaller war die recht eigenwillige Version des Märchens Rotkäppchen. Schonungslos schilderte der Erzähler Christian Kraus zusammen mit weiteren Kellbicher Burschen, was sich damals im Wald tatsächlich ereignete.

Märchenhaft zu ging es auch bei den bezaubernden Dschinnies (Liane Vetter, Michaela Lüttke und Silke Neubauer), die ihrem Ärger über ihre Meister gewaltig Luft machten. Michaelas Meister (Werner Vetter) hatte gar ihre Orientflasche zerstört, so dass sie nun in einem Bocksbeutel gefangen war - und das alles nur, um mit seiner Sekretärin (Marion Büttner) rumzumachen.


Der kleine Trottel

Aber auch die anderen hatten so ihre Probleme mit den Männern. Einer wollte nur noch platonisch lieben. Was das ist? Keine Ahnung! "Aber ich wasche mich mal vorsorglich vorne und hinten", versicherte sie. Ein anderer Meister wiederum sei jetzt im Bums-Alter - hinein ins Bett und bums ist er eingeschlafen! Viel gemeinsam hätten aber alle Männer im Alter von 17 bis 70 Jahren mit Amerika: Sie werden von "ann klann Trottel" regiert!

Die Stimmung auf den Siedepunkt brachten die Musik- und Tanzauftritte - so eingangs die oft kopierte, aber nie erreichte Blitz- und Funkengarde mit ihrem hinreißenden Tanzmariechen Lena Löffler. "Sie ist die Eine, die Hektar hat. Die Liebe vergeht, der Hektar: der steht", sangen die standesgemäß mit Traktoren anfahrenden "Kellbicher Lausboum" frei nach dem Hit "Die immer lacht".

Nicht mehr auf ihren Plätzen hielt es die Besucher, als der Musikverein Kehlbach, der die Büttenabende stimmungsvoll begleitete, die Hymnen an die Liebe zur Musik "Wir Musikanten" und "Böhmischer Traum" zum Besten gab.


Harems-Tänzerinnen und Prinzen

Mitreißend waren auch die Tänze der "Red Hot Chili Girls" sowie der "Freaky Five", die ihrem Namen alle Ehre machten. Dem Motto der Büttenabende entsprechend, traten die "Dancing Divas" heuer als Harems-Tänzerinnen in Erscheinung. Die schwarz und weiß gekleidete Prinzen-Elite sorgte bei ihrem Strumpfhosen-Tanz für reichlich Verwirrung, als sie ihre Beine schwangen.

Einen wahrhaft atemberaubenden Auftritt legten die feschen Piloten der US-Luftmarine in ihren schmucken grünen Overalls hin - sowohl tänzerisch als auch optische eine echte Augenweide! Sie bildeten dann auch den krönenden Abschluss der viereinhalbstündigen Supergaudi, bei der sich zum Finale noch einmal alle Akteure auf der Bühne zusammenfanden. Danach war aber noch lange nicht Schluss, sondern es wurde weiter gefeiert und getanzt.