Mit einem leisen Zischen gleitet das rund drei Meter hohe weiße Tor scheinbar mühelos zur Seite. Doch zum Vorschein kommt lediglich ein milchiger plastikartiger Vorhang aus handbreiten Streifen. Fast so wie der Eingang in die Tropenwelt eines Zoos. Feuchte Luft schlägt Alexander Weigelt allerdings nicht entgegen - im Gegenteil. "Das ist unser Tiefkühllager", sagt der 48-Jährige dessen Atemluft gleich als Nebelfahne sichtbar wird. Bei Minus 22 Grad warten hinter dem kalten Vorhang Speiseeis oder tiefgefrorene Lebensmittel darauf, per Lastwagen in die Gastronomie gebracht zu werden.

Seit 30 Jahren arbeitet Weigelt für bereits den Großhandel Blumenröther im Lager, das er inzwischen leitet - und in dem das Wort Hitzefrei ein Fremdwort sein dürfte. In jedem der vier Lager herrschen unterschiedliche Temperaturen. Zwei Grad für Fleisch, sechs Grad für Molkereiprodukte und 16 Grad im Trockenlager. Typische Arbeitskleidung: Arbeitshose, Kittel, Fleecejacke. "Wir haben auch Thermo-Jacken, die bis Minus 40 Grad aushalten", erklärt Weigelt. Die werden nötig, wenn es für mehr als nur ein paar Minuten ins Tiefkühllager geht, immerhin ist es dort noch einmal vier Grad kälter als in einem handelsüblichen Gefrierschrank, dessen Temperaturanzeige meist auf Minus 18 Grad steht.


"Das ist, als wenn einem jemand mit dem Hammer auf den Kopf haut"

Wärmer als die 16 Grad des Trockenlagers wird es im Lagerbereich nicht. Klingt bei den derzeit herrschenden Temperaturen, die das Thermometer auf über 30 Grad treiben, eigentlich nach traumhaften Arbeitsbedingungen. "Die Leute denken meist, dass das so beneidenswert ist", sagt Weigelt und lacht. Doch ganz so sei es dann doch nicht. Denn die kühlen Temperaturen können auch ihre Tücken haben.

Je heißer es draußen ist, desto gefährlicher könne es werden. "Das macht dann der Kreislauf nicht mit", erklärt Juniorchef Tobias Blumenröther. Das Problem sei dabei der schnelle Wechsel von Kalt zu Warm; etwa die Fahrt mit dem Gabelstabler nach längerer Arbeit im Tiefkühllager hinaus auf den Hof, wo die Sonne vom Himmel knallt. "Das ist, als wenn einem jemand mit dem Hammer auf den Kopf haut", meint der Juniorchef.


Keine Vorliebe für Temperaturen

Doch solche Situationen kommen kaum noch vor, sagt Weigelt. Seit dem Umzug in den neu gebauten Firmensitz im Februar sei der Arbeitsalltag leichter und besser geworden. Im alten Betriebsgebäude hingegen seien krasse Temperaturwechsel noch häufiger vorgekommen. "Wenn man ständig drinnen ist, ist es ganz angenehm", so Weigelt.

Muss man für einen solchen Job eigentlich die Kälte mögen? "Ich habe mit ihr kein Problem, aber ich kann mich auch stundenlang in die pralle Sonne legen", sagt der 48-Jährige. Eine Vorliebe habe er da nicht. Was er hingegen weniger mag, sind Tage, an denen die Füße oder Hände einfach nicht warm werden wollen - selbst wenn die Schuhe aus einem Schrank kommen, der nassgewordene Kleidung trocknet und wärmt. "Da läuft man dann den ganzen Tag mit einer Gänsehaut rum."