Überall stehen Männer in Uniform. Musketen werden abgefeurt, dreimal. Ihr lauter Knall halt vom Kessel, den die Stadtpfarrkirche mit den angrenzenden Gebäuden bildet, durch die ganze Obere Stadt. Dann ein Donnerschlag: Ein 50-Millimeter-Geschütz speit Rauch und Feuer über den Melchior-Otto-Platz.
Was hier geschieht ist jedoch keine Belagerung der Cranach-Stadt, sondern eine Ehrenbezeugung. Vor 360 Jahren, am 10. Januar 1652, hatten sich die Vertreter Kronachs nach Bamberg begeben, wo sie für ihre Tapferkeit von Fürstbischof Melchior Otto reichlich belohnt wurden. Für ihre Leistungen bei der Verteidigung der Stadt, erhielten sie unter anderem ein neues Stadtwappen, wie Stadtvogt Hans Götz berichtet. Seither gedenken die Kronacher ihres Gönners Melchior Otto.

Besondere Bedeutung


Auch wenn die Salutschützen bei vielen Veranstaltungen mit historischem Flair die Farben der Stadt Kronach repräsentieren, so ist der Melchior-Otto-Tag auf Grund seiner historischen Wurzeln für sie doch etwas Besonderes. "Wir waren immer die Bastion der Katholiken zwischen lauter evangelischen Gebieten", erinnert Kanonier Markus Fischer-Weiß bei der Vorbereitung des Bürgerwehr- Geschützes an die Bedeutung der Stadt in der Vergangenheit. Diese geschichtlichen Ereignisse wollen die Bürgerwehr und die Cronacher Ausschuss Compagnie auch durch Auftritte wie am Melchior-Otto-Tag am Leben erhalten.
Die nachgebaute Kanone der Bürgerwehr wirkt auf den ersten Blick wegen ihrer Größe eher unspektakulär, ihrer Wirkung tut das aber keinen Abbruch. Es zeigt sich schnell, warum die Kronacher zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges einen guten Ruf als Waffenbauer genossen haben. "Dieses Geschütz ist klein, damit man es auf den Mauern gut bewegen konnte", erklärt Fischer-Weiß, der eigens einen Erlaubnisschein erwerben musste, um die Böllerschüsse abfeuern zu dürfen. "Kronach war im Kanonenbau früher bekannt - quasi Marktführer", fährt er fort.
So habe die Stadt zu einer Zeit über Kanonen verfügt, die von der Festung bis zum Kreuzberg schießen konnten, als andere von einer solchen Reichweite noch nicht zu träumen gewagt hätten. Wegen der strategischen Lage der Stadt, sei diese militärische Entwicklung nötig gewesen.

125 Gramm Schwarzpulver


Insgesamt 125 Gramm Schwarzpulver laden Fischer-Weiß und seine "Waffenbrüder" Udo Ohrnberger sowie Johannes und Joseph Ludwig in das Geschütz, ehe sie es mit einem Korken verdichten. Dabei sind sie stets darum bemüht, neugierige Passanten und geparkte Autos aus der Schussbahn zu bekommen. Außerdem müssen sie den Lauf und das Pulver bei Wind und Nieselregen ständig trocken halten. Am Ende lohnen sich die Bemühungen, und die Kirchgänger staunen, als der donnernde Salut über den Melchior-Otto-Platz fegt - zu Ehren eines Mannes, der den Kronachern viel Ehre zuteil werden ließ.