Alleine schon der Anblick ließ jedem Besucher das Herz aufgehen: Sieben Kirchweih-Paare und drei Kellner gaben in ihren Trachten ein schmuckes Bild ab, als sie auf dem Festplatz vor dem Hesselbacher Gemeindehaus den Plantanz mit den drei Pflichttänzen Walzer, Rheinländer und Polka eröffneten - natürlich nicht, ohne vorher noch einmal lautstark ihren Kirchweih-Schlachtruf "Wer hat Kerwa? Wir ham Kerwa!" auszustoßen.

Und dieser Schlachtruf war am Sonntag in Hesselbach oft zu hören - nahezu im ganzen Dorf. So hatten es sich die jungen Burschen nicht nehmen lassen, ihre reizenden Tanzpartnerinnen bei deren Wohnhäusern abzuholen - natürlich "standesgemäß" unter musikalischer Begleitung durch die Hesselbacher Musikanten. Dabei wurde bei jeder "Station" schon das eine oder andere Tänzchen gewagt und auch ein kleiner Umtrunk für die notwendige "Betriebstemperatur" zu sich genommen. Anschließend zog man zum stimmig geschmückten Festplatz, um sich zum Tanz zu formieren.

Pause seit 1959

Das letzte Mal, dass in Hesselbach diese alte Kirchweih-Tradition gepflegt worden war, war im Jahr 1959. Nach über einem halben Jahrhundert Pause fassten sich die Jugendlichen nun ein Herz und nahmen sich dieses Brauchs wieder an. Wochenlang hatten sie sich auf dieses Ereignis vorbereitet und einmal wöchentlich Rheinländer, Polka und Walzer eingeübt. "Unsere Premiere war aber schon beim Dorffest. Beim großen Jubiläumsabend am Freitag anlässlich der ersten urkundlichen Nennung von Hesselbach vor 675 Jahren haben wir schon diese Tänze aufgeführt", erzählen Katja Eidloth und Katharina Schönmüller. Das Ehepaar Heinrich und Andrea Förtsch habe sie auf die Idee gebracht, in Hesselbach wieder einmal einen Plantanz abzuhalten.

Viele helfende Hände

Bei der Organisation haben sie viel Hilfe erhalten - nicht nur von der Familie Förtsch, sondern auch von vielen weiteren Helfern, beispielsweise der Dorfgemeinschaft Hesselbach, dem örtlichen Musikverein und der Feuerwehr bis hin zu den Müttern, die viele Kuchen und Torten gebacken hatten. "Wir hatten viel Unterstützung von vielerlei Seiten, sonst hätten wir das nicht geschafft", sind sie dankbar.

Zu den aufwendigen Vorbereitungen zählten beispielsweise das Besorgen von Moos und der Büsche, die mit rot-weißen Bändern geschmückt wurden. Die Tanzfläche und die Biertischgarnituren mussten aufgebaut werden. Und natürlich galt es, den großen Kirchweih-Baum aufzustellen. Viel Arbeit, die sich aber - da sind sie sich einig - gelohnt hat. "Wir hätten nie gedacht, dass heute so viele Leute kommen. Die Sitzbänke sind alle voll Das ist schon toll", strahlen die beiden, denen der Erhalt und die Pflege von Brauchtum und Tradition, aber auch die Geselligkeit und der Zusammenhalt in ihrem Heimatort wichtig sind.

"Es war halt immer so, dass die Leute nach dem Standkonzert der Hesselbacher Musikanten am Sonntagnachmittag wieder nach Hause gegangen sind. Jetzt bleiben sie bei der Kirchweih zusammen, das ist doch schön", meint Katharina. Ob im kommenden Jahr wieder ein Plantanz stattfindet, wissen die Beteiligten noch nicht. Eventuell will man im jährlichen Wechsel das Standkonzert der Musikanten und den Plantanz abhalten. Die Gäste waren durchwegs begeistert vom Engagement der Jugendlichen und konnten es kaum erwarten, bis der "Plan" für alle Kirchweihbesucher zum Tanz freigegeben wurde.