Große Ereignisse werfen sprichwörtlich ihre Schatten voraus. Im Fall der Festung Rosenberg war es stattdessen Asphalt, der im Spätsommer vergangenen Jahres weitreichende Veränderungen ankündigte: Der neu angelegte Parkplatz im äußeren Wallgraben war der Anfang umfangreicher Baumaßnahmen, die in diesem und in den nächsten Jahren das Kronacher Wahrzeichen barrierefreier gestalten sollen.

Das Erscheinungsbild sorgte bereits im vergangenen Jahr für Gesprächsstoff (wir berichteten). Doch inzwischen ist - wortwörtlich - etwas Gras über die Sache gewachsen. "Auch, wenn die Art der Gestaltung des Parkplatzes nicht jedem gefallen mag, erfüllt er doch seinen Zweck, nämlich Mitbürgern, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, überhaupt erst einen Besuch der Festung möglich zu machen", sagte Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) im Rahmen der Jahresabschlusssitzung des Stadtrates.

Zweiter Eingang kommt im Mai

Der einzige Weg zur Festung führt derzeit noch über das Haupttor am Ende einer steilen, holprigen Auffahrt - für ältere oder gehbehinderte Menschen schwer bis gar nicht zu überwinden. "Derzeit handhaben wir es so, dass Menschen mit einer Behinderung bis zur Festung hoch fahren können. Dazu öffnen wir die Schranke vor der Auffahrt", erklärt Kerstin Löw, Leiterin der Kronacher Tourist-Info.

Mit dem neuen Parkplatz im äußeren Wallgraben können Besucher bereits direkt an der Festung parken. Einen Zugang ins Festungsinnere gibt es von dort aus aber noch nicht.

Das soll sich Anfang Mai ändern. Die Stadt macht sich dabei einen bereits schon einmal vorhandenen Durchbruch zunutze. "Die reine Bauzeit für diese erneute Öffnung beträgt in etwa ein bis zwei Wochen", erläutert Kronachs Stadtplaner Daniel Gerber.

Der Durchbruch stammt aus der Zeit des Dritten Reichs. Damals wurden Bereiche der Festung zu Rüstungszwecken umgebaut. "Der Eingang sollte als Verbindung zwischen verschiedenen Fertigungsstätten für sogenannte ,Wunderwaffen‘ dienen. Das Kriegsende kam allerdings - zum Glück - der "Nutzungsaufnahme" zuvor", erklärt Gerber. Weil der militärische Zweck nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben war, wurde die Öffnung wieder geschlossen und die Bastionsmauer wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt. Nun findet er doch noch eine Verwendung.

Ist der Durchbruch wieder geöffnet, wird das angrenzende Gewölbe, die Kasematte in der Bastion St. Philipp, ausgebaut: ein neuer Bodenbelag, Beleuchtung, Tore und Fahrradständer. Außerdem sollen entlang des Weges Exponate ausgestellt werden. "Die Bauzeit dürfte sich bis in den Sommer/Frühherbst erstrecken", schätzt der Stadtplaner.

Winterquartier für Fledermäuse

Länger darf der Ausbau auch nicht dauern, denn bei der Kasematte handelt sich um ein Winterquartier für Fledermäuse. "Deshalb steht uns zur Abwicklung der Maßnahmen, nach den Vorgaben der Naturschutzbehörde, nur ein Zeitfenster von Anfang Mai bis Ende September zur Verfügung." Steht der Zugang, werden noch Lampen entlang des Weges installiert. Die Planung und Umsetzung findet in Zusammenarbeit zwischen der städtischen Bauabteilung, dem städtischen Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb, dem staatlichen Hochbauamt Bamberg (Dienststelle Coburg) und dem Kronacher Architekturbüro Müller statt.

Der neue Zugang bekommt ein Gittertor, das tagsüber von Hand - auch von Rollstuhlfahrern - geöffnet werden kann. "Während der Nacht oder zu besonderen Zeiten, in denen kein Besucherverkehr über den Kugelgarten gewünscht ist, zum Beispiel während der Festspielzeit, kann der Zugang von außen geschlossen werden", erklärt Gerber. Ein Ausgang nach draußen in Richtung Parkplatz soll aber jederzeit möglich sein. Hotelgäste, Gäste der Regimentsstube und des Zeughauses, sowie die Leitung der "Bastion Marie" erhalten über einen Transponder Zugang.

Der Weg durch den Kugelgarten wird - analog zu den bereits bestehenden Wegen - nicht asphaltiert. Stattdessen wird eine Art Schotterbelag aufgetragen. "Die Hotelgäste begeben sich zunächst über den südlichen mittleren Graben, vorbei an Cafeteria, Artilleriekaserne und Haupttor, den Zeughaushof und wahlweise über die kleine Holztreppe oder - stufenlos - über die sogenannte Reitbahn im inneren Graben in Richtung Jufa-Hotel", erklärt Gerber.

Eine Alternative über den nördlichen mittleren Graben sowie durch die Hennebergsche Futtermauer müsse noch im Detail geplant und könnte ohnehin aus Kostengründen nicht im aktuellen Mehrjahres-Förderprogramm (2019-2021), sondern erst ab dem Jahr 2022 realisiert werden. Die finanziellen Mittel fließen aus verschiedenen Töpfen: Bund, Freistaat Bayern, Denkmalpflege, Städtebauförderung, Oberfrankenstiftung und Landkreis Kronach.

Die verschiedenen Baumaßnahmen können laut dem Stadtplaner nicht parallel umgesetzt werden, da das Hotel und die Veranstaltungsräume sonst nicht mehr erreichbar wären. Außerdem konnten die Umbauten nicht in Gänze im aktuellen Förderprogramm untergebracht werden. Die Umbauten in der Kasematte und im Kugelgarten sind für 2020 vorgesehen. Alleine die Kosten für diese belaufen sich voraussichtlich auf 300 000 Euro. Die Kosten der späteren Maßnahmen für die barrierefreie Wegeführung sind noch nicht ermittelt.

Asphalt soll sich optisch einfügen

Bürger wie Jürgen Jakob, die die Festung bereits seit Kindertagen kennen, befürchten, dass die Festung durch die Baumaßnahmen optisch an Charakter verliert. Der Stadtplaner betont jedoch, dass man in Abstimmung mit der Denkmalpflege, bemüht ist, dass sich die Maßnahmen in die historische Bausubstanz einfügen. "Wo es sich nicht vermeiden lässt, wird allerdings auch ehrlich, aber in Material - und Farbwahl - möglichst zurückhaltend gezeigt, dass es sich um neuzeitliche Einbauten handelt", so Gerber.

Das holprige Pflaster im Bereich der Auffahrt zum Festungstor ist laut dem Stadtplaner ebenfalls sanierungsbedürftig. "Wir werden dort aber erst eine Sanierung angehen, wenn sich abzeichnet, dass keine solch häufige Verkehrsfrequenz von Firmen- oder gar Baufahrzeugen mehr besteht." Wann dies genau sein wird, lasse sich heute noch nicht genau festlegen.