"Der Schuldenhöchststand von 2005 konnte in den letzten zwölf Jahren praktisch halbiert werden", erklärte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) gestern in seinem Rückblick. Dass die Stadt nun "finanziell auf Rosen gebettet" sei, bedeute dies allerdings nicht. Ein sparsames Haushalten und einen gezielten Einsatz der Mittel strebe man weiter an. "Dass ein erheblicher Investitionsstau besteht, ist unbestritten", so der Bürgermeister. Dazu zählte er den Nachholbedarf in Sachen Barrierefreiheit und einen dringenden Handlungsbedarf bei den Ortsstraßen.

Vielerorts seien bereits Maßnahmen durchgeführt worden. Wo ein kompletter Ausbau nötig wäre, sei das jedoch zu teuer - vor allem für die Anwohner. Damit nahm Beiergrößlein die Diskussionen um die Straßenausbaubeitragssatzung (der FT berichtete) auf. Sein Ziel sei, eine für die Bürger gerechtere Lösung zu finden.

Ein Thema, das den Stadtrat weiter beschäftigen werde, sei die Verkehrsinfrastruktur der B 173. Trotz kleiner Fortschritte und Triumphe, müsse Kronach möglicherweise noch 15 bis 20 Jahre auf den Autobahnanschluss warten. "Das ist einfach zu spät", sagte Beiergrößlein und bat Politik und Wirtschaft um Unterstützung.


Von Erfolgen und Rückschlägen

Erfolgsgeschichten habe man 2017 auch schreiben können. Mit dem Neubau des Feuerwehrzentrums liege man im Plan. Auch dem Voranschreiten des Breitbandausbaus stellte der Bürgermeister eine positive Prognose. Neue Projekte, wie das Demografie-Kompetenzzentrum, sowie die positive Entwicklung im Handel mit dem Aufschwung des Gewerbegebiets Fröschbrunn kamen zur Sprache. Auch der Diskussion über einen möglichen Nationalpark konnte der Bürgermeister Positives abgewinnen. Sie habe gezeigt, dass den Menschen ihre Region am Herzen liegt. Er hofft, dass man diese Energie nun nutzt, um gemeinsam Konzepte zu entwickeln.

Rückschläge hatte Kronach ebenfalls zu bewältigen. Abschied nehmen musste man vom langjährigen Stadtwerke-Leiter Peter Maaß und von Altbürgermeister Baptist Hempfling, den Beiergrößlein als "Architekten des modernen Kronach" würdigte.

Die Schließung der Sparkassen-Geschäftsstelle in Neuses und das Aus für die Außenstelle des Amts für Landwirtschaft zählten zu den wirtschaftlichen Rückschlägen. "Ich hoffe, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist", sagte Beiergrößlein. Dafür sei der Bildungsstandort Kronach gestärkt aus dem Jahr gegangen: Mit der Montessori-Fachoberschule und dem Umzug der Rennsteig-FOS nach Kronach habe man eine "Bereicherung und attraktive Ergänzung der Schullandschaft" geschaffen.

Auch der "wirtschaftliche Boom" der Region lassen das Stadtoberhaupt positiv in das kommende Jahr blicken. Nun wolle man weiter daran arbeiten, den Standort auch für junge Familien attraktiv zu halten.


Im Jahr 2018 soll es dem Investitionsstau an den Kragen gehen

Egal ob bei CSU, SPD, den Freien Wählern, der Frauenliste oder den Grünen, in einem war man sich beim gestrigen Jahresabschluss des Kronacher Stadtrats mehr als einig: Großen Dank und Respekt zollten alle Mitglieder der Fraktionen und Gruppierungen des Stadtrats dem Geehrten Karl H. Fick für seine Verdienste rund um die Stadt Kronach und den Stadtrat.

Jonas Geissler (CSU) sprach "vom schwarzen zum roten Bruder" und dankte Fick für hitzige Worte und versöhnende Gespräche. Gleichzeitig zog er zur Hälfte der Wahlperiode eine Zwischenbilanz: "Wir haben viel abgearbeitet und sind viel angegangen." Zu den Erfolgen zählte er den Breitbandausbau und wichtige Investitionen in Gesundheit, Betreuung und den Schulstandort Kronach. Was man im kommenden Jahr dringen vermeiden müsse, sei ein Investitionsstau.
Dass Mittel zur Verfügung stehen, die dann nicht abgerufen werden können, kritisierte der Fraktionsvorsitzende der CSU scharf.

Dem schloss sich auch Fraktionsvorsitzender Ralf Völkl (SPD) an. "Der 2017 entstandene Investitionsstau muss konsequent und zielstrebig abgebaut werden", sagte er. An vorderer Stelle stünden dabei für seine Fraktion die großflächige Sanierung der zahlreichen innerörtlichen Straßen und andere große Investitionsprojekte, die schon länger im Haushalt stehen. Als ein Beispiel dafür nannte er den Neubau der Spitalbrücke.


Gemeinsam Lösungen finden

Michael Zwingmann (FW) ließ das ablaufende Jahr ebenfalls Revue passieren und lobte das Miteinander im Stadtratsgremium. Der Fraktionsvorsitzende betonte, wie wichtig es sei, aufeinander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Nach dem massiven Schuldenabbau sehe er den Planungen und möglichen Investitionen im kommenden Jahr positiv entgegen.
"Anpacken, nicht jammern" müsse die Devise lauten, um den Standort vor allem für junge Familien noch attraktiver zu machen. Zukunftsorientierte Investitionen in Infrastruktur und Betreuungsangebote seien dafür notwendig.

Angela Degen (Frauenliste) nahm ihre Ansprache zum Anlass, die vielen Baumfällungen im Stadtgebiet, vor allem rund um die VHS, anzuprangern. Man werde mit Ersatzpflanzungen getröstet, dennoch sei die "ruhige, grüne Lunge" an der Schule zunächst dahin. Positives konnte sie dem Jahr 2017 trotzdem abgewinnen und nannte die Sanierung der Festungsstraße und den Aus- und Umbau der Festungsanlage als erfreuliche Erfolgsprojekte.

Peter Witton (B90/Die Grüne) sprach in seiner Rede drei große Baustellen an, denen man sich im Jahr 2018 widmen müsse. Die Bereitstellung von Wohnraum für Einkommensschwache und anerkannte Flüchtlinge, die Integration Letzterer sowie den besseren Umgang der Politik mit dem Thema "Abschiebung" zählte er dazu.

Als letzten Punkt nannte er die Vorstellung einer "lebens- und liebenswerten Stadt", die er durch fehlende Barrierefreiheit und ein nicht ausreichendes Sicherheitskonzept für Radfahrer im Stadtgebiet bedroht sehe. ald