Mehr als 300 Mitarbeiter mussten schon gehen. Jürgen Apfel, Chef der IG Metall in Coburg, verhandelt seit Monaten mit dem angeschlagenen TV-Gerätehersteller Loewe. "Die Entlassungen waren hart genug", sagt er und setzt seine Hoffnung in den neuen Investor. Die "Restrukturierungsmaßnahmen" sollten nun endlich beendet sein.

Jürgen Apfel ist am wichtigsten, dass der Standort Kronach erhalten bleibt und dass keiner der verbliebenen 650 Mitarbeiter seinen Job verliert. "Loewe soll seine Zusage halten." Welcher Name künftig in Verbindung mit Loewe stehen wird, ist für ihn nebensächlich.


Ein gut gehütetes Geheimnis
Loewe hält den Namen des Investors streng geheim. Ein Unternehmenssprecher erklärt, dass das bei solchen Verhandlungen normal sei. Vielleicht komme noch ein weiterer Investor hinzu. Es gab zwar eine Vereinbarung, dass am Samstag die Frist für mögliche Bewerber ausgelaufen ist, doch die sei nicht verbindlich.
Alle Hoffnung liegt auf einem neuen Investor. Der jetzige Bewerber will jedoch Loewe, aber nicht die Aktiengesellschaft mitsamt den Schulden kaufen. Der Loewe-Sprecher erklärte, dass das bei Unternehmen, die sich im Insolvenzverfahren befinden, nicht unüblich sei. Das hätte für den Investor einige Vorteile. Der Preis für den Kauf könnte damit niedriger sein. Die Altlasten müssten nicht übernommen werden. Der Investor könnte von Null beginnen.

"Für die Gläubiger wäre das möglicherweise sogar besser", sagt der Sprecher. Sie würden ihr Geld über die Quote erhalten, die sich unter anderem aus dem Kaufpreis und liquiden Mitteln zusammensetzt. Die Anleger waren am Montag gar nicht erfreut. Sie würden in diesem Fall leer ausgehen. Viele machten ihrem Frust auf der Facebook-Seite von Loewe Luft.

"Das ist doch wieder ein Statement ohne Inhalt. Wann werden endlich Fakten auf den Tisch gelegt?", fragt einer. "Erst wurde vollmundig von vielen Investoren gesprochen, die sich offensichtlich alle um Loewe reißen. Dann von sechs, jetzt ist es noch einer", schimpft ein anderer.


Aktie erreicht Rekordtief
Die Wut der Aktionäre war auch noch gestern an der Börse zu spüren. Die Loewe-Aktie fiel schon am Montag um 40 Prozent, gestern erreichte sie das Rekordtief von 1,42 Euro.

Und da ist ja auch noch die Staatsbürgschaft, die der Freistaat dem TV-Hersteller in Aussicht gestellt hat. Wie eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums erklärt, beobachte das Ministerium genau die Entwicklungen bei Loewe. Man stehe in engem Kontakt mit dem Vorstand.

Doch auf die entscheidende Frage, ob durch die jetzige Entwicklung die Staatsbürgschaft gefährdet wird, weicht die Sprecherin aus. "Ob und in welcher Form staatliche Finanzierungshilfen, etwa in Form einer Bürgschaft, eingesetzt werden können, wird zu gegebener Zeit in Gesprächen mit allen Beteiligten zu klären sein." Wichtig hierfür, seien auch die die konkreten Planungen mit potenziellen Investoren. Nun gehe es erst einmal darum, die Angebote zu prüfen, zu bewerten und anschließend konkrete Vertragsverhandlungen aufzunehmen.

Wie der Loewe-Sprecher erklärt, könne das aber noch einige Wochen, sogar Monate dauern. Erst dann wird klar sein, ob Loewe, der Standort Kronach und die 650 Mitarbeiter gerettet sind.