Wenn man die Siechenangerstraße entlang läuft, kommt man an einem Haus vorbei, das höchstens durch seine Fassadengestaltung ins Auge sticht. Selbst das kleine Schild mit der Aufschrift Industrial Electronic ist eher unscheinbar. Und doch verbirgt sich in dem Gebäude Nennenswertes - nämlich ein weltweit operierendes Unternehmen.

Dessen Geschäftsführer ist Hubert Denegri, der mit seinem Team einen Großhandel für Anlagen und Ersatzteile, schwerpunktmäßig für die Getränkeindustrie, betreibt. "Egal, ob es sich um Mechanik, Elektrik, Hydraulik oder Automatisierung handelt - was die Leute suchen, besorgen wir. Wir sind wie so ein kleiner Tante-Emma-Laden", betont der 48-Jährige.

Klein hat tatsächlich alles begonnen - 1984. Firmengründer Joachim Benöhr hielt sich damals in Venezuela auf und wurde von einem Einheimischen gefragt, ob er für ihn nicht ab und zu Ersatzteile besorgen könnte. Damit war der Grundstein für das Unternehmen gelegt.

Erster Kunde
Der erste große Kunde stammte aus dem Bereich der Petrochemie, also der Herstellung von chemischen Produkten beispielsweise aus Erdgas. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Zwei Jahre nach der Firmengründung stieß Hubert Denegri hinzu, der sich fortan um weitere Kunden bemühte. Dabei kam ihm sicherlich zugute, fünf Jahre seiner Jugend in Venezuela verbracht zu haben. Sprachliche Barrieren waren im mittel- und südamerikanischen Raum demnach nicht vorhanden. Und so kamen immer mehr Kunden hinzu, zu denen heute beispielsweise auch große Konzerne wie Heineken, Coca Cola oder die beiden größten Brauereikonzerne der Welt, AB Inbev und Sab-Miller, gehören.

"Ich habe eine besondere Affinität zu Brauereien", gesteht Denegri. Nicht etwa, weil er übermäßig viel Bier konsumiert. Vielmehr hat er schon während seines Betriebswirtschaftsstudiums in Brauereien gejobbt: "Das hat mir Spaß gemacht." Bereits damals konnte er so manche Abläufe und Informationen hinsichtlich der Technik kennen lernen, die nach seinem Eintritt in die väterliche Firma sicherlich nicht von Nachteil waren.

Aber nicht nur Brauereien oder Softdrink-Konzerne gehören zu den Kunden von Industrial Electronic. Selbst für den Ausbau des Panamakanals liefert das Kronacher Unternehmen Motoren und Umrichter für die Schleusen sowie ganz allgemein Teile für die Beleuchtungstechnik. Auch in der U-Bahn von Venezuela steckt Technik, die Denegri mit seinem Team geliefert hat. Mexiko, Argentinien, El Salvador, Costa Rica, Paraguay oder auch Bolivien - Industrial Electronic ist vielfach präsent.

Größte Brauerei der Welt
"Viele Kunden erschließen sich uns durch Synergien. Die Einkäufer und Geschäftsführer kennen sich und tauschen sich aus. Da wird man schon mal weiterempfohlen." So geschehen bei der Grupo Modelo, zu der mit der mit der "Cervecera de Coahuila" die größte Brauerei der Welt gehört. Der gesamte Konzern weist einen Jahresausstoß von circa 60 Millionen Hektolitern aus.

Aber warum suchen diese Unternehmen gerade einen Großhändler in Deutschland? Laut Denegri wird in diesen Betrieben häufig europäische Technik eingesetzt. Die Ersatzteile dafür seien aber auf dem amerikanischen Markt - wenn überhaupt - nur schwer zu erhalten. Deshalb richtet sich der Blick nach Europa. Und weil Industrial Electronic ein Großhändler ist, kann er zudem Ersatzteile vergleichsweise günstig einkaufen, was im Gegenzug natürlich für dessen Kunden interessant ist.

"Man muss sich das vorstellen wie bei einem Auto. Bei einer defekten Zündkerze kann man in die Vertragswerkstatt gehen, muss dann aber vergleichsweise viel Geld dafür bezahlen. Oder man besorgt sich eine Zündkerze und baut sie selbst ein. Und genau so machen das unsere Kunden", erklärt Denegri, der 2002 das Unternehmen übernommen hat und dieses mit seinen derzeit 22 Mitarbeitern gut aufgestellt sieht.

Angesichts der zahlreichen Kontakte nach Mittel- und Südamerika sollten diese spanisch reden können: "Das ist eigentlich Voraussetzung." Einmal in der Woche kommt eine Lehrerin ins Haus, um die Spanisch-Kenntnisse aufzufrischen. Und wenn ein Mitarbeiter einen Sprachenurlaub macht, beteiligt sich das Unternehmen sogar an den Kosten.

Lager angemietet
In den vergangenen Jahren sind immer wieder neue Mitarbeiter hinzugestoßen. Auch dadurch ist das Unternehmen erst jüngst an seine räumlichen Grenzen gestoßen. Deshalb hat Denegri eine rund 300 Quadratmeter große Lagerfläche in Kronach angemietet und den Versand ausgelagert. "Eigentlich brauchen wir gar kein Lager. Wir kaufen nur, wenn wir einen Auftrag haben." Um jedoch Fracht- und Zollkosten zu sparen, werden Bestellungen quasi gesammelt und gebündelt versendet - deshalb braucht es dann eben doch eine Lagerhalle. "Mit der Lösung, die wir jetzt haben, bin ich ganz zufrieden", betont der 48-Jährige, der sich mit seiner Firma in Kronach wohl fühlt.

Das Unternehmen steht auf gesunden Beinen - wohl auch ein Grund dafür, dass Hubert Denegri schon jetzt plant, die Geschäftsleitung spätestens mit 55 Jahren in jüngere Hände zu legen. Leisten kann er sich das allemal, denn der Nachwuchs steht - allen voran mit Sohn Sebastian - bereits in den Startlöchern. Dieser macht derzeit ein duales Studium und arbeitet im Unternehmen schon fleißig mit. Aber auch Hubert Denegris weitere Kinder, Frederik, Carla und Nicolas, sind schon teilweise im Unternehmen tätig. An Nachwuchs mangelt es Hubert Denegri demnach nicht.